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Warum die Welt ein besserer Ort ist, wenn mehr Menschen einen Therapeuten haben

Therapeuten loslassen befreien

Ja, ich habe einen Therapeuten. Sogar eine TherapeutIN. Und nein, ich habe keinen Knall, bin nicht komisch (oder zumindest nicht komischer als du auch ;)). Oder um es mal wieder mit Julia Engelmann zu sagen „Mit nem Beinbruch gehst du auch zum Orthopäden, also kannst du auch mal mit nem Psychologen reden“.

Ich finde es sehr schade, dass Therapien bei uns immer noch ein Dogma innewohnt, dem Schwachheit, Verrücktheit (im negativen Sinne) oder grundsätzliche Lebensunfähigkeit zugeschrieben wird. Wir putzen jeden Tag Zähne und tun sonst allerlei Dinge, um unseren Körper in Schuss zu halten. Und wie halten wir unsere Seele in Schuss?

Ich glaube, dass wir uns selbst und unseren Mitmenschen viel Vorenthalten, wenn wir uns so sehr gegen ein Gespräch mit einem Therapeuten wehren. Am Ende geht es nur darum, dass Therapeuten Menschen sind, die das „Gedanken sortieren“ mal professionell gelernt haben. Und sie urteilen meist nicht so schnell wie deine beste Freundin oder dein bester Freud wenn es um Gedanken geht, die nicht so hip oder gesellschaftsfähig sind. Ich hoffe mit diesem Artikel den ein oder anderen bestärken zu können, sich auch einen Therapeuten zu suchen. Man wird dadurch nicht komisch 🙂

Gründe, mit einem Therapeuten zu sprechen gibt es genug

Jeder von uns hat Zeiten, zu denen es uns nicht so gut geht. Sei es die Trennung von einem Partner, unfreiwilliges Single-Dasein, ein Job- oder Stadtwechsel der so mittelmäßig geglückt ist, der Tod eines Menschen, ständige innere Unruhe, psychosomatische Erkrankungen, Zukunftsängste oder einfach eine Sinnkrise. All das gehört zum Leben und ist total normal. Es gehört genauso zu uns wie das Zähne putzen, essen und schlafen auch.

Was Therapeuten tun, ist nichts anderes als uns zu helfen, damit umzugehen. Ja, da ist dieser und jeder Gedanke oder dieses Gefühl, was mache ich denn jetzt damit? Wie gehe ich damit um, wie kann ich es loslassen oder transformieren in etwas schönes? Oder manchmal auch nur: wie halte ich das besser aus, sodass es mich weniger belastet?

Ist mein Problem schlimm genug, um zum Therapeuten zu gehen?

Anfangs habe ich auch gedacht „Ich habe keine Gewalt erlebt als Kind und bin auch sonst nicht traumatisiert, habe ich das überhaupt nötig?“ Dazu 2 Erkenntnisse:

1. Traumatisierung kann auch sehr gut ohne körperliche Gewalteinwirkung passieren und ohne, dass wir das mitbekommen. Unsere Kinderseele erträgt viel, was wir erstmal gar nicht als Problem betrachten. Solange, bis wir beispielsweise in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen immer und immer wieder das gleiche Muster reproduzieren. Oder gar nicht erst in der Lage sind, echte zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Ich habe bisher glaube ich fast niemanden getroffen, der nicht doch das ein oder andere ganz schön große Päckchen aus seiner Kindheit mit sich trägt. Kommt dir bekannt vor? Naja, mein Tipp ist ja klar 😉

2. „Nötig“ hast du das vielleicht nicht. Wer hat das schon. Aber was ist die Alternative? Du kannst dich jahrelang alleine damit rumschlagen, still vor dich hinleiden, krank werden. Prima Idee 🙂 Oder du kannst dich den Themen stellen und anfangen, dein Leben zu leben und zu genießen!

Du machst das nicht nur für dich

Wenn man beginnt, sich mit sich auseinanderzusetzen merkt man erstmal, wie stark die Reaktionen im Umfeld sind. Bei systemischen Therapieansätzen geht man zum Beispiel davon aus, dass, wenn sich ein Bestandteil eines Systems verändert, die anderen sich auch verändern und in Bewegung kommen. Dabei sind Systeme nicht nur Familien, sondern auch Unternehmen, Freundeskreise und so weiter.

Und nicht zu vergessen sind immer die eigenen (auch ungeborenen) Kinder. So wie wir Verletzungen aus unserer Kindheit von ebenso verletzten Eltern (und die wiederum von unseren Großeltern) bekommen haben, geben wir das weiter. Außer, wir stellen uns den Themen und schaffen es nach und nach, sie zu lösen. Und ja, wir dürfen etwas übrig lassen für unsere Kinder, die sollen schließlich auch noch was zu tun haben.

Man kann also guten Gewissens sagen, dass die Arbeit an sich auch immer etwas ist, was man nicht nur sich schenkt und der eigenen Zufriedenheit, sondern auch immer deiner Umwelt.

Es ist ok, Angst zu haben

Wer den Artikel über das ZEGG gelesen hat weiß, dass es auch bei mir immer noch Situationen gibt, in denen ich Angst habe vor Arbeit an mir selbst und das ist total ok! Wir begeben uns in eine Situation in der wir noch nie zuvor waren und in der wir an unserem innersten Kern arbeiten wollen. Es wäre merkwürdig, keine Angst zu haben. Wichtig ist, sich davon nicht lähmen zu lassen.

Deswegen ist es wichtig, den ersten Termin an einem Tag zu legen, an dem man nicht so viel Stress hat. Ideal ist es, wenn du nach dem Termin nichts mehr vor hast und vielleicht auch alleine sein kannst. Arbeit an sich selbst ist wahnsinnig anstrengend und natürlich auch erstmal aufwühlend. Es kann eine sogenannte „Erstverschlimmerung“ geben, auch wenn ich da bisher nicht erlebt habe. Einen guten Vergleich finde ich immer Baustellen. Da sieht es zwischendurch auch oft sehr chaotisch aus und nicht so hübsch, aber das gehört dazu, damit später ein hübscher neuer Gehweg da ist.

Was dabei helfen kann ist, vorher mal mit dem Therapeuten zu telefonieren. Für eine Terminvereinbarung bietet sich das ja sowieso an. Dabei merkt man meistens schon, ob es so ungefähr passt oder eher nicht. Und ja, ich habe auch schon negative Erfahrungen gemacht, dann geht man da eben einmal hin und dann nie wieder. Auch das gehört dazu und ist überhaupt nicht schlimm.

Welche Therapieform und welcher Therapeut passt zu mir?

Ich persönlich bin ein großer Freund von systemischen Therapieansätzen, weil sie eben das ganze System im Blick haben und nicht nur mein Symptom. Wenn du „systemische Beratung“ googelst findest du bestimmt auch in deiner Stadt jemanden. In Hannover kann ich meine liebe Frau Sundmacher sehr empfehlen: https://www.es-koennte-anders-sein.de

Genauso gibt es auch klassische Psychologen, kognitive Verhaltenspsychologen und wer weiß was noch. Auch Hypnosetherapie ist eine, das werde ich bald testen (weil neugierig) und dann hier berichten.

Wichtiger als der Ansatz ist in meinen Augen einfach, dass du jemanden findest den du magst, dem du vertraust und bei dem du dich öffnen kannst. Und das findet man nur durch ausprobieren heraus. Ob Mann oder Frau ist glaube ich auch egal, wobei ich verstehen kann dass Frauen oft lieber zu Therapeutinnen gehen und Männer zu Therapeuten. Das ist beim Zahnarzt auch nicht anders, zumindest bei mir 🙂

Bleibt noch die Frage der Häufigkeit. Auch das ist abhängig vom Thema und darf Schwanken. Anfangs bin ich alle 2 Wochen gegangen, später nur noch alle 4 Wochen. Gerade machen wir eine 6-monatige Pause, weil viel passiert ist was erstmal wirken darf und es mir gerade sehr gut geht. Entscheide einfach, was dir am besten passt!

So what?

Wir haben immer die Wahl. Wenn es Dinge in unserem Leben gibt die wir uns anders wünschen, ist es unsere alleinige Verantwortung diese zu ändern. Es ist auch legitim, sich dagegen zu entscheiden etwas zu ändern, vielleicht ist es dann einfach nicht an der Zeit. Nur spätestens wenn du einen latenten Leidensdruck empfindest oder dein Leiden negative Einflüsse auf deine Umwelt hat, kann der Schritt zu einem Therapeuten sehr hilfreich und heilsam sein. Manchmal schaffen wir es alleine nicht und dann sollte es das normalste auf der Welt sein, sich jemanden zu suchen der das gelernt hat. Am Ende ist es deine Befreiung, ob du sie willst oder nicht obliegt ganz dir 😉

Du hilfst damit dir, deinen Mitmenschen und der Welt. Umso mehr Menschen heilen, umso besser für uns alle. Vielleicht schaffen wir es dann irgendwann, gemeinsam in Frieden und Freude zu leben, einander anzunehmen wie wir sind und uns dem zu widmen, was eigentlich in unserem Leben sein kann. Liebe, Freiheit, Zufriedenheit.

 

Was denkst du darüber? Ich freue mich auf deine Kommentare und Emails an luise@zeitgeistich.de!

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Ich bin Luise und Bloggerin aus Leidenschaft. Ich liebe Fahrrad fahren und Mittagsschlaf. Ich lebe für Liebe, Wärme, Licht und Farben. Und dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass mit ein bisschen mehr Selbstliebe in jedem von uns die Welt ein noch schönerer Ort wird. Also, lasst uns anfangen :)

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