lebendig.
Schreibe einen Kommentar

Emanzipation heißt nicht, dass Frauen jetzt Anzüge tragen dürfen

Emanzipation

Frauenquoten, mehr Frauen im Management, die Rolle der Frau im Wandel – es verändert sich etwas, das ist klar. Doch was verändert sich da eigentlich? Und was hat es mit dieser Emanzipation auf sich? Wofür kämpfen wir da die letzten Jahrzehnte und ist das, was wir bisher erreicht haben, gut? Ist das Ziel erreicht?

Sind es wirklich „weibliche“ Frauen, die da ins Management berufen werden?

Emanzipation, Gender-Studies und Gleichstellung ist gerade total hip. Meinem Empfinden nach ist im Moment das Ziel, Frauen zu berücksichtigen und in Führungspositionen zu bringen, weil man das gerade so macht. Damit man sich nicht rechtfertigen muss, warum so wenig Frauen im Vorstand sind. Und weil Diversität ja offensichtlich irgendwie sinnvoll ist. Warum genau – die Frage vermag niemand so richtig zu beantworten. Es gibt ja genug Studien und schlaue Köpfe auf die verwiesen werden kann, da braucht man keine eigene Meinung.

Wenn man sich nun die Frauen anschaut – egal in welchem Unternehmen – werden sehr oft Frauen in diese Positionen gebracht, die da erstmal nicht stören. Weil sie den sie umgebenden Männern in vielen Belangen gar nicht so unähnlich sind. Sie kämpfen genauso ihre Machtkämpfe, sind im außen fixiert, sehr beherrscht, sind genauso analytisch und oft technisch versiert. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden – aber Diversität war doch eigentlich anders gedacht? Nur weil einer eine Hose trägt und die andere einen Rock ist man ja noch nicht divers. Was also macht das Weibliche eigentlich aus?

Was bedeutet Weiblichkeit (für mich)?

Jeder von uns hat Anteile von beidem – männlich und weiblich. Die Natur strebt immer nach Balance, so auch bei uns Menschen. Das bedeutet auch, dass Frauen, die die oben genannten Eigenschaften haben nicht per se schlechte oder männliche Frauen sind. Aber sie sind Frauen, bei denen der männliche Anteil in ihnen einen großen Einfluss hat. Entweder weil sie so sind – oder der schlimmere Fall: Weil sie glauben, dass sie nur so anerkannt werden.

Weiblichkeit bedeutet nicht, nur rosa zu tragen, sich zu schminken und auf Stilettos zum Kaffeeklatsch zu gehen. Kein Kussmund und lange Haare. Nicht Kinder und Kochen. Frau sein beschränkt sich nicht auf optische Merkmale oder bestimmte gesellschaftliche Aufgaben.

Weiblichkeit ist für mich Sinnlichkeit, Chaos (im positivsten, kreativen Sinn), Emotionen und ständige Veränderung. Männlichkeit hingegen ist Verstand, absolute Klarheit und Ratio.

Männer sind sich ihrer Sache sicher, wenn sie etwas verstanden haben. Ratio, mit dem Kopf. Frauen sind sich sicher, wenn sie etwas fühlen. Bauchgefühl oder die berühmte weibliche Intuition. Wir haben den Zugang zu einem ganzen Kosmos an Wissen, das mit reinem Verstand nicht zugänglich ist. Nicht umsonst treffe ich vor allem andere Frauen, die sich mit Spiritualität auseinandersetzen. Dem Weiblichen (also Frauen und Männern, die mit ihrer weiblichen Seite in gutem Kontakt sind) ist es von Natur aus zugedacht, mit ihren Gefühlen und der Weisheit des Universums in Kontakt zu sein.

Männlich und weiblich sind der Inbegriff der Dualität. Dieses Gesetz von Yin und Yang – von Gegensätzen in Balance – formt unsere ganze Welt und alles in ihr. Licht und Schatten, Tag und Nacht, Wärme und Kälte, schwarz und weiß. Dualität ist der Rhythmus allen seins. Anspannung und Entspannung. Und die Natur strebt immer nach Ausgleich. Mond und Sonne, Ebbe und Flut, Sommer und Winter. Gebären und sterben.

Niemand stellt in Frage, dass es Tag und Nacht geben muss, damit wir existieren können. Warum nehmen wir dann einfach so hin, dass es „weiblich“ gerade in unserer Gesellschaft kaum gibt?

Wer Lust hat, sich weitergehend mit den Eigenschaften der weiblichen Essenz auseinanderzusetzen findet hier einen tollen Artikel dazu: https://www.sein.de/weiblichkeit-leben-die-wiederentdeckung-der-polaritaet/

Wo ist sie hin – die Weiblichkeit in unserer Gesellschaft?

Wir Frauen sind heute oft abgeschnitten von dem Gefühl, dass es in Ordnung ist weiblich zu sein und weibliche Charakterzüge sichtbar nach außen zu zeigen. Und das schon über so viele Generationen. Klar, in den Kriegsgenerationen waren zum Blanken überleben männliche Eigenschaften sehr hilfreich. Aber wir leben nicht mehr im Krieg. Außer mit uns selbst.

Emanzipation wird im Moment auf eine Art und Weise gelebt, in der es Frauen nahegelegt wird, sehr männlich zu agieren um „nach oben zu kommen“. Frauen dürften ja alles, wenn sie ins System passen.

Die frühen Bewegungen der Emanzipation hatten ja auch genau das zu Ziel: Frauen dürfen alles, was Männer auch dürfen. Das ist auch gut und richtig so. Aber es vernachlässigt, dass Frauen auch alles das dürfen, was zum Weiblichen gehört. Und dass das genauso gut und richtig ist wie all das, was zum Männlichen gehört.

Was bis heute oft fehlt, ist die Erkenntnis, dass weibliche Eigenschaften einfach genau so viel Wert sind wie männliche. Und wir merken an allen Ecken und Enden, dass das Verleugnen der weiblichen Werte unserer Gesellschaft schadet. Wir sind emotional verarmt, weil fühlen etwas für Schwächlinge ist. Unser Wirtschaftssystem funktioniert nicht mehr, weil nur Denken und Verstehen nicht zum Erfolg führen kann. Es fehlt der Ausgleich, die Balance. Und deswegen krankt unsere Gesellschaft und unser Planet. Wir sind zu männlich.

Die Rolle des Individuums in der Emanzipation – Frauen wie Männer

Sich zu wehren gegen die Rolle als Mutter und Hausfrau ist zutiefst richtig, denn wir sind so viel mehr als das. Ja, die Rolle der Mutter und die der Hausfrau gehört auch zu uns. Aber es gehört noch so viel mehr dazu. Unsere Rolle ist die Fühlende, die Verbindung mit der spirituellen Welt, die Wissende und die Erschaffende. Wir haben eine Verbindung zu dem Wissen auf der Welt, was mit dem Verstand nicht erreichbar ist. Und wir haben eine unfassbare Stärke. Man muss sich nicht um uns kümmern, aber wir erlauben wenn es jemand tun möchte. Und wir werden das in großer Dankbarkeit annehmen.

Zu verstehen und anzuerkennen – für sich ganz persönlich – dass man ein (überwiegend) weibliches Wesen ist und die damit einhergehenden Eigenschaften selbstbewusst und gerne nach außen zu tragen ist schon ein schwerer Schritt.

Wie viele kenne ich, die stolz darauf sind besonders viele männliche Eigenschaften zu haben. Als Frau im Geschäftsleben „ihren Mann zu stehen“. Hart, beherrscht und alles unter Kontrolle. Das entspricht nur leider so gar nicht unserer weiblichen Natur, sondern dem männlichen Anteil in uns. Und davon gibt es doch schon genug – Männer.

Um solche Paradoxen sichtbar zu machen finde ich Umkehrungen immer sehr hilfreich: Stell dir vor, wir leben in einer Gesellschaft in der Männer sehr selbstverständlich stolz darauf sind, super emotional und chaotisch zu sein. Impulsiv und liebend. Diese (eigentlich untypischen) Eigenschaften erlauben es ihnen, erfolgreich zu sein, weil die Gesellschaft sie dafür anerkennt. Der Gedanke fühlt sich schon sehr fremd an, oder? Aber umgekehrt akzeptieren wir ihn ohne Widerstand.

So what – Emanzipation

Wir sind auf dem Weg, aber noch lange nicht da. Es geht nicht darum, dass Frauen jetzt sein dürfen wie Männer. Und es geht auch nicht darum, Frauen in Führungspositionen zu bringen, sondern weibliche Eigenschaften. Und das können sowohl Männer als auch Frauen tun. Der Weg dahin ist noch lang, aber ihn nicht zu gehen ist keine Option. Die echte Gleichstellung der Weiblichkeit mit der Männlichkeit ist das Ziel.

Was denkst du darüber? Ich freue mich auf deine Meinung – entweder in den Kommentaren oder an luise@zeitgeistich.de!
Und wenn du den Artikel magst – spread the love and share the happiness (auf Facebook, G+ oder wo du sonst bist). Ich danke dir von Herzen.

Beiträge die dich vielleicht auch interessieren:

Deine Meinung dazu...