Autos und Internet., digital., nachhaltig.
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Mitfahrgelegenheiten – wer, wie, was?

Es gibt heute wahrscheinlich mehr Optionen von einem Ort zum anderen zu kommen als jemals zuvor in der Geschichte unserer Menschheit. Man kann natürlich laufen oder Fahrrad fahren (die Optionen gibts schon länger :). Man kann aber heute auch Fernbus fahren oder Bahn, ein Carsharing Auto nehmen oder bei der Autovermietung anfragen. Oder man kann – je nach Strecke – Flugzeug fliegen, mit dem Schiff fahren, Taxi fahren und so weiter. Und dann gibt es ja immer noch diese unbedeutende Randgruppe von Menschen, die tatsächlich IMMERNOCH ein eigenes Auto haben 😀

Eine Option die aus den meisten studentischen Reiseplänen nicht wegzudenken ist, sind die Mitfahrgelegenheiten. Deswegen möchte ich euch die heute näher vorstellen. Im Grunde ist das nichts weiter als den „Tremp-Daumen“ ins Internet zu halten und zu schauen, ob einen jemand mitnehmen kann. Die Kosten für die Fahrt werden einfach geteilt (deswegen ist es nämlich auch rechtlich kein Gewerbebetrieb, da der Fahrer keinen Gewinn machen sollte).

Um so zu reisen bedarf es natürlich einer gewissen Grundentspannung. Die meisten Inserate werden erst 2-3 Tage vor der Fahrt eingestellt, man steigt zu wildfremden Leuten ins Auto und steht im Zweifel mit denen stundenlang im Stau. Und auch Fahrstile unterscheiden sich ja sehr 🙂 Dafür ist es günstig, nachhaltig und man lernt oft nette Leute kennen.

Los geht es also mit einer Übersicht, auf welchen Plattformen sich Fahrer und Mitfahrer finden können.

Streckenvergleich bei den Anbietern

Um die Angebote ein ganz klein wenig vergleichbar zu machen habe ich mir 10 nicht repräsentative und völlig willkürliche Teststrecken rausgesucht und dann geschaut, ob und zu welchen Preis die Angeboten werden. Dabei habe ich an einem Donnerstag Abend geschaut, ob es für Freitag zwischen 15-18 Uhr Angebote gibt.

Fahgemeinschaft.de

Bessermitfahren.de

BlaBlaCar.de

Kosten

Kostenfrei

Kostenfrei

Gebühr
(ca. 10-20% des Fahrpreises)

Mögliche Filter
  • Bahnfahrten
  • Tiermitnahme
  • Sperrgut
  • Rauchen erlaubt
  • Frauen only
  • ADAC Mitglieder
  • Umkreis
  • Tiermitnahme
  • Zugtickets
  • Anzahl der Plätze
  • Umkreis
  •  Preis
  • Sofort-buchen Option

Anzahl Nutzer (nach eigenen Angaben)

1,5 Mio. Nutzer
2,5 Mio. Inserate

1,1 Mio. Nutzer
1,5 Mio. Inserate

Mehr als 9 Mio. Nutzer (Europa)

Verfügbarkeit Test-Strecken 6 von 10, meistens max. 2 Angebote und über andere Strecken

7 von 10, allerdings jeweils nur 1 oder 2 Angebote

 9 von 10, meistens mehr als 5 Angebote
App im AppStore 3 von 5 Sterne (39 Bewertungen) 4 von 5 Sterne (40 Bewertungen)

4 von 5 Sterne (fast 10.000 Bewertungen)

1. Der absolute Platzhirsch – BlaBlaCar

Das wird wahrscheinlich der erste und auch längste Beitrag, da es einfach sehr viel mehr Details zu begucken gibt als bei den anderen 🙂

Mitfahrgelegenheiten finden und buchen

Die Startseite ist recht einfach gestrickt: Wo komme ich her, wo will ich hin und wann? Schon geht es los. Aus den durchaus vielen Angeboten von Mitfahrgelegenheiten kann dann ausgewählt werden, was einem zeitlich und preislich am meisten zusagt. Die Preise legen dabei die Fahrer fest, allerdings schlägt BlaBlaCar passende Preise vor.

Früher hat man dann über die interne Nachrichten-Funktion (meistens in der App, geht aber auch am Rechner) den Fahrer angeschrieben und gefragt, ob noch Plätze frei sind. Mittlerweile hat BlaBlaCar allerdings die komfortable „Sofort-Buchen“-Option. Wenn man also ein Inserat gefunden hat, bei dem man gerne mitfahren möchte, kann man bei einigen (oder mittlerweile den meisten) Inseraten einfach auf „buchen“ klicken und direkt über BlaBlaCar per Paypal bezahlen.

Das hat den Vorteil, dass beim Start der Fahrt schon alles bezahlt ist und kein Bargeld hin- und hergereicht werden muss wie früher. Außerdem verschwinden gebuchte Sitzplätze ganz automatisch aus den Suchergebnissen. Inserate die zwar noch aktiv sind aber eigentlich keine freien Plätze mehr haben sind somit Schnee von gestern (und wer das noch erlebt hat weiß, wie nervig das war). Außerdem hat der Fahrer eine gewissen Sicherheit, dass die Mitfahrer auch tatsächlich auftauchen bzw wenn sie es nicht tun bekommt er zumindest einen Teil des Geldes meist trotzdem.

Die automatische Zahlung hat den Nachteil, dass Paypal schon wieder Gebühren einheimst und BlaBlaCar gleich mit – bei einer 10€-Fahrt schlägt BlaBlaCar nochmal 2€ drauf. Die Gebühr macht in diesem Fall also ganze 16% vom Fahrpreis aus. Zudem bleiben manchmal ganz nette Trinkgelder („ich kann nicht wechseln“) für den Fahrer auch aus, da kein Bargeld mehr den Besitzer wechselt.

Ein Inserat erstellen (als Fahrer)

Bevor man überhaupt eine Fahrt anbieten kann muss ein relativ umfangreiches Profil angelegt werden. Darin enthalten sind Infos zu sich selbst, zum Auto, ob man gerne redet und Musik hört, eine Kurzbeschreibung, Zahlungsdaten etc. Das ist alles recht benutzerfreundlich gestaltet und muss ja auch nur einmal gemacht werden. Diesen Aufwand nimmt man sicher auch nur auf sich, wenn man regelmäßig fahren und mitfahren will. Für „mal eben“ sind die anderen Plattformen entspannter.

Gleich auf der Startseite prangt recht groß „Fahrt anbieten“. Wenn das Profil vollständig ist, kann man eine Fahrt extrem schnell einstellen. Auf der ersten Seite werden Start- und Zielort festgelegt (mittlerweile sogar nicht nur die Stadt selbst sondern am Besten gleich eine Adresse / Haltestelle oder ähnliches wo man sich trifft). Wer mag kann vorgeschlagene oder eigene Zwischenhalte einfügen, was sich aber nur bei längeren Strecken lohnt oder wenn man wirklich auf das Geld angewiesen ist. Dann noch Datum und Uhrzeit für eine Fahrt oder gleich für Hin- und Rückfahrt.

Im nächsten Schritt empfiehlt BlaBlaCar einen Preis, wobei der hier angezeigte Preis immer der tatsächliche Verdienst ist, die erhobenen Gebühren werden dem Fahrer gar nicht angezeigt. Die sieht nur der suchende Mitfahrer in den Ergebnisse. Für meine Standard-Fahrt zwischen Hannover und Leipzig schlägt BlaBlaCar 12 Euro vor, meine Mitfahrer zahlen 14 Euro. Die Anzahl der freien Plätze muss noch ausgewählt werden und ein kurzer Beschreibungstext (der aber von den letzten Fahrten übernommen wird) und schon ists fertig. Zum Abschluss wählt man noch aus, ob die „Sofort Buchen“-Option angeboten werden soll oder nicht.

Bewertungssystem

Nach Ende der Fahrt kann man sich im übrigen gegenseitig bewerten. Damit soll ein Indikator gegeben werden, wer nett ist bzw. vernünftig fährt und mitfährt und wer nicht. Insgesamt wird sehr positiv bewertet, Bewertungen unter 4 oder 5 Sternen sind doch eher die Ausnahme, da muss schon ganz schön was vorgefallen sein. Das wiederum macht die Idee von Bewertungen natürlich ein bisschen obsolet, ist aber auf anderen Plattformen mit Bewertungen wie AirBnB durchaus ähnlich.

Was soll gut sein an 16% Gebühr?

Neben der Tatsache dass ich es sehr ok finde, wenn ein Unternehmen für seine Dienste (und die 500 Mitarbeiter bei BlaBlaCar) ein bisschen Geld verdient sind in der Gebühr einige Zusatzleistungen in Form von Versicherungen enthalten. Wie immer bei Versicherungen ist es ein Geschäft mit der Angst, aber immens praktisch wenn sie im Fall der Fälle da ist. Und ich muss zugeben, dass ich diese Zusatzleistungen trotz häufiger BlaBlaCar-Nutzung bis zur Recherche für diesen Artikel auch gar nicht kannte. Dennoch – wenn sie optional zubuchbar wären würde ich sie vermutlich nicht buchen. Aber da wird einem ja gar keine Wahl gelassen 🙂

Interessant ist im übrigen, dass diesen Aufschlag tatsächlich die Mitfahrer zahlen. Die gleichen Strecken bei anderen Portalen kosten durchaus meist 1-2€ weniger. Das heißt als Fahrer verdient man genausoviel, egal auf welchem Portal man inseriert.

Die Versicherungen die mit der Gebühr gezahlt werden (in Kooperation mit der AXA Versicherung) umfassen:

  • Pannenhilfe und Weiterreise: gibt es unterwegs einen Unfall oder eine Panne, zahlt quasi BlaBlaCar (eigentlich natürlich die AXA) das Abschleppen, einen Pannendienst vor Ort oder die Weiterreise an den Start- oder Zielort. Quasi eine Art ADAC-Versicherung nur für BlaBlaCar Fahrten. Möglicher Anwendungsfall ist also das Liegenbleiben auf der A2 und das Auto fährt nicht mehr, dann wird das Auto zur nächsten Werkstatt transportiert und alle Mitfahrer – und der Fahrer wenn er will – werden mit der Bahn, dem Taxi oder was auch immer zum Start- oder Zielort gefahren.
  • Unfallversicherung für den Fahrer: Schäden an Mitfahrern sind über die KfZ-Haftpflicht immer versichert (das ist die, die zahlt wenn ich mit meinem Auto jemand anderem Schaden zufüge, was ja auch meine Mitfahrer treffen kann), das ist wohl rechtlich so. Der Fahrer selbst ist aber nur mit der gesetzlichen Unfallversicherung oder – falls er eine hat – mit einer weiteren privaten Unfallversicherung abgedeckt. Anwendungsfall wäre, dass man sich als Fahrer bei einem Unfall während einer BlaBlaCar Fahrt schwer verletzt oder gar stirbt mehr Geld bekommt, als wenn es keine BlaBlaCar Fahrt gewesen wäre. Naja, beruhigend. Oder?! 😛
  • Telefonische Rechtsberatung: Wie auf jeder anderen Fahrt auch kann unterwegs was passieren, was rechtlich nicht geklärt ist. Wenn es eine BlaBlaCar Fahrt war, kann man da anrufen um zu fragen. Anwendungsfall könnte ein Unfall sein bei dem die Beweislage nicht klar ist, dann kann man telefonisch zumindest erfragen was die nächsten Schritte sind, wie man an ein Gutachten kommt etc.
  • Rückversand vergessener Gegenstände: Das erscheint mir die sinnvollste der Versicherungen. Wenn ein Mitfahrer was liegen lässt zahlt BlaBlaCar den Rückversand bis zu 150€, man könnte also sogar sein Fahrrad im Auto liegen lassen 🙂 Drum kümmern muss sich der Fahrer leider trotzdem noch.

Insgesamt kann man sagen, dass durch die Versicherungen alles mögliche abgedeckt ist, was man als privater Vielfahrer wahrscheinlich auch versichert hat (außer die liegengelassenen Gegenstände). Ziel scheint also hier zu sein, dass es ein Rundum-Sorglos-Paket für Fahrer gibt und man sich nicht extra für die BlaBlaCar Fahrten zusätzlich versichern muss. Voraussetzung ist immer, dass es zum einen eine aktive Buchung gibt und der Mitfahrer auch tatsächlich mitgefahren ist. Sonst besteht der Versicherungsschutz nicht.

Zusammenfassung BlaBlaCar

Bei BlaBlaCar habe ich das Gefühl, dass sich insbesondere zu diversen rechtlichen Fragestellungen Gedanken gemacht wurden, das ist bei den anderen nicht so. Nun sind Menschen, die mit Mitfahrgelegenheiten fahren wahrscheinlich tendenziell eher grundentspannt, sonst würde man das wohl nicht machen. Dennoch bleibt die Frage, was bei den kostenfreien Portalen mit diversen Haftungsfragen passiert, da weder die Buchung, noch die Zahlung, noch die Personalien dem Portal bekannt sind. Der Mitfahrer zahlt nach der Fahrt nicht, hat ins Auto gekotzt, der Fahrer taucht einfach nicht auf… all das ist bei BlaBla Car bis ins Detail geklärt, während man bei den anderen Portalen auf Vertrauen in die Menschheit und gesunden Menschenverstand angewiesen ist. Auch hier hat natürlich jeder die Wahl, es ist wie alles ja nur ein Angebot.

Ich nutze es sehr regelmäßig, weil ich so den Aufwand für Fahrtangebote und Mitfahren minimieren kann und viele klassische Themen (Mitfahrer tauchen einfach nicht auf oder haben plötzlich kein Geld dabei) beseitigt sind. Alles in allem also die Rundum-Sorglos-Variante unter den Mitfahrer-Portalen.

Wenn ihr jetzt direkt anfangen wollt euren nächsten Wochenend-Trip oder Berlin-Besuch zu planen geht’s hier lang: https://www.blablacar.de

2. Fahrgemeinschaft.de

Auch hier ist die Startseite recht einfach gehalten und man kann direkt suchen ohne sich anmelden zu müssen. Auch die Fahrerdaten inklusive vollständigem Namen und Foto sind dann schon einsehbar, was aus Privatsphäre-Gründen in meinen Augen keine optimale Lösung ist. Die Seite ist insgesamt etwas besser bedienbar als bessermitfahren.de, kommt an BlaBlaCar aber bei weitem nicht ran. Dafür ist es ja auch kostenlos.

Von meinen 10 nicht repräsentativen und völlig willkürlich ausgewählten Teststrecken waren nur 6 verfügbar. Das ist mitten im Sommer und an einem Freitag Abend nicht viel. Dazu kommt, dass es wenn überhaupt immer nur 1 oder 2 Angebote gab und die häufig auch nur mit Zwischenhalt als Startpunkt. Das ist oft nervig, dann ist nicht absehbar wann es tatsächlich losgeht oder wie lange der Fahrer vorher im Stau steht.

Die Inserate sind relativ vollständig mit Name, Emailadresse, Fahrzeug etc und auch ob Tiere mitgenommen werden können ist angegeben (mein Hund Jack bleibt natürlich nicht zu Hause :). Da die Seite zum ADAC gehört kann man auch sehen, ob der Fahrer dort Mitglied ist. Wenn man allerdings filtert nach „ADAC Mitgliedschaft“ reduzieren sich die Ergebnisse nochmal deutlich oder anders ausgedrückt: Es interessiert keinen Menschen, ob du ADAC Mitglied bist 😉

Wenn man bei jemandem mitfahren möchte geht das ganz altmodisch über ein Kontakformular, alternativ sind auch Emailadresse und Handynummer des Fahrers angegeben.

Ein Inserat schalten

Ein Inserat zu schalten ist ungefähr ebenso einfach, gleich oben auf der Seite gibt es den Punkt „inserieren“. Neben den Standardangaben Zeit und Strecke gibt es die Möglichkeit, regelmäßige Fahrten einzustellen. Das hat kein anderer Anbieter und für Berufspendler ist das extrem praktisch, da sie so nicht jede Fahrt einzeln einstellen müssen. Die Optionen sind also „einmalig“, „wöchentlich“ und „täglich“. Interessant wäre hier die Frage wie oft das genutzt wird und ob BlaBlaCar diese Option nicht bietet weil es keiner braucht. Um das rauszufinden habe ich wieder 2 nicht repräsentative und völlig willkürliche Teststrecken rausgesucht.

Ergebnis: Von den 5 Angeboten von Leipzig nach Berlin an einem Sonntag werden immerhin 2 regelmäßig angeboten. In der anderen Richtung sind es 5 von 9. Vielleicht ist das die Marktlücke von „Fahrgemeinschaft.de“, die ja auch dem Namen gerecht wird, da es eher um sich bildende Gemeinschaften geht als um einmalige Fahrten? Könnte sein.

Auch eine nette Spielerei: Wenn man die Fahrt fertig erstellt hat wird automatisch ein Link generiert, mit dem man die Fahrt auf Facebook veröffentlichen kann und damit auch gleich noch für das Portal wirbt. Vor allem bei Fahrten aus der eigenen Heimatstadt kann das sehr sinnvoll sein. Das kann man bei BlaBlaCar natürlich „manuell“ auch machen, allerdings wird man nicht so aktiv darauf hingewiesen. Logisch, BlaBlaCar hat kein Interesse, dass meine Freunde mitfahren, weil sie dann wahrscheinlich keine Provision mehr verdienen sondern wir das unter uns machen 😉

Ich habe zwei meiner Standard-Fahrten eingestellt – leider keine Meldungen. Zwei ist wie immer nicht repräsentativ, das ist schon klar. Dennoch würde ich es jetzt nicht noch weitere 5 Male versuchen, wenn es am Anfang keinen Erfolg gibt.

Zusammenfassung Fahrgemeinschaft.de

Das hat der ADAC sich gut gedacht, seine Mitgliedschaften als „Alleinstellungsmerkmal“ beim mitfahren zu vermarkten, aber so richtig funktioniert das offenbar nicht. Schade eigentlich, die Seite ist vernünftig aufgebaut und Geld bleibt zu 100% beim Fahrer. Eine App gibt es auch. Etwas mehr Traffic würde gut tun, dann hat diese Seite in meinen Augen von den wenigen Konkurrenten noch die größten Chancen BlaBlaCar Paroli zu bieten, im Moment sieht es aber nicht danach aus.

3. Bessermitfahren.de

Dieses Portal verzichtet auf jede Art der Anmeldung – sowohl beim Inserat schalten als auch beim Suchen. Das ist insofern clever, da man sich technisch die eine komplette Nutzer-Datenbank spart.

Zugute halten muss man, dass hier kein Unternehmen hinter der Website steht sondern der Verantwortliche laut Impressum freiberuflicher Webentwickler ist. Das muss man erstmal schaffen, so „nebenbei“ – dafür schonmal Hut ab!

Dennoch ist die Bedienung der Seite (im Browser) mit Abstand die am wenigsten komfortable. Die Startseite ist noch ganz gut, doch spätestens wenn man seinen Start- und Zielort eingegeben sowie das Datum eingegeben hat muss man erstmal ganz nach unten scrollen um Ergebnisse zu sehen. Da ist die mobile Ansicht deutlich besser gelungen, ebenso die App. Trotzdem schade, weil sowas einfach zu beheben sein sollte.

Es gibt deutlich weniger Filterkriterien als bei Fahrgemeinschaft.de, was aber für die Grundfunktion nicht schlimm ist. Die Suche an sich funktioniert anstandslos, auch hier gibt es aber nur für 7 meiner 10 Teststrecken Angebote und auch wieder nur 1-2 pro Strecke. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass davon einer schon voll belegt ist und der andere dann spontan doch nicht fährt.

Ein Inserat zu schalten ist relativ schnell gemacht, ebenfalls ohne Anmeldung. Nach dem Schalten eines Inserats bekommt man eine Email mit einem Aktivierungslink, über den sichergestellt wird dass man das Inserat selbst geschalten hat. In dieser Email sind darüber hinaus auch alle Links, die zum Bearbeiten oder Löschen des Inserats notwendig sind. Auch hier gab es auf meine 2 Testinserate keine Meldung.

Aufgrund der Kürze des Artikels durch die recht simple Seite verzichte ich auf eine Zusammenfassung 🙂

(4.) flinc.org

Diese Seite läuft etwas außer Konkurrenz, weil sie sich weniger auf lange Strecken zwischen Städten konzentriert als vielmehr auf Kurzstrecken, dafür aber genau von Adresse zu Adresse. Eine interessante Idee, die schon 2011 gestartet ist. Mein erster Gedanke war zugegeben, dass Kurzstrecken-Mitfahrgelegenheiten stressig werden könnte und bestimmt nicht viel Geld bringen. Um zu schauen ob diese Annahme stimmt, habe ich mir auch diese Seite etwas näher angesehen.

Positionierung von Flinc im Vergleich zu uber & Co., Quelle: http://blog.flinc.org/neue-mobilitatsangebote-im-vergleich/

Bevor es losgeht steht wieder die schnelle und unkomplizierte Anmeldung an. Hier muss man sich entscheiden ob man Fahrer oder Mitfahrer sein will, was schade ist da man ja durchaus an beidem Interesse haben kann. Ich entscheide mich erstmal für Fahrer, später stellt sich heraus dass es völlig egal ist was man hier angegeben hat. Name, Emailadresse und Passwort sind die üblichen Standardangaben, neu ist hier die Angabe der genauen Wohnanschrift. Klar, wenn ich jemanden direkt von hier mitnehmen will muss das System recht genau wissen, wo ich wohne (allerdings wird diese Information bei der Streckensuche später leider gar nicht berücksichtigt). So weit, so einfach. Nach der Freischaltung über den Aktivierungslink will flinc noch meine Telefonnummer verifizieren, hmpf. Und das, bevor ich irgendetwas anderes auf der Seite gesehen habe. Ab hier auch erstmal auf Englisch…?

Angebotsumfang

Als ich fertig angemeldet bin suche ich eine Strecke. Von Hannover nach Leipzig (ja, ich sollte mir mal was Neues überlegen 😉 gibt es 2 Angebote, das eine soll 20€ kosten, das andere 21€. Im Vergleich zu anderen Anbietern ist das ziemlich teuer. Ich sehe auf den ersten Blick nichts weiter. In den Details sehe ich dann, dass der Anbieter 50% aller Anfragen beantwortet und dafür im Durchschnitt 8 Stunden braucht, das ist eine eher schlechte Rate. Er soll 156km Umweg machen, weil er eigentlich aus dem Ruhrpott Richtung Hof fahren will. Ich bezweifle, dass er zusagen würde und melde mich deswegen erst gar nicht. Als ich Berlin – Leipzig suche weil das eine deutlich häufiger befahrene Strecke ist bekomme ich im übrigen denselben Fahrer angezeigt. Innerhalb von Städten schauen ich noch 2 Strecken nach (weil das ja die eigentliche Idee von flinc ist), da gibt es in Leipzig und sogar in der Hipster-Hauptstadt Berlin gar keine Ergebnisse. Gut, dass wenigstens meine Handynummer verifiziert ist.

Naja, die Idee ist nett, aber zumindest in Deutschland wohl noch im Entstehen um es vorsichtig auszudrücken. Mittlerweile hat das Unternehmen wohl 350.000 Nutzer, wobei fraglich ist wie das definiert ist. Bei so wenigen Angeboten?

Was cool ist, ist eine Kooperation mit DriveNow, dem Carsharing-Angebot von BMW und Mini. Die Idee ist, dass meine Carsharing-Fahrten gleich bei Flinc angezeigt werden können und ich auch da Leute mitnehmen kann. Auch da ist die Idee ziemlich gut, die Umsetzung im Moment noch mangelhaft. Die Kooperation besteht auch schon seit 2012 und scheint bisher ja nicht so mega erfolgreich geworden zu sein. Vielleicht ein bisschen seiner Zeit voraus, aber umso schöner dass schonmal jemand darüber nachgedacht hat.

Automatische Emails wie den Aktivierungslink oder Passwort zurücksetzen-Emails kommen auch auf Englisch. Das sollte heutzutage kein großes Problem mehr sein, dennoch gibt es gerade in meiner Mutti-Generation doch noch viele, die kein fließendes Englisch sprechen. Schade, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat konsequent zu Ende zu übersetzen.

Alles in allem – die Idee ist gut, doch es scheitert sehr deutlich an der Masse der Angebote. Vermutlich weil Aufwand und Nutzen für den Anbieter bei kurzen Strecken einfach in einem ungünstigen Verhältnis stehen.

Fazit – wer ist denn nun der Beste?

Naja, leider ist das eigentlich schon klar. Letztendlich geht es bei Mitfahrgelegenheiten wie bei jeder anderen Börse darum, eine kritische Masse zu erreichen – bei Anbietern und Nachfragern. Und da hat BlaBlaCar einfach eindeutig die Nase vorn. Allerdings eben auch beim Preis. Wie viel einem Service und Bequemlichkeit sowie Streckenverfügbarkeit wert ist muss dann also jeder selbst wissen.

Dennoch finde ich es schön, dass es andere Plattformen gibt auf denen sich Fahrer und Mitfahrer begegnen können denen diese Annehmlichkeiten und Sicherheit nicht so wichtig sind. Bisher haben es diese Portale in meinen Augen noch nicht geschafft, die oben genannte kritische Masse zu erreichen, was schade ist. Wenn die kostenfreien Anbieter da noch hinkommen, könnte sich wenigstens ein kostenfreier „Zweitmarkt“ entwickeln (Monopole sind ja einfach immer doof 😉

Danke, dass du diesen Artikel bis zum Ende gelesen hast 🙂 Ich wünsche dir immer gute Fahrt, Mitfahrt oder was auch immer und nicht vergessen (zum Thema Urvertrauen als Grundvoraussetzung um zu fremden Leuten ins Auto zu steigen):

Alles wird gut, posaunt das Positive Denken. Alles ist gut, flüstert das Urvertrauen.
Andreas Tenzer

 

Bis bald!

 

Kategorie: Autos und Internet., digital., nachhaltig.

von

Ich bin Luise und Bloggerin aus Leidenschaft. Ich liebe Fahrrad fahren und Mittagsschlaf. Ich lebe für Liebe, Wärme, Licht und Farben. Und dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass mit ein bisschen mehr Selbstliebe in jedem von uns die Welt ein noch schönerer Ort wird. Also, lasst uns anfangen :)

3 Kommentare

    • Luise sagt

      Hallo aliliy,
      vielen Dank für den Hinweis. Ich habe mal geschaut und leider ist keine der Strecken die ich getestet habe derzeit auf beengo verfügbar. Dort scheint sehr wenig los zu sein. Wenn sich das geändert hat nehme ich es gerne mit in den Vergleich auf 🙂

      Viele Grüße, Luise

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