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Eine Schule fürs Leben: Die Knowmads Business School

Knowmads

Die Knowmads Business School in Amsterdam bietet ein 6-monatiges, internationales und kreatives Programm auf Englisch an. Sie wird auch die „Hippie-Uni“ genannt, weil es keine Noten und keinen Klausurendruck gibt. Der „Lehrplan“, den es so eigentlich gar nicht gibt hat zwei zentrale Fragen: Wer bin ich eigentlich? Und wenn ich ungefähr weiß, wer ich bin, was will ich damit machen im Leben?

Wir bekommen eigentlich schon seit dem Kindergarten (oder vorher?) diktiert, was wir zu tun, zu lassen und zu denken haben. Platz für wirklich eigene Freiräume ist da selten. Ausprobieren, Fehler machen dürfen, sich einem Thema oder einer Passion ganz hingeben und mit anderen darüber austauschen – wann ist dafür schonmal Zeit? Bei Knowmads geht es genau darum.

In einem Interview mit flux fm sagt eine Mitarbeiterin der Knowmads:

„Es geht um das Verlernen, weil die konventionelle Schule die Kreativität der Leute kaputt macht. Frag dich selbst: Was willst du tun? Und die Leute können das nicht beantworten. Wir haben welche, die gleich loslegen, aber manche sitzen auch drei Monate auf dem Sofa und sagen: Ich hab echt keinen Plan, was ich tun soll.“

Der ewige Ruf nach Veränderungen im Bildungssystem – hier findet er Gehör. Freiheit, selbstmotiviertes Lernen, keinen Druck, gemeinsame Freude am Erschaffen.

Wie läuft das Programm ab?

Der Slogan „We educate change makers“ ist auch gleichzeitig Programmpunkt. Alles ist in Bewegung, in Veränderung. So steht auch das Programm nicht fest, weil es die Studenten gestalten.

Das sogenannte „action learning“, also handlungsorientiertes Lernen, steht im Mittelpunkt der Philosophie. Die Studenten haben zu allererst sich selbst, und sich untereinander. Darüber hinaus gibt es Coachings, Impulsvorträge und Erfahrungsaustausch. Aber Knowmads liefert keine Antworten, sondern hilft, die richtigen Fragen zu stellen. Die Antwort ist immer in uns drin und solange diese Antwort nicht wirklich von uns kommt, ist es auch nicht unsere Antwort auf die wichtigen Fragen im Leben. Deswegen finde ich es so gefährlich, dass uns gesagt wird wie der normale Weg aussieht. Es mag ja sein, dass er normal ist, aber vielleicht ist es nicht unser Weg und wir haben gar keine Chance mehr, unseren zu finden, weil wir einen fremden Weg entlanglaufen.

Wer bin ich? In welcher Welt will ich leben? Was will ich tun, um uns in diese Welt zu bringen? Wie kann das gehen? Und wie bringe ich mein Produkt, meinen Dienst, meinen Verein oder was auch immer ich erschaffen will unter die Leute?

Bei der Philosophie der Knowmads fühle ich mich sehr an Simon Sinek erinnert der sagt „Start with why“ (dt. beginne mit dem „warum“). Erst danach kommt das „Wie“ und am Ende das „Was“. Genau so läuft es hier auch. Die erste Frage ist eben gerade nicht „Mit WAS kann ich Geld verdienen?“.

Wer eine gewöhnliche Uni erwartet ist an der Knowmads falsch. Es gibt nicht nichts, aber doch sehr wenig. Es gibt einen groben Wochenablaufplan und eine ungefähre Ahnung, was in den kommenden Monaten passieren könnte. Das sieht so aus:

Knowmads

 

 

Tribes sind im Übrigen die „Klassen“, die an der Knowmads selbstverständlich nicht so genannt werden 🙂

Was kostet das Programm an der Knowmads?

Die Gebühr für das 6-monatige Programm an der Knowmads ist 3,950€ für 6 Monate, was sehr fair ist. Dazu kommen natürlich noch Ausgaben für Unterkunft, Essen & Co. Es gibt von Knowmads eine ziemlich gute Übersicht, mit was man so zu rechnen hat in Amsterdam: http://www.knowmads.nl/wp-content/uploads/2015/04/Money-overview-Expenses-Knowmads-2016-Nov.pdf

Darüber hinaus finanziert sich die Uni, indem 25% der Gewinne aus Projekten, die die Studenten starten, an die Uni gehen. Auch das finde ich eine sehr faire Regelung. Schließlich muss das Gebäude, die Menschen die darin arbeiten, Gastdozenten und vieles mehr gedeckt werden.

Dennoch ist das natürlich nicht wenig Geld und will gut überlegt sein. Falls es für dich eine Überlegung wert ist oder du einfach nur mehr wissen möchtest geht es hier lang: http://www.knowmads.nl

Wer gründet denn sowas und warum?

Erwartungsgemäß ist Pieter Spinder, der Gründer der Knowmads, kein Bänker im Anzug. Als er noch Professor an der Uni war, hat er die Studenten auf alles vorbereitet, aber nicht auf die Prüfungen. Seine Notendurchschnitte waren die schlechtesten der ganzen Uni. Oder er hat vorab allen Studenten die volle Punktzahl gegeben damit sie wirklich für sich lernen und nicht für die Noten. Sehr sympathisch. Seine Bewertungen der Studenten waren immer hervorragend – aber die Universitätsleitung natürlich trotzdem entsetzt. Innovatives Unterrichten geht dort nur im Rahmen der Regeln.

Nach einem Ausflug für die Kaospiloten, einer Schule mit einem vergleichbaren Mindset, sowie einigen eigenen Gründungen hat Pieter dann in 2010 Knowmads gegründet. Mit nur 20.000 Euro Startkapital hat er eine eigene Schule nach eigenen Prinzipien aufgesetzt. Er will Menschen ausbilden für die schnelllebige und unberechenbare Welt, in der wir gerade leben. Bisher gibt der Erfolg ihm Recht, die Klassen sind immer voll und die Studenten zufrieden (naja, zumindest weiß man von keinen Unzufriedenen).

So what?

Ich glaube ganz grundlegend kann das Programm an der Knowmads Business School helfen, um erstmal wieder das Steuer zu übernehmen für das eigene Leben. Das Gefühl der Ohnmacht und der Opferrolle und das passive Abarbeiten eines Lebenslaufs zu stoppen. Wir beschränken uns so oft selbst bei den Überlegungen, was wir eigentlich wollen im Leben, bei vielen ist nach Job A oder Job B eigentlich schon Schluss mit den Ideen.

Es gibt aber noch so, so viel mehr! Die Studenten lernen wieder, ihrer Freude und ihrer Leidenschaft zu folgen. Für mich ist das Programm auf jeden Fall derzeit auf der Überlegungs-Liste, irgendwann in den nächsten 2 bis 3 Jahren.

Was denkst du darüber? Ich freue mich auf deine Meinung – entweder in den Kommentaren oder an luise@zeitgeistich.de!
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Bildquelle Titelbild: Knowmads Business School

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