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#Lieblingsbuch: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

Sterben ist nicht so ein beliebtes Party-Thema. Irgendwie verstehe ich das ja auch. Schade aber, dass es in unserer Gesellschaft so tabuisiert ist, denn es gibt viel zu lernen. Von Sterbenden und Verstorbenen für das eigene, lebendige Leben. Von dem, was diese Menschen in ihrem Leben gemacht haben und davon, wie sie rückblickend darauf schauen. Und genau darum dreht sich das Buch 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden*.

Warum es so wichtig ist, sich mit dem Tod zu befassen

Ich habe immer gedacht, sterbende Angehörige – das passiert nur den anderen. Ich war mit dem Glück gesegnet, über viele Jahre eine tolle (und vollständige) Familie zu haben. Bis es dann eines Tages sehr schnell nicht mehr so war und jemand in unserer Mitte unerwartet und plötzlich fehlte.

Diese Erfahrung hat viel mit mir gemacht und ich erinnerte mich, dass es auch engen Freunden, die zeitig Eltern verloren hatten so ging. Auch wenn es erstmal merkwürdig klingt gibt es neben der großen Trauer und all den anderen eher negativen Gefühlen auch einen kleinen Anteil in mir, der dankbar dafür ist. Dankbar dafür, dass ich relativ zeitig in meinem Leben gezwungen wurde, nachzudenken. Dankbar für das, was ich daraus lernen durfte. Über das Leben und was ich damit anfangen will, was mir wichtig ist und was nicht.

Die heutige Klarheit über meine Werte, die Rolle von Zeit, Geld, Anerkennung und Freude am Leben hätte ich in dieser Form ohne dieses einschneidende Ereignis wahrscheinlich nicht. Und ich wünsche mir, dass sich mehr junge Menschen damit auseinandersetzen, ohne dass sie dazu gezwungen werden. Dann gibt es nämlich später weniger zu bereuen 😉

Wer glaubt denn zu wissen, was Sterbende am meisten bereuen?

Bronnie Ware, die Autorin dieses wundervollen Buches „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“, lebt ein bisschen ein Vagabundenleben. Sie lebt mal hier und mal da und schlägt sich so durch. Künstlerin, Songwriterin, Barkeeperin, was immer gerade anstand. Mal wieder auf Jobsuche liest sie eine Anzeige in der jemand einen Menschen sucht, der zur Betreuung bei einer alten Dame einzieht. Das tut Bronnie und geht damit den ersten Schritt auf ihrem neuen Weg – in den kommenden Jahren begleitet sie einigen ältere Menschen in den letzten Wochen und Monaten. Im Buch teilt sie ihre Erkenntnisse darüber, was sie dort erlebt hat.

Dazu gehört natürlich nicht nur der Sterbeprozess selbst und die emotionalen Prozesse, die ihre Betreuten machen, sondern auch das ganze Umfeld. Insbesondere die Angehörigen spielen immer wieder eine große Rolle. Sehr spannend, wie unterschiedliche Menschen es gibt und wie diese mit dem nahenden Tod ihrer Angehörigen umgehen. Auch dafür finde ich das Buch hilfreich. Nicht nur, um die Frage zu beantworten, wie ich selbst leben will. Sondern auch Erfahrungen mitzubekommen, wie andere Menschen mit solchem Verlust umgehen.

Dazu passt: Dein Kontoauszug als Lebensprotokoll – und was er dir sagen will.

Was ist es nun, was Sterbende am meisten bereuen?

Das Buch kommt auf 5 Versäumnisse, die Sterbende am meisten bereuen. Das ist sicherlich nicht abschließen und sehr individuell. Aber es ist doch interessant, dass – obwohl die Schicksale und Lebensläufe so unterschiedliche sind – die Themen am Ende des Lebens sich doch sehr ähneln.

Versäumnis Nummer 1:

Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie es andere von mir erwarten.

Ich glaube jeder von uns kennt dieses Gefühl. Ich soll funktionieren, ich darf nicht krank sein, ich sollte einen guten Job haben und viel Geld verdienen. Ich sollte keine Zeit verschwenden und meine Freizeit mit sinnvollen Tätigkeiten füllen. Aber ist das wirklich MIR wichtig oder wem eigentlich?

Im Buch ist das Beispiel eine Patientin, die in ihrer Ehe geblieben ist obwohl sie längst unglücklich war. Sie hat sich nicht um ihr eigenes Glück gekümmert und merkt am Ende des Lebens, dass ihr das keiner dankt. Nun ist es ihr egal was die Leute denken und sie bereut, dass sie nicht mehr zu sich und ihrem Wunsch nach Freiheit gestanden hat.

Versäumnis Nummer 2:

Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

Die meisten meiner Arbeitstage füllen meine Zeit, aber erfüllen mich emotional nicht. Sie machen mich nicht froh und glücklich, auf der Erde zu sein. Freunde tun das.
Und wenn wir mal alt und grau sind und angemessen anstrengend, dann sind es nicht unsere Kollegen die uns besuchen und uns pflegen, sondern Freunde und Familie.

Im Buch geht es um einen alten Mann, der früher in seinem Job sehr viel Anerkennung und Status genossen hatte, obgleich ihm die Tätigkeit selbst nicht viel Freude bereitete. Seine Frau bat ihn schon lange, in Ruhestand zu gehen. Sie suchte Reisen heraus, die sie gemeinsam unternehmen könnten. Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus waren. Er arbeitete weiter und weiter. Nur noch den einen Deal, nur noch das eine Jahr. Irgendwann sah er seine Frau an und sah, wie alt sie geworden war. Und wie allein sie war, weil er so viel arbeitete. Diese wundervolle Frau, die ihn sein Leben lang begleitete. Als ihm klar wurde, dass sie nicht mehr unendlich viel Zeit haben würden, kündigte er etwas widerwillig seinen Job, aber erst für nächstes Jahr. 12 Monate wollte er noch machen. 3 Monate vor Beginn seiner geplanten Rente starb seine Frau. Seine Rente verbrachte er nun allein und bereute all die Reisen, die sie nicht gemacht hatten und all den Spaß, den sie nicht gehabt hatten. Erst war sie allein, dann er.

Versäumnis Nummer 3:

Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Wie oft war ich schon verliebt und wie viele Männer wissen davon nichts. Wie oft habe ich mich über jemanden geärgert und derjenige weiß nicht, was er in mir ausgelöst hat. Und wie oft war ich schon dankbar für eine Schulter zum Ausweinen (oder eine Freundin, die einfach nur den Wein mitbringt) und habe es nicht zum Ausdruck gebracht. Heute kann ich das ändern – und tue das mittlerweile auch. Vor einigen Jahren habe ich zu Weihnachten jedem Familienmitglied einen Brief geschrieben, wofür ich ihm oder ihr dankbar bin. Das war im übrigen zum letzten Weihnachten, was wir mit der gesamten Familie hatten. Und ich bin so froh darüber, dass alle Menschen die mir wichtig sind das zu Lebzeiten wussten.

Im Buch geht es um einen Mann, der seine Familie emotional immer auf Distanz gehalten hat. Er hat viel gearbeitet und ihnen nie die Chance gegeben, ihn wirklich kennenzulernen. Nun – im Angesicht des nahenden Endes – tat es ihm leid. Er hatte das Gefühl, nie eine wirkliche Bindung zu seiner Familie gehabt zu haben und sie allein gelassen zu haben. Das war auch die Familie, die dem Sterbenden nicht gesagt hatte, dass er sterben würde. Er wusste es, weil sich mal jemand vom Pflegepersonal verplappert hatte. Aber er ließ seine Familie in dem Glauben, er wüsste es nicht. Und wieder hatte er nicht die Gelegenheit, seine Gefühle über seine Situation mit seinen engsten Vertrauten zu teilen. Diesmal nicht aus Angst, sondern aus fehlender Kraft.

Auf spielerische Art und Weise mit seinen Liebsten wieder näher zusammenrücken kann man übrigens damit: Ein Spiel als Brücke zwischen Menschen – Vertellis

Versäumnis Nummer 4:

Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.

Wir ziehen quer durch die Republik oder darüber hinaus. Wir haben Schulfreunde, Studienfreunde, und in jedem Job und bei jedem Hobby eigene Freunde. Und wir haben SO VIEl zu tun. Einkaufen, putzen, abwaschen, zum Sport gehen, uns bei der Arbeit verausgaben, die Kinder wegbringen, Weihnachtsdeko aufstellen und wieder abbauen, Reifen umstecken und und und… Wann soll da Zeit für Freunde sein?

Im Buch geht es dabei um eine Frau, die in einem Pflegeheim ist. Bronnie versteht sich gut mit ihr und sie kommen ins reden. Ihre Umarmung war die erste seit Monaten, die Frau ist völlig vereinsamt obwohl sie den ganzen Tag von Menschen umgeben ist. Sie spricht über ihre Freunde, und dass einige schon tot sind. Andere sind auch in Heimen, zu wieder anderen hat sie einfach keinen Kontakt mehr. Unbekannt verzogen. „Man denkt immer, dass die Freunde immer da sein werden. Aber das Leben geht weiter, und plötzlich stehen Sie da und haben keinen Menschen auf der Welt, der Sie versteht oder irgendetwas über Ihre Geschichte weiß.“ (S. 201)

Wenn man alt ist, dann sehen einen die Pflegekräfte nur noch als altes, tattriges etwas, was zur Last fällt. Niemand sieht mehr die junge, hübsche und erwartungsvolle Frau, die sich aufs Leben freut. Die kennt keiner mehr.

Versäumnis Nummer 5:

Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.

So streng wie wir zu uns selbst sind, sind wir zu niemand anderem. Wir haben gelernt „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Und wenn die Arbeit nie wirklich endet? Gibt es dann nie Vergnügen? Wenn wir am Ende der Arbeitswoche wieder ausgespuckt werden und Freizeit haben – wie schauen wir dann auf die vergangenen 5 Tage zurück? Gab es Anlässe, sich von Herzen über etwas zu freuen?

Im Buch geht es um eine sehr verbitterte und schon fast bösartige alte Frau. Sie mochte an Bronnie nicht, dass diese immer so gut gelaunt war. Bronnie fing an ihr zu erklären, dass glücklich sein eine Entscheidung ist, kein Zufall. Die alte Dame sprach darüber, dass sie aufgrund ihrer gescheiterten Ehe ein schlechtes Gewissen hatte. Sie hatte den Ruf ihrer Familie beschädigt und erlaubte es sich selbst einfach nicht, glücklich zu sein. Die Umstände sind, wie sie sind. Die Meinung anderer Menschen über uns können wir nicht ändern. Aber unsere Meinung über uns – die können wir ändern.

Die Sache mit dem „bereuen“

Mit dem Titel von „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ habe ich anfangs etwas gehadert. Ich persönlich glaube ja, dass bereuen so etwas ist wie sich Sorgen zu machen. Man kann es tun, aber es ändert nichts. Naja, außer der eigenen Laune, die ändert es schon. Dinge zu tun, die man im Nachhinein anders machen würde nennt man Lernen. Und am Lernen gibt es nichts zu bereuen. Ohne diese bestimmte Erfahrung wüssten wir ja nicht, dass es anders sinnvoller gewesen wäre. Deswegen finde ich es schön, dass die Versäumnisse formuliert sind mit „ich wünschte“ und nicht mit „ich bereue“, auch wenn der Buchtitel so heißt.

Wenn du dir selbst ein Bild machen willst geht es hier lang direkt zum Buch:
5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen*

So what?

Ich kann dieses Buch nur jedem ans Herz legen, am Besten bevor ein geliebter Mensch stirbt oder man selbst in eine schwierige Situation kommt, beispielsweise gesundheitlich. Ich dachte auch immer, dass das nur andere betrifft. Aber das Leben verrät uns vorher nicht, was es mit uns vor hat. Als schöne Leitgedanken kann man deswegen einfach die 5 Erkenntnisse ins positive Umkehren:

  1. Lebe dein ganz eigenes Leben und nicht das von jemand anderem.
  2. Arbeite nur so viel, dass du davon leben kannst. Und den Rest der Zeit genieße dein Leben.
  3. Wenn du jemanden magst – sag ihm das. Jetzt und heute, nicht morgen. Und wenn Menschen dich verletzt haben – sag ihnen das.
  4. Kümmere dich um die Menschen, die dir gut tun. „Später“ ist irgendwann zu spät. Der Abwasch kann warten.
  5. Lebe um zu lachen, nicht um zu leiden. Die Opferrolle ist beliebt, vor allem bei uns Deutschen 🙂 Aber es ist deine Entscheidung. Angst oder Liebe.

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Ich bin Luise und Bloggerin aus Leidenschaft. Ich liebe Fahrrad fahren und Mittagsschlaf. Ich lebe für Liebe, Wärme, Licht und Farben. Und dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass mit ein bisschen mehr Selbstliebe in jedem von uns die Welt ein noch schönerer Ort wird. Also, lasst uns anfangen :)

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