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Erfahrungsbericht: N26 – eine Bank auf dem Smartphone

N26

Kompromisslos alles in Frage zu stellen, was Banken heute so tun, das hat N26* wohl geschafft. Ich habe seit nunmehr über einem Jahr ein Konto dort und möchte heute meine Erfahrungen mit euch teilen.

Warum habe ich das Konto bei N26?

Naja, ich LIEBE Technik und neue, insbesondere digitale Produkte. Deswegen teste ich einfach gern. Einfach weil es mich interessiert, wie die Vorboten der „Welt von Morgen“ aussehen. Und weil ich ein 2-Konten-System habe, um meinen finanziellen Kram im Blick zu behalten.

Was ist bei N26 anders (besser?) als bei anderen Banken?

Der erste große Unterschied begegnete mir, als ich das Konto eröffnet habe. Mit dem hochladen des Personalausweises und einem Videochat ist die Sache in 8 Minuten erledigt.

Das komplette Banking findet im Grunde vollständig auf dem Smartphone in der N26-App statt. Ins Online Banking am Laptop wähle ich mich ausgesprochen selten ein, weil man es eigentlich nicht braucht. Das ist einer der größten Unterschiede. Da die App per Fingerabdruck oder Face ID entsperrt wird (bei Smartphones, die das können) muss man sich noch nicht mal ein Passwort merken.

Die App ist insgesamt einfach in vielen Details gut durchdacht. Da, wo man seine IBAN sehen kann ist gleich ein Button, um die IBAN zu kopieren. Denn meistens will man sie ja irgendjemandem schicken wenn man nachschaut. Von diesen sinnvollen Kleinigkeiten gibt es ziemlich viele – und ziemlich hübsch ist das auch noch alles gemacht.

Meine Top 10 Features von N26:

  1. Umsätze werden sofort verbucht
    Wenn ich was mit ec- oder Kreditkarte bezahlt habe, summt es direkt an der Kasse noch in meiner Tasche, weil ich eine Push-Nachricht über den erfolgreichen Bezahlvorgang bekomme. Das hat zwei Vorteile: Man kann sofort prüfen, ob es beispielsweise stimmt, dass der Bezahlvorgang abgebrochen wurde wenn der Kellner das sagt. Und dann ohne mulmiges Gefühl einfach nochmal bezahlen. Zum anderen wird der Kontostand auch sofort aktualisiert, man bekommt nicht 2 oder 3  Tage später noch Abbuchungen, wenn man am Wochenende irgendwo bezahlt hat.
    Das gilt im übrigen auch für Eingänge, ich habe mein Gehalt oft einen Tag von den Sparkassen-Kunden 🙂 Und bekomme auch darüber eine Push-Nachricht auf dem Smartphone.
  2. Man kann Überweisungen von unterwegs machen

    Du bekommst eine Email mit einer Rechnung und sitzt gerade in der Bahn? Dann kannst du die Zeit nutzen und die Überweisung gleich machen. Neulich hatte ich ein Knöllchen am Auto, bei uns in Hannover steht da die Bankverbindung und der Betrag direkt drauf. Ich konnte also noch im Auto sitzend dieses Knöllchen „abarbeiten“. Erledigt, Ruhe im Kopf.

  3. Empfänger werden automatisch gespeichert

    Bei meinen bisherigen Konten musste ich immer irgendwo einen Haken setzen, wenn ich einen Empfänger mit IBAN & Co. speichern wollte. Das muss ich jetzt nicht mehr – es werden alle Empfänger gespeichert, denen ich mal was überwiesen habe. Kein Nachfragen mehr nach Kontodaten von Leuten, denen man nur alle 2 Jahre mal was überweist.

  4. Kostenfreie Bargeldabhebung am Geldautomaten UND in Läden

    N26 hat keine Filialen, da stellt sich die Frage der Abhebung. Mit der Kreditkarte kann man in Deutschland an jedem Geldautomaten kostenlos abheben – bis zu 5 Mal pro Monat. Für mich reicht das völlig. Zusätzlich kann man beliebig oft in verschiedenen Geschäften, z.B. im Rewe, an der Kasse Geld abheben. Dafür generiert man einfach in der App einen Barcode, der an der Kasse eingelesen wird.

  5. Per „Moneybeam“ Geld versenden ohne Kontodaten

    N26 Nutzer können untereinander sehen, welcher der Smartphone-Kontakte auch ein Konto bei N26 hat. Dann reicht es, einfach den Namen anzuklicken und des Betrag einzugeben – fertig ist die Überweisung. Wenn man in der Kneipe sitzt und jemand für einen mit bezahlt hat – sehr praktisch!

  6. Es gibt einen tagesgenauen Kontostand

    Wenn ich durch meine Umsätze scrolle, wird oben immer das Datum angezeigt an dem ich gerade bin und wie der Kontostand an diesem Tag war. Man könnte also sagen, die App rechnet einem einfach die tägliche Veränderung vor 🙂

  7. Kreditvergabe in Echtzeit

    Über einen Dispokredit oder normale Kredite bis 25.000 Euro wird in Echtzeit entschieden, ohne Interaktion mit einem Mitarbeiter – einfach in der App. Wenn ein Kredit genehmigt wurde, wird der auch sofort ausbezahlt. Am Wochenende, Weihnachten, im Urlaub, 24/7. Das habe ich allerdings bisher nicht ausprobiert.

  8. Sparkonto inklusive

    N26 hat auch eine verzinste Sparmöglichkeit und Investmentmöglichkeiten, bei denen man sich mit einer sehr schicken Grafik ausrechnen kann, wie viel Geld man mit welcher monatlichen Summe bis zu welchem Zeitpunkt sparen kann. Ja, das kann Excel auch, aber so ist es schöner und einfacher.

  9. Auswertungen

    Ausgaben werden automatisch zugeordnet und in einer hübschen Statistik zusammengefasst. Das ist nett, haben andere Banken aber mittlerweile auch.

  10. PINs & Karten

    Die PINs der Karten von N26 können direkt in der App geändert werden, auch Sperre und Nachbestellung von Karten funktioniert über die App und ohne Formulare.

Wenn du jetzt schon überzeugt bist, schau doch mal hier: www.n26.com*

Ja, es gibt bei N26 auch Nachteile…

… auch die will ich dir nicht verschweigen.

Das schwerwiegendste Thema für mich ist, dass der Magnetstreifen der Karte sehr, sehr oft nicht funktioniert. Eigentlich eher nie. Mit dem kontaktlosen Bezahlen („davorhalten“ vor das ec-Gerät) geht alles problemlos. Da in meinem Alltag die meisten Geschäfte das kontaktlose Bezahlen anbieten, ist das Problem für mich überschaubar. Und mittlerweile weiß ich, wann es nicht geht (Tierarzt, Hotels in der Thüringischen Pampa oder Apotheken auf Dörfern 🙂 – nämlich meistens dann, wenn die Kartenlesegeräte ziemlich alt sind. Durch mein 2-Konten-System habe ich im Notfall auch immer noch eine zweite ec-Karte dabei, auch wenn das nicht Sinn eines Kontos sein sollte.

Es gibt keine Kontovollmachten. Der Mensch der sonst bevollmächtigt wäre hat jetzt meine Online-Zugangsdaten, damit er über das Geld verfügen kann wenn mit mir mal was ist. Das ist derzeit die einzige Möglichkeit, rechtlich aber natürlich nicht sehr sicher, da man grundsätzlich keine Bankzugangsdaten weitergeben darf. Dafür gibt es ja Vollmachten – damit der Bevollmächtigte eine eigene Karte und eigene Zugangsdaten bekommen. Eine andere Lösung gibt es aber gerade nicht.

Auf den Kontoauszügen, die man sich online herunterladen kann, steht die Ortsangabe bei Bezahlungen nicht drauf. Also nur „ARAL“ statt „ARAL Hamburg“ – das kenne ich von anderen Banken so nicht. Steuerlich kann das nachteilig sein, wenn man zum Beispiel nachzuweisen möchte wo man zu einem bestimmten Zeitpunkt war (beruflich veranlasste Reisen, Lebensmittelpunkt,…). Für mich geht es, ich sammle jetzt einfach die Belege wenn es wichtig ist und so oft ist das bei mir nicht.

Bei Bargeldabhebungen in Läden wird die abzuhebende Summe mit dem Einkauf verrechnet. Wenn ich also 50€ abheben will, aber für 15€ eingekauft habe, gibt die Kassiererin mir nur 35€ von meiner Abhebung. Das ist ungünstig, wenn ich wirklich 50€ haben will. Klar, man kann daran denken und das in zwei getrennten Vorgängen machen (erst bezahlen, dann abheben), das ist aber nervig für die Kassiererin, vor allem wenn viel los ist. Da gäbe es sicher elegantere Lösungswege.

Die ec- und Kreditkarten von N26 sehen ziemlich fancy aus, durchsichtig und so. Dagegen ist grundsätzlich erstmal nicht viel zu sagen. Auf der ec-Karte sind allerdings auch wie sonst nur bei Kreditkarten die Zahlen „erhoben„, also stehen hervor. Das gab schon einige Diskussionen an Kassen, dass man hier nicht mit Kreditkarte bezahlen kann. Dass das keine Kreditkarte sondern eine ganz normale ec-Karte ist, ist dann immer schwer zu erklären – vor allem wenn sie gerade mal wieder nicht funktioniert. Hipster-Bank hin oder her, solche Diskussionen würde ich mir gern ersparen.

Ich habe mich mit diesen Dingen gut arrangiert, irgendwas ist halt immer 🙂 Die Vorteile überwiegen für mich deutlich.

Was kostet das N26 Konto?

In der Grundversion ohne große Zusatzleistungen ist das N26 Konto kostenlos (das habe ich). Da ist das Konto selbst mit allen oben genannten Features dabei, und eine EC- sowie eine Kreditkarte (Mastercard). Mit beiden kann man weltweit kostenlos Bezahlen – auch in Fremdwährung. In Euro kann man auch europaweit kostenlos Geld abheben.

Es gibt darüber hinaus ein N26 Black Konto* (9.90€ im Monat) und ein N26 Metal Konto (14,90€ im Monat) – bei beiden kann man weltweit kostenlos Geld abheben. Was die genau können lies doch am besten einfach direkt hier nach: N26 Preisliste.

So what – N26?

Alles in allem finde ich N26 großartig. Es gibt Kinderkrankheiten, man darf nicht vergessen dass das Unternehmen erst wenige Jahre alt ist. Und jetzt schon ist es innovativer als die meisten Konzepte, die ich von vielen alteingesessenen Banken kenne. Deswegen nehme ich im Moment die Nachteile gern in Kauf, weil die Vorteile für mich einfach klar überwiegen.

Und wenn du nun auch Lust bekommen hast, N26 auszuprobieren geht es hier lang: www.n26.com*

Update Januar 2019:

Mittlerweile ist es schon wieder eine ganze Zeit her, dass ich den Artikel geschrieben habe und N26 hat sich sehr stark weiterentwickelt. Deswegen heute ein kleines Update:

N26 Spaces – mehrere Unterkonten unter einem Hauptkonto

Die größte Veränderung der letzten Zeit ist „Spaces“. Eigentlich ist es wie ein (leider unverzinstes) Tagesgeldkonto, wo man Geld zwischenparken kann und dem „Parkraum“ einen Namen geben kann. Mit meinem 2-Konten-System hatte ich sowas im Groben schon, aber natürlich nicht ganz so schick und einfach. Die Idee ist, dass man für bestimmte Zwecke, beispielsweise das Sparen auf den Urlaub, Geld beiseite legt, was vom Hauptkonto dann tatsächlich richtig weggebucht wird.

Von den Spaces direkt kann man nur wieder auf das Hauptkonto buchen -also auch ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto. Komfortabel ist, dass ich bei jeder Überweisung vom Hauptkonto die Möglichkeit habe, das Geld aus einem Space direkt wieder auszugleichen.

In der kostenlosen Variante kann man maximal zwei dieser Spaces haben, wenn mehr benötigt werden muss man auf eines der kostenpflichtigen Modelle N26 Black oder N26 Metal wechseln – mir ist beides zu teuer.

Weiterhin problematisch: Bezahlung per Karte

Weiterhin habe ich regelmäßig Schwierigkeiten, mit der ec-Karte zu bezahlen. Das ist der Hauptgrund, warum ich mich bisher nicht traue, N26 als einziges Konto zu führen. Es ist im Alltag zwar mittlerweile mein Hauptkonto für das tägliche bezahlen, es ist mir aber doch sicherer noch eine weitere ec-Karte im Portemonaie zu haben.

Großer Pluspunkt: ApplePay

Direkt am ersten Tag der Einführung von ApplePay habe ich die N26 Kreditkarte eingerichtet und bin begeistert. Diese Möglichkeit verkleinert auch das Problem der nicht funktionierenden ec-Karte, weil alle (kontaktlosen) Kartengeräte ApplePay akzeptieren. Im Laden wird natürlich häufig etwas verwundert geguckt, wenn jemand nur das Handy ans Kartenlesegerät hält, aber das wird sich hoffentlich mit der Zeit erledigen.
In Deutschland haben nicht so viele Banken von Anfang an ApplePay angeboten, deswegen war ich ganz glücklich dass N26 direkt dabei war.

Immer wieder (kleine) App-Probleme

Es passiert immer wieder mal, dass Kleinigkeiten in der App nicht funktionieren. Mal erscheint bei der Anmeldung die eingeschränkt witzige Fehlermeldung „Houston, wir haben ein Problem“, der Vorgang funktioniert aber trotzdem normal. Auch die Freigabe von Überweisungen die ich am Laptop gemacht habe funktioniert nicht immer sofort bzw. lädt die App nicht so schnell nach. Sonst ist es mir egal wenn es hier und da Bugs in einer App gibt, gerade bei einer Banking-App bin ich da aber pingelig. Ich will das Gefühl haben, dass alles rund läuft wenn es um mein Geld geht.

Und es gibt Dinge, die ich von „alten“ Banken einfach gewohnt bin und nicht so gerne hergeben mag. Dazu gehört, dass bei Überweisungen anhand der IBAN die Bank des Empfängers ermittelt und auch angezeigt wird. Das macht N26 nicht. Klar, so ist es cleaner, weniger Infos und man braucht diese Angabe eigentlich nicht. Und dennoch beruhigt es mich und bestätigt, dass wahrscheinlich kein Tippfehler in der IBAN ist, wenn die angegebene Bank stimmt. Alles wegzulassen was nicht unbedingt notwendig ist muss also nicht immer gut sein.

So what – Update 2019:

Ich bin immernoch gerne Kundin bei N26 und werde das Konto auch behalten. Ich kann gut Geld in den Spaces beiseite legen und es so vor mir selbst verstecken (was nicht angezeigt wird, wird auch nicht ausgegeben). Den Kundensupport habe ich bisher nicht gebraucht. Und ich hoffe einfach, dass sich alte Kartenlesegeräte in Zukunft weitestgehend erledigen und damit auch die Erfolgsquote bei den Kartenzahlungen nach und nach steigt. Sollte das Konto standardmäßig allerdings kostenpflichtig werden, würde ich es wahrscheinlich auflösen. Im Moment scheint das aber noch nicht in Sicht zu sein.

Was denkst du darüber? Hast du auch schon Erfahrungen mit N26 gemacht? Ich bin gespannt auf deine Meinung, deine Gedanken und Fragen dazu! Entweder in den Kommentaren oder an luise@zeitgeistich.de.
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Ich bin Luise und Bloggerin aus Leidenschaft. Ich liebe Fahrrad fahren und Mittagsschlaf. Ich lebe für Liebe, Wärme, Licht und Farben. Und dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass mit ein bisschen mehr Selbstliebe in jedem von uns die Welt ein noch schönerer Ort wird. Also, lasst uns anfangen :)

2 Kommentare

  1. Hallo Luise, vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht. 🙂 Ursprünglich, um Apple Pay auszuprobieren (ich vermute, da bin ich nicht der Einzige), habe ich vor kurzem auch ein Konto bei N26 eröffnet.
    Insbesondere die App sowie die Möglichkeit, Umsätze stets aktuell (und automatisch meist richtig kategorisiert) zu verfolgen, gefallen mir aber so gut, dass ich überlege, N26 als Hauptkonto zu nutzen.
    Schaut man sich die Rezensionen an, findet man viel Positives, aber auch manch Haarsträubendes (von schlecht erreichbarem Support bis hin zu Problemen bei Buchungen).

    Hast Du in der Zwischenzeit vielleicht weitere positive oder auch negative Erfahrungen mit N26 gemacht?

    VG
    Robert

    • Luise sagt

      Hallo Robert,

      danke für deinen Kommentar! Er hat mich ermutigt, ein Update zu schreiben, der Artikel ist ja nun auch schon eine Weile her. Ich nutze das Konto mittlerweile als Hauptkonto, habe aber immernoch ein Zweites. Den Support habe ich bisher nicht gebraucht – dazu kann ich nichts sagen. Buchungsprobleme hatte ich bisher nicht. Alle Bugs in der App haben bei mir bisher nur die Optik betroffen oder es wurden Fehler angezeigt, die gar nicht da waren – lieber so als anders herum.

      Viele Grüße & viel Spaß mit dem Konto 🙂
      Luise

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