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Wie MOIA den Stadtverkehr entlasten könnte (Testbericht)

MOIA

MOIA ist ein On-Demand-Shuttleservice der MOIA GmbH, die wiederum zu 100% Volkswagen gehört. Testfeld ist Hannover, erstmal für 3 Monate. Ein Fahrer hat mir erzählt, dass der Service aber eigentlich schon bis Ende 2018 weiterlaufen soll. Hannover wurde es sicher nicht zufällig, da auch Volkswagen Nutzfahrzeuge (also Caddy, Crafter, Amarok und den Transporter) hier sitzt. Der Multivan, also ein Fahrzeug der Transporter-Baureihe, dient auch als MOIA-Fahrzeug. Heute will ich euch berichten, was MOIA so kann.

Im Groben geht es darum, dass Shuttles durch die Stadt fahren, die Menschen einsammeln und rauslassen so wie es am sinnvollsten ist. Man fährt also im Idealfall nie alleine, was das ganze relativ nachhaltig macht. Wen das Shuttle wo einsammelt und auslädt, berechnet eine Algorithmus.

Die Idee an sich ist nicht neu, einige andere Unternehmen haben sie bereits umgesetzt. Allygator in Berlin und CleverShuttle in mittlerweile vielen deutschen Städten sind die bekanntesten Wettbewerber mit sehr ähnlichen Konzepten. Aber warum nicht, es gibt noch genug Menschen, die alleine in ihrem privaten Autos rumfahren und besser in einem gesharten Multivan fahren könnten.

Anmeldung bei MOIA

Die Aufregung war groß, als ich die Email bekommen habe mit der Nachricht, dass ich als Tester bei MOIA in Hannover teilnehmen darf. Ich habe schnell und unkompliziert die App runtergeladen und noch ein paar persönliche Daten eingegeben. Emailadresse, Name, Anschrift, Kreditkartennummer, das war es eigentlich. Die Telefonnummer wird noch über eine SMS-Pin verifiziert, auch das ein übliches Vorgehen. Hier wäre eine Anmeldung über Facebook toll, aber das ist in der Beta-Version selbstverständlich verschmerzbar. Auch ein automatisches Auslesen der Kreditkarte ist z.B. beim Fahrtenanbieter UBER bereits Standard, aber bei einer ganz frischen App habe ich das auch nicht erwartet.

Also Anmeldung schonmal prima!

Fahrtbuchung

MOIA Fahrtbuchung Die App erkennt wo man ist. Wer die Taxi-App „mytaxi“ kennt wird die Benutzung ähnlich finden. Ähnlich unkompliziert also. Die Start- und Zieladresse wird einfach in der App entweder eingegeben oder auf der Karte ausgewählt. Das klappt ohne Probleme. Dann wählt man noch die Anzahl der Sitzplätze aus und schon kann es losgehen. Bei meinem allerersten Versuch wurde mir gleich eine Fahrt in 5 Minuten angeboten, alles prima. Das war aber nur ein Test, ich wollte noch gar nicht los. Als es dann wirklich soweit war, wurde erst gar keine Fahrt gefunden. Als ich dann das Ziel etwas angepasst habe gab es doch eine Fahrt, allerdings erst in 17 Minuten.

Bei der Buchung im Bild kann man sehen, dass es gerade 15:52 Uhr war und ich 16:02 Uhr abgeholt werden soll. Wie lange der Fußweg zur virtuellen Haltestelle ist kann man auch gleich sehen.

Man muss dazu sagen, dass MOIA-Testphase kurz vor einem recht ordentlichen Sturm gestartet hat. Dadurch habe ich beim allerersten Versuch eine halbe Stunde im Regen gestanden und dann entnervt die Fahrt storniert, aber in den ersten 3 Tagen kann eben auch MOIA noch nix am innerstädtischen Stau ändern, insbesondere wenn überall Bäume umkippen. Aber von vorne.

Von 05:30 Uhr bis 00 Uhr kann man mit MOIA-Shuttles fahren. Wenn nun also nach oben beschriebenem Prozedere Start- und Zieladresse angegeben ist, bekommt man eine Fahrt vorgeschlagen. Je nach Tageszeit betrug die Wartedauer bei mir bisher ca. zwischen 3 und 15 Minuten. Das ist absolut ok.

Abholung und Fahrtablauf

MOIA arbeitet mit virtuellen Haltestellen. Das bedeutet, der Punkt ist zwar in der Karte eingezeichnet, aber vor Ort ist nichts sichtbar. Soweit so gut, am Anfang natürlich gewöhnungsbedürftig vor fremden Einfahrten auf ein Auto zu warten. Insbesondere da die Haltestellen im Moment gerne in (dunklen) Seitenstraßen liegen, das hat vor allem abends natürlich einen besonderen Charme. Und ich habe – besonders bei Regen – Haltestellenhäuschen zu schätzen gelernt 😀 Die meisten Haltestellen an denen ich bisher abgeholt wurde sind tatäschlich breitere Einfahrten zu privaten Grundstücken, dort können die Multivans relativ gut halten. Beim derzeitigen Aufkommen an MOIA-Shuttles ist das sicher unkritisch, zukünftig ist für mich jedoch fraglich wie begeistert die Einfahrt-Besitzer davon sein werden. Wer in den USA schonmal Uber gefahren ist weiß, wie plötzlich Menschenmengen an offenbar undefinierten Punkten rumstehen, weil man da gut halten kann.

Im Moment sind die virtuellen Haltestellen feste Punkte. Soweit verständlich, das macht es zum Start sicher auch einfacher. Wenn ich allerdings alleine auf einer Fahrt bin wäre es ja clever, der Algorithmus verlegt die virtuelle Haltestelle so nah wie möglich und sinnvoll an meinen Wohnort. Denn im Moment fährt das Shuttle in dem nur ich sitze im Zweifel an meiner Wohnungstür vorbei, damit ich dann wieder zurücklaufen kann. Klar kann man da mit dem Fahrer sprechen, aber eben erst bei der Ankunft, nicht beim Startpunkt. Ich würde mal annehmen, dass das zu den Weiterentwicklungen des Service gehört.

Wenn man eine Fahrt verbindlich gebucht hat, kann man bis zum Eintreffen in der App nachverfolgen wo das MOIA-Shuttle gerade langfährt. Das verkürzt die Wartezeit weil man „beschäftigt“ ist. Und wenn man die Stadt ein bisschen kennt kann man so gut einschätzen, ob es pünktlich sein wird. Nach dem Einsteigen kann man ebenso in der App verfolgen wo das Shuttle langfährt (wobei leider die Route nicht eingezeichnet ist – warum eigentlich?) und wie lange es noch bis zum Zielort ist. Aussteigen, weiterlaufen. Sehr unspektakulär.

MOIA-Fahrzeuge und Fahrer

Alle Autos sind schwarze VW-Busse mit einem „MOIA“-Aufdruck, also sehr leicht zu identifizieren (im Gegensatz zu z.B. Uber). Innen darf man keine Fotos machen, warum was mir nicht ganz klar. Es sind insgesamt 4 Sitze im hinteren Fahrgastraum, zwei hintereinander und hinten zwei nebeneinander.

Vorne im Auto hängt ein Bildschirm, an dem zu sehen ist von wo nach wo man fährt und wie lange die Fahrt noch etwa dauert. Bisher war ich fast immer alleine unterwegs, da braucht man diesen Bildschirm natürlich nicht. Wenn die Shuttles zukünftig aber voller besetzt sind ist das natürlich sinnvoll, da die Fahrgäste sehen können der wievielte Stop der eigene ist.

Für einen Kindersitz ist gesorgt, Hunde dürften leider (auch in Zukunft) nicht mitfahren. Das ist im Taxi natürlich einfacher.

Bisher hatte ich viele nette Fahrer, die auch durchaus gesprächig sind. Einmal gab es auch eine Fahrerin, was mich natürlich besonders gefreut hat. Nicht nur, weil sie nunmal weiblich war sondern auch, weil sie aus Dresden kam. Da hatten sich die Ossis wieder gefunden 😀 Sehr schöne Fahrt war das.

Preis und Bezahlung

Während der Testphase kostet er Service unschlagbare 0,06€ (ja, 6 Cent!!!) pro Kilometer. Auch da erzählte ein Fahrer, dass der Preis nach der 3monatigen Testphase deutlich angehoben werden soll. Das ist aber auch ok, mit dem derzeitigen Preis kann sich das ja nicht rechnen. Zumindest, solange wir noch nicht autonom unterwegs sind und keinen Fahrer mehr brauchen.

Wie oben erwähnt wird zur Anmeldung die Kreditkarte hinterlegt, dadurch entfällt jeglicher Bargeld-Tausch. Auch bei Stornierungen wird sofort der bezahlte Preis erstattet. Da meine Bank Push-Nachrichten schickt (dazu gibt es bald mal einen separaten Artikel), kann ich das auch immer sofort nachvollziehen.

Im Anschluss an die Fahrt bekommt man eine Email mit dem Rechnungsbeleg. Hier finde ich es komfortabler wie es bei Car2Go und DriveNow funktioniert, nämlich dass alle Rechnungen sofort online einsehbar sind, aber nur einmal im Monat automatisiert eine Rechnung per Email versendet wird. Bei 2 oder 3 Fahrten am Tag wird sonst ganz schnell der Posteingang voll. Aber auch das ist in einer
Testphase natürlich vertretbar.

Bewertung

Nach Abschluss der Fahrt MUSS man dir Fahrt bewerten. Dass es sich um einen Zwang handelt und man sonst in der Anwendung nichts machen kann ist für die Testphase verständlich, da man so viel Feedback bekommt. Ich hoffe allerdings, dass der Zwang zur Bewertung in Zukunft entfällt. Sonst wird es auch bei mehreren Fahrten am Tag anstrengend und man hat ja nix davon.

So what?

Alles in allem ist MOIA ein prima Service, der zukünftig den Stadtverkehr wirklich entlasten könnte. Innerhalb von nur einer Woche nach Beginn ist der Dienst für mich zu einer echten Mobilitätsalternative geworden. Die Frage ist, ob diejenigen die den Service nutzen sonst wirklich Auto gefahren wären, oder ob es nicht auch einen großen Anteil von Menschen gibt, die sonst Rad oder Bus und Bahn gefahren wären (so wie ich :)). Aber das wird sich zeigen. Einen Versuch ist es wert.

 

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