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Liebe geht raus! mit Katja Wolf: Mein Erfahrungsbericht zum Retreat

Liebe geht raus

„Ihr müsst ja verrückt sein. Kein Mensch zahlt Geld dafür, ein ganzes Wochenende seine eigene Scheiße aus dem Keller zu buddeln.“ So oder so ähnlich hat es die liebe Katja Wolf von Liebe geht raus! (so heißt ihr… Unternehmen?) während des Retreat-Wochenendes mal ausgedrückt. Aber das gute Gefühl, wenn der Keller dann ein ganzes Bisschen leerer ist – das war es auf jeden Fall wert. Vom 26.-28.01.2018 habe ich mich auf diese Reise in mein emotionalen Keller begeben.

„Wert sein“ trifft es – denn mit 390€ war das Wochenende nicht eben günstig. Zuzüglich Unterkunft und Fahrt war ich bei knapp 600€. Die BWLerin in mir fragt sich da schon manchmal, ob ich eigentlich noch ganz bei Trost bin. Aber bisher haben sich solche Seminare (auch in der Preisklasse) immer ausgezahlt. Und es muss schließlich auch jemand davon leben. Also ja, es war das Geld wert 🙂

Das Retreat „Das Geheimnis der Weiblichkeit“ fand bei Liebe geht raus! im Wirkungskreis in Berlin statt, Katjas eigener Wirkungsstätte mitten in Neukölln. Diese besteht aus zwei vorderen Räumen, in denen wir die meiste Zeit verbracht haben. Eine Küche, zwei Bäder und einige weitere Räume gibt es auch. Insgesamt ein sehr schöner Ort für sowas.
Update 01.05.2018: Die Räumlichkeiten in Berlin werden die drei Damen vom Liebe geht raus! nach der Sommerpause aufgeben und in einen Ashram ziehen. Vorerst gibt es dann nur Online-Kurse. An weiteren Präsenz-Angeboten in Deutschland wir aber wohl gearbeitet 🙂

Die Beschreibung des Retreats findest du auf der Website: https://liebegehtraus.de unter „Retreats & Frauenkreise“.

Wie bin ich auf „Liebe geht raus!“ gekommen?

Im November letzten Jahres war Katja Wolf im Interview bei Laura Seiler. Wenn du meinen Blog regelmäßig liest, kennst du Laura schon 🙂 Sie hat den coolsten deutschen Podcast überhaupt – und macht Inhalte rund um Persönlichkeitsentwicklung. Zu dem großartigen Interview mit Katja geht es hier: https://lauraseiler.com/folge-124-wie-du-die-kraft-der-weiblichen-energie-neu-fuer-dich-entdecken-kannst-interview-special-mit-katja-wolf/

Nach diesem Interview dachte ich „da muss ich hin!“ und meine Intuition hat mich nicht getäuscht 🙂

Wer fährt zu so einem Retreat?

Zuallererst mal Frauen. Große und kleine, dicke und dünne, junge und alte, Berlinerinnen und Nicht-Berlinerinnen. Mehr kann man es leider nicht eingrenzen 🙂

Von vielen Frauen weiß ich gar nicht, was sie beruflich machen. Es war einfach so unfassbar unwichtig an diesem Wochenende, dass wir wenig darüber geredet haben. Die, an die ich mich erinnere waren eine Tätowierierin, eine Mitarbeiterin einer Molkerei, eine Unternehmensberaterin, ich mit meiner Konzernanstellung… also schön bunt gemischt 🙂

Die Altersspanne war tatsächlich nicht ganz so abwechslungsreich, ich würde sagen die meisten waren zwischen 25 und 35. Zwei Teilnehmerinnen waren älter, wobei das Alter grundsätzlich gar nicht so eine große Rolle gespielt hat. Ich würde jede Frau – gleich welchen Alters – ermutigen, sich auf diese Reise zu sich selbst zu begeben. Es ist nie zu spät und wohl nur selten zu früh.

Was uns schon zu Beginn vereinte war das Gefühl, sich selbst und die eigene Weiblichkeit vielleicht noch nicht ganz gefunden zu haben oder zumindest nicht so zu leben, wie wir es gerne würden. Wie ist man eigentlich weiblich, in einer so männerdominierten Welt? Was bedeutet das für uns und wo leben wir – oft auch unbewusst – eigentlich gegen unsere (weibliche) Natur? Wann sind wir nicht unser wundervolles selbst, sondern verstellen uns, weil wir glauben, dass wir sonst nicht richtig und liebenswert sind? Und wie entdecken wir wieder, wer wir sind und wie können wir das der Welt auch zeigen?

Was haben wir da die ganze Zeit gemacht – und warum?

Es wurde viel geflucht, ziemlich häufig „scheiße“ gesagt und sehr, sehr viel geweint. Schattenarbeit nennt man das. Schattenarbeit ist eigentlich nichts anderes, als sich seine Wunden, seine Verletzlichkeit, seine Wut, Angst oder Trauer anzuschauen.

Wenn wir diesen Gefühlen nicht den Raum geben, endlich mal da sein zu dürfen, uns nicht damit beschäftigen, holen sie uns immer wieder ein. Es gibt so viele Situationen, in denen nicht der Erwachsene in uns denkt, fühlt und handelt, sondern das verletzte Kind. Mal sind wir emotional 5 und mal 13 Jahre, aber immer verletzte Kinder. Solange wir aus diesem Kreislauf nicht entkommen, werden wir wieder und wieder vor den gleichen Herausforderungen im Leben stehen. Das Leben gibt uns so lange die gleiche Aufgabe, bis wir sie gelöst haben. Immer und immer wieder. Wir können das ertragen – oder die Aufgabe lösen. In unser erwachsenes Ich kommen und unser verletztes Kind an die Hand nehmen. Jeder hat dieses verletzte Kind in sich, und auch das ist etwas, was uns eint. Und meistens ist die Angst davor schlimmer als die Aufgabe selbst. Also los 🙂

Ich werde weniger beschreiben was wir genau gemacht haben (natürlich auch, wenn nötig) sondern mehr, was dabei passiert ist. Das ist für mich einfach wichtiger 🙂 Und es wäre auch nicht so zielführend, weil Katja ohnehin keinen festen Plan hat und damit jedes Retreat ein bisschen anders abläuft. Es zeigt sich, was gesehen werden will und sie stellt die notwendigen „Methoden“ dafür bereit. Den Plan hat also nur das Universum.

Erster Tag – Kennenlernen

Als ich das erste Mal im Wirkungskreis ankam, kam mir die Stimmung sehr bekannt vor. Auf ähnlichen Seminaren – (ähnlich im Sinne von „sich mit sich beschäftigen“) gab es die auch schon. Keiner kennt sich, aber alle wissen dass wir uns bald sehr, sehr gut kennen werden. Spannend – jedes mal wieder.

Meine Lieblingsbitte von Katja gleich zu Anfang war die „Titten auf den Tisch zu packen“. Damit hat sie uns ermutigt, unsere Masken abzulegen, ganz wir selbst zu sein, mit aller Verletzung, Wut, Angst und Trauer die da ist. Mit allen tiefen Kellergewölben die nunmal zu uns gehören und die wir sonst fein säuberlich unter unseren Alltags-Masken verstecken. Wir alle wollen eigentlich gesehen werden und haben doch solche Angst davor, dass uns jemand wirklich sehen könnte – mit allem was zu uns gehört und was uns so einzigartig macht.

Weibliche Trauer und Angst

Schon während der Vorstellungsrunde haben nahezu alle Frauen geweint. Das „vereint-sein“ in ähnlichen Themen, die oft mit sehr unachtsamen, grenzverletzenden Erfahrungen zu tun haben. Nicht selten waren wir selbst unachtsam mit uns, sind viel zu weit gegangen für ein kleines bisschen Anerkennung oder gesehen-werden. Abgelehnte Weiblichkeit, Verlustangst und das Verstecken dessen, wer wir eigentlich sind. Unser wundervolles Chaos, unsere Kreativität, unsere Emotionalität, unsere Liebe – und oft nicht zuletzt unsere Periode. All das war und ist gesellschaftlich oft einfach nicht erwünscht und muss(te) verbogen und verborgen werden. Funktionieren ist oft angesagt. Aber nicht so an diesem Wochenende.

Photo by Cristian Newman on Unsplash

In einer momentan sehr stark männlich dominierten Welt geht es viel um Struktur, um Geradlinigkeit, um harte Planung, um Fokus, Wettbewerb und Analytik. Es ist nicht so, dass wir darin nicht gut sind wenn wir nur genug üben, aber es ist nicht unsere Natur.

Über viele Jahre nicht die wundervollen, liebenden Wesen sein zu dürfen die wir eigentlich sind ist traurig und schmerzhaft. Und diese Trauer um unser verlorenes Frau-sein hat sich an diesem Abend seinen allerersten Weg an die Oberfläche gesucht.

Das obige Foto habe ich auf Unspleash gefunden und es verkörpert für mich so viele Facetten der weiblichen Trauer: Nicht gesehen werden und selbst nicht sehen wollen, funktionieren müssen (zusammengebundene Haare) – und das schon über so viele, viele Jahre und Generationen. Deswegen habe ich es mit in den Beitrag genommen. Oft können Bilder mehr beschreiben als Worte jemals könnten – und Worte finden dafür fällt mir gerade nicht leicht.

Und dennoch hat der erste Abend mich erleichtert. Es ist die Anspannung etwas abgefallen wer die wohl alle sind, wie es da aussieht & Co. Und gleichzeitig war es schön die allerersten kleinen Vorboten der Verbundenheit zu spüren, mit der wir am Sonntag den Wirkungskreis verlassen würden.

Zweiter Tag – hüpf, rein in den eigenen Schmerz

Am zweiten Tag wurde nicht lange gefackelt 🙂 Nach einer Wieder-ankommen-Runde ging es direkt los mit Übungen zu den Themen Angst und Wut. Begleitet von Musik hatten wir hier mal den Raum, diesen Gefühlen ausdrucksstark den Raum zu geben, den sie bisher nie oder nur sehr selten hatten.

Das schöne ist, dass durch diese Art der Übungen der Kopf nach und nach die Kontrolle abgibt. Der Verstand hat vor unsere eigene Kellertreppe ein „Betreten STRENGSTENS VERBOTEN“ Schild gehängt – und das hängt dort schon eine Weile. In unserem braven Alltag halten wir uns daran, doch nicht so heute. Jede für sich und doch gemeinsam steigen wir unsere Kellertreppen hinab und ignorieren den Verstand der sagt „ganz blöde Idee“. Es tut weh, und wir gehen dennoch weiter hinab.

In die Angst gehen

Um dir möglicherweise einen ganz kleinen Eindruck davon zu verschaffen, wie sich das anfühlt: Kennst du diese Situationen, in denen dir Gedanken kommen und du lieber schnell den Fernseher an machst? Bevor du den Gedanken zu Ende denken konntest, weil er möglicherweise weh tun könnte? „Was ist, wenn mein Partner mich ver… ah! Der Bachelor!“, „Wie gut kenne ich meine Eltern eigentlich wirk… oh, ich muss dringend mal auf Facebook schauen was es neues gibt!“, „Irgendwie sind gerade gar keine Menschen um mich herum… ui, Amazon Sonderangebot!“ Für viele Menschen ist schon das Eingeständnis, dass wir das einfach sehr oft tun, eine Herausforderung. Das ändert aber nichts dran, dass es so ist :).

Und nun stell dir einfach vor, dass du selbst entscheidest, den Gedanken zu Ende zu denken. Mit einer Energie um dich herum, die dich darin bestärkt. Ein Strom, der dich einfach mitzieht. Und mit allen Konsequenzen, um herauszufinden was eigentlich die Angst dahinter ist und woher sie kommt. Die Angst zu fühlen, anzuschauen und ihr die Aufmerksamkeit und Energie zu geben, die sie uns unbewusst sowieso die ganze Zeit kostet. Schon wenn wir wissen, dass sie da ist und wir sie als einen Teil von uns akzeptieren hat sie weniger Macht. Du kannst dein ganzes Leben lang wahnsinnig viel Energie investieren darein, deine Angst zu befriedigen, indem du Situationen vermeidest in denen sie auftaucht. Das beschäftigt dich fast ständig und kostet wahnsinnig viel Energie.

Um es an Beispielen festzumachen: Eine Freundin von mir ist jahrelang Treppen gelaufen, weil sie panische Angst vorm Fahrstuhl fahren hatte – das ist ein sehr plakatives Beispiel dafür. Ständig Treppen laufen ist saumäßig anstrengend! Oder ein anderes: Wenn du Angst vor Bindung und Vertrauen hast, bewusst oder unbewusst, wirst du einfach über so viele Jahre so viel Energie in ungesunde Beziehungsmuster stecken… das ist in Summe viel anstrengender, als sich für eine Zeit lang einfach mal damit auseinanderzusetzen, was da eigentlich Phase ist.

Kurze Krise

An diesem Nachmittag hatte ich nochmal eine Zeit, in der ich sehr im Kopf war. Was soll der Eso-Scheiß hier?! Was mache ich eigentlich hier?! Das habe ich alles nicht nötig, läuft doch soweit gar nicht so schlecht bei mir?! Ich habe mich relativ schnell wieder gefangen, weil ich diese Phase der Schattenarbeit kannte – natürlich hat der Verstand so gar keinen Bock auf den Keller. Ist ja unangenehm und potentiell gefährlich. Und er weiß sich zu wehren :). Hinzu kam, dass ich mit Katja als „Coach“ (mir fällt dazu immernoch kein passender Begriff ein…) einfach nicht so richtig warm wurde. Aber dazu gleich noch.

Am Abend war ich wirklich sehr, sehr fertig und auch nicht sonderlich glücklich. Aufgewühlt, ein bisschen als hätte mir jemand ohne Narkose ein fauliges Stück Fleisch aus dem Körper gerissen. Ich weiß, dass das grundsätzlich gut und zukünftig nützlich ist, aber es ist trotzdem gerade erstmal scheiße. In ungefähr dieser Verfassung ging ich dann auch schlafen.

Dritter Tag – Belohnungstag

Am dritten Tag bin ich sehr vorfreudig in den Wirkungskreis gekommen. Ich wusste, heute ist der letzte Tag, freute mich auf eine schönen Abschluss und auch langsam wieder auf zu Hause – inklusive Dienstreise vorher war ich schließlich schon wieder fast eine Woche unterwegs.

Zur Einstimmung auf den Sonntag und die kommende Übung haben wir ein sehr schönes Mantra gesungen (hier ein ähnliche Version auf YouTube). Obwohl ich vergleichsweise viel in „diesen Kreisen“ unterwegs bin, also Meditation, Aufstellungsarbeit, Frauenkreise und sowas, war es für mich das erste mal Mantra singen. Am Anfang dachte ich noch „Aahhh, ich kenne das nicht, wie soll ich das mitsingen? So kompliziert?!“ Ich habe dann erstmal angefangen die Melodie mitzusummen und nach und nach die Textstellen gesungen, die ich mir merken konnte.

Es dauerte nicht lange und wir alle haben zusammen diese kraftvolle Melodie gesungen. Ich hatte das Gefühl, in unserer Mitte entsteht ein großes Kraftfeld, was uns alle miteinander verbindet. Aber nicht nur uns, auch uns mit der universellen Kraft des Universums, mit allen Frauen vor uns und der unwahrscheinlichen Kraft, die sie hatten. Wahnsinn! Und echt schwer zu beschreiben…

Meine Lieblingsübung des ganzen Wochenendes

Im Anschluss gab es eine großartige Übung die da heißt „Ich sehe dich und ich liebe an dir…“. Auf den ersten Blick mag man sich fragen, wie das funktionieren soll mit Frauen, die sich erst 2 Tage kennen. Dadurch wir uns aber gegenseitig unsere Kellertreppen hinab begleitet haben, reichen 2 Tage völlig aus, um ein erstes emotionales „Herzensbild“ des anderen zu bekommen. Ich kann zwar nicht sagen, was die Frauen beruflich machen, wie sie in bestimmten Situationen reagieren würden, was ihre Hobbys sind oder so etwas, aber ich kann einiges davon sehen, wer sie eigentlich sind.

Die Übung funktioniert so, dass immer eine der Frauen in der Mitte sitzt und sich quasi im inneren des Kreises einmal reihum vor jede Frau im „Außenkreis“ setzt. Dann nehmen sich die beiden diese Zeit, diesen Kontakt, damit die Frau im Außenkreis der Frau, um die es gerade im inneren geht sagen kann, was sie an ihr liebt.

Photo by Eric Ward on Unsplash

Anfangs viel mir das schwer, weil ich noch recht im Kopf war. Was sage ich der jetzt bloß? Was, wenn mit nichts einfällt? Was, wenn ihr nicht gefällt was ich sage? Ich hatte dann das Glück, relativ zeitig selbst im Kreis zu sein und zu „bekommen“. Dieses Erlebnis hat mich so in meine Emotion gebracht, dass ich im Anschluss auch weiter auf Herzensebene geben konnte.

Aus dem Herzen, (fast) völlig das Ego und den Kopf ausgeschaltet. Einfach nur in tiefer Dankbarkeit, Verbundenheit und Liebe zu uns und zur Welt. Wenn jemand in diesem Stadium mit einem spricht oder man selbst anderen geben darf – unfassbar schön. Und in unserem Alltag leider so selten.

Wir waren (und sind) verbunden in Schwesternschaft, mit einem reinen Blick aus dem Herzen. Ohne negative Bewertung, ohne Vergleichen, ohne Neid und ohne Selbstzweifel. Denn all das kennt unser Herz nicht. Nur Liebe. An dieser Stelle habe ich auch erstmal wirklich verstanden, warum das ganze „Liebe geht raus!“ heißt.

Die Dinge die ich bekommen durfte, haben mich sehr bewegt. Spätestens als eine Teilnehmerin (die ich ohnehin schon besonders in mein Herz geschlossen hatte) mir aus ihrem Herzen heraus sagte, dass sie mich als Mutter sieht, war es völlig vorbei mit meiner Fassung. Dafür bin ich unfassbar dankbar.

Was etwas schade war, ist, dass wir ausgerechnet dabei unter zeitlichen Druck geraten sind, weil ein Tisch in einem Restaurant in der Nähe reserviert war. Da würde ich mir eine andere Planung beziehungsweise einfach keinen Zeitdruck wünschen. Insbesondere weil wir am Abend auch etwas eher aufgehört haben als eigentlich geplant. Vielleicht läuft das auch anders, wenn Katja ihre beiden helfenden Hände dabei hat.

Nach diesen Schilderungen wird es dich vermutlich wundern zu hören, dass ich mit Katja eigentlich gar nicht so gut klargekommen bin. Warum das so war und welche meiner Punkte da offenbar angetickt wurden folgt nun.

Meine lieben Problemchen mit Katja

Katja arbeitet schon seit 15 Jahren in dieser Richtung. Früher auch mit Männern, heute gibt sie ausschließlich Frauenkurse.

Ich hatte so meine lieben Problemchen mit ihr und habe lange darüber nachgedacht, ob ich das hier teilen möchte. Ich habe mich entschieden es zu tun, da ich weiß, dass es am Ende wieder meine eigenen Themen sind, die sie in mir antickt. Und falls es der einen oder anderen ähnlich geht (Frauen haben ja gar nicht so selten recht ähnliche Themen), ist es vielleicht schön zu wissen dass man nicht alleine ist. Außerdem gehört es zu meiner Erfahrung nunmal einfach dazu.

Zuvor sei gesagt – es waren auch für Katja erschwerte Umstände. Sie hat sonst Hilfe von ihren beiden Mitunternehmerinnen im Wirkungskreis – die sind an diesem Wochenende krankheitsbedingt beide ausgefallen. Dadurch musste Katja sich um viel Orga-Kram kümmern, den sie sonst los ist. Auch eine schwierige Situation und ich bin dankbar, dass sie das Retreat nicht abgesagt haben.

Was genau war denn mein Problem?

Anfangs habe ich total vertraut und dachte, das wird schon prima. Bisher habe ich auf dieser Art Seminar immer nur Seminarleiter gehabt, mit denen ich von Anfang an auf einer Welle schwamm. Diesmal war es anders – und auch eine interessante Erfahrung, für die ich im Nachhinein dankbar bin.

Gleich zu Beginn erzählte uns Katja eine Situation, die sie kürzlich erlebt hatte. In der Geschichte ging es darum, dass sie nicht als „Guru“ gesehen werden möchte. Mein Bauchgefühl sagte: Da ist jemand ziemlich im Ego und eigentlich gerade ganz stolz darauf, von anderen Menschen so gesehen zu werden. Dieses Thema „Ego“ war eines, was mich eigentlich das ganze Wochenende mit ihr begleitete.

Ihre Interaktion mit mir und teilweise auch mit anderen Teilnehmerinnen fühlte sich für mich ganz und gar nicht aus dem Herzen heraus an. Und das, obwohl ihr Unternehmen „Liebe geht Raus“ heißt. Vielleicht konnte ich auch ihre Frequenz nur einfach nicht empfangen. Ich hatte oft das Gefühl, doch irgendwie bewertet zu werden. Als weit oder nicht weit auf dem spirituellen Weg, als verkopft oder kindlich oder weiß ich was. Unausgesprochen, aber vorhanden. Diese Einschätzung an sich ist auch gar nichts schlimmes, für einen Teil davon sind wir ja auch dort. Aber eben dieses Gefühl, dass das nicht aus Liebe, aus „ich sehe dich und begleite dich“ oder auf Augenhöhe stattgefunden hat, sondern irgendwie ein bisschen von oben herab.

Gerade wenn es emotional „ans eingemachte“ geht, brauche ich das Gefühl sicher und geborgen zu sein. Irgendwie unterstützt und gehalten. Es geht nicht darum, dass jemand anders meine Probleme löst, sondern darum, dass derjenige mit seinem Herzen da ist wenn ich falle. Das haben die anderen Frauen für mich geleistet, Katja an diesem Wochenende eher nicht.

Ich habe im Umfeld einige Menschen die mir gut sagen können „Luise, du bist gerade voll im Ego“ oder „Luise, ich höre was du sagst, aber ich glaube es ist anders“ und dergleichen. Wenn das aus Zuneigung, aus „Spiegel sein“ und aufrichtig helfen wollen kommt, dann bin ich dafür extrem dankbar. So fühlte es sich aber einfach nicht an. Woher das kam weiß ich nicht, es ist aber eigentlich auch nicht wichtig.

Was ist dabei meine Rolle?

Natürlich eine ziemlich große. Das Universum tut ja den lieben langen Tag nicht anderes, als uns den Spiegel vorzuhalten. Katja hat in mir alle meine Muster angetriggert von „Ich bin nicht genug“, „Andere finden mich komisch“, „Ich werde nicht gesehen und ernst genommen“, „Ich bin nicht wertvoll“ und dergleichen. Wenn diese Muster ausgelöst werden, kann ich aber in dem Moment demjenigen nicht mehr gut vertrauen und bin im Kampf- oder Fluchtmodus. Arbeit am und mit dem „offenen Herzen“ ist dann nicht einfach. Auch wenn ich immer wieder versucht habe, es dennoch zuzulassen.

Und was lerne ich daraus?

Sicher werde ich erstmal nicht mehr zu ihr fahren und fühle mich nicht schlecht dabei. Vielleicht ist unsere Begegnung gerade jetzt oder auch in diesem Leben einfach nicht dran. Sie ist -im Moment – nicht mein Mensch für sowas und das ist völlig in Ordnung. So wie in einer Beziehung nicht jeder zu jedem passt, so muss es auch zwischen „Lehrer und Schüler“ nicht immer passen.

Was aber für mich viel wichtiger ist: Wie du oben lesen konntest, funktionieren so ein Retreat und die Übungen auch, wenn man mit derjenigen, der den Raum dafür hält, nicht so richtig gut klarkommt. Ich habe versucht, mich auf die Frauen und die Energie, die dort entstanden ist, zu fokussieren und weniger auf Katja. Das ist mir während des Wochenendes mal besser und mal schlechter gelungen, aber im Großen und Ganzen ging es ganz gut.

Diese Erfahrung – das Gelehrte und den Prozess zu trennen von der Lehrerin – ist für mich unheimlich wertvoll. Wer weiß, wozu das mal noch gut ist. Es führt dazu, dass Seminare für mich weniger abhängig davon werden, ob ich die Menschen mag die sie geben. Es wird immer leichter sein, wenn man gleich problemlos zueinanderfindet, aber es geht eben auch ohne das.

Und man darf nicht vergessen – auch „Seminarleiter“ (oder wie immer man das nennen will) sind nur Menschen. Vielleicht war es einfach nicht das Wochenende für Katja und mich und es würde beim nächsten Mal sehr anders laufen. Ich bin damit im Frieden und kann gut akzeptieren, dass es so war. Voller Wertschätzung für Katja, ihr Wissen und die Energie, die sie in diese Arbeit steckt. Und dafür, dass sie so vielen anderen Frauen dabei hilft, mehr in ihr Frau-Sein zu finden. Frauen, die ebenso zu einem anderen gesellschaftlichen und individuellen Frau-Sein beitragen.

Was hat das Retreat bei Liebe geht raus! mir gebracht?

Unfassbar viel.

Als ich von diesem Retreat zurück kam, war ich sehr bei mir. Sehr verbunden mit der Welt und mit meiner Fähigkeit, zu lieben. Eher noch – Liebe zu sein.

Ich bin wieder mehr ich selbst geworden.

Ich lerne, für mich und meine Bedürfnisse einzustehen. Und zwar nicht aus Ego und aus „Jetzt nimm mich gefälligst ernst!“ sondern aus Liebe. Zu mir selbst und zu den Menschen, die mich umgeben. Nur wenn ich ich selbst bin, kann ich auch gut für und mit anderen sein. Und dann können auch alle anderen bei sich sein. Weil wir aufhören zu werten und etwas sein zu wollen, sondern einfach nur da sind.

Ich lerne, meinen Körper zu mögen – so unperfekt, wie er eben ist

Die „Folgen“ dessen habe ich an einer recht unerwarteten Stelle bemerkt: Kurz nach dem Retreat stand eine Reise ins Warme an und mit ihr die Beschaffung einiger neuer Klamotten 🙂 Ich habe letzten Herbst viel ausgemistet, dabei sind vor allem auch Sommersachen weggekommen. Leichte Sommerbekleidung zu kaufen war für mich immer ein Graus. Man kann sich darunter so schlecht verstecken. Hier ein Pölsterchen zu viel, da eine komische Falte, von der Seite sieht mein Bauch so dick aus. Und nun – nichts! Ich habe das allererste Mal GERNE KLAMOTTEN GEKAUFT. Weil ich mich schön darin fand! Und weil ich offenbar gerade lerne, meinen Körper anzunehmen wie er jetzt gerade ist. Er ist nicht perfekt, aber ich bin das auch nicht 🙂

Unsere WhatsApp Gruppe

Schön ist, dass wir Frauen eine WhatsApp-Gruppe haben und es tatsächlich schaffen, zumindest einen Teil dieser Verbundenheit dort weiter zu leben. Wir stehen uns bei, berichten von schwierigen Situationen im Alltag, helfen uns weiter und sind füreinander da. Es ist schön, einfach sagen zu können „Es geht mir gerade nicht gut weil…“ oder Situationen zu teilen, bei denen man sich über Meinungen und Feedback freuen würde. Ein Wiedersehen ist auch schon geplant. Ich bin so unfassbar dankbar dafür.

Männlich und Weiblich bewusst wahrnehmen

Ich bin wieder viel, viel achtsamer mit mir. Und habe jetzt natürlich auch einen besseren Blick für das Männliche und das Weibliche.

Ein Beispiel: Kürzlich waren mein Partner und ich bei einem Yogakurs, den er großartig fand und ich furchtbar. Und warum? Nun, ein Mann hat den Kurs gegeben, er hat die Übungen auf einem kleinen Podest vorgemacht und alle Yogamatten waren wie Pfeilspitzen in Richtung dieses Podests gerichtet. Viel kämpfen, halten, durchhalten. „Nicht blinzeln“ war mal eine Anweisung. Eine Abfolge von nicht miteinander verbundenen Übungen, Krieger, Kerze und so. Fokus, Klarheit, Härte. Wenig Erdungsarbeit.  NATÜRLICH kann ich damit nichts anfangen, denn das ist Männeryoga!!! Ich bin aber eine Frau. Also geht er da künftig wieder alleine hin und ich werde weiter „find what feels good“ machen mit Adriene 🙂 Zu ihrem Kanal geht es hier – großartige FRAU: https://www.youtube.com/user/yogawithadriene

Ich glaube, in dieser Bestimmtheit hätte ich das vor dem Seminar bei „Liebe geht raus!“ nicht sehen können, mich in der Situation unwohl gefühlt und womöglich die Schuld noch bei mir gesucht. Es gibt aber keine Schuld, sondern einfach nur Unterschiede 🙂

Kopf oder Herz?

Nach dem Seminar kann ich auch Menschen noch besser sehen – ich kann nun noch besser unterscheiden, ob jemand aus dem Kopf oder aus dem Herzen spricht. Nicht, dass es mir selbst immer gelingt im Herzen zu sein, aber das bei anderen zu sehen war schon bei vielen Entwicklungsschritten der erste Schritt. Bei anderen ist es einfacher als bei uns selbst, deswegen darf ich liebevolle Achtsamkeit auch durchaus bei anderen „trainieren“ (ich muss es ihnen ja nicht ungefragt ins Gesicht brüllen). Dann fällt es mir irgendwann bei mir selbst noch leichter.

Gerne Frau sein – mit allem was zu uns gehört

Ich beginne, mein Frau-Sein anzunehmen. Mich mit mir zu verbinden und öfter ganz bewusst mein Herz auf zu machen, vor Allem für die Menschen die sehr verletzt und dadurch nicht so nett sind. Be love!

Ja, ich bin chaotisch, impulsiv und emotional. Ich möchte gerne irgendwann Mutter sein. Ich bin nicht super muskulös. Ich interessiere mich lieber für Menschen und weniger für Dinge. Ich folge meiner Intuition mehr als meinem Verstand. Ich kann wild und wütend sein. Und ich bin verbunden mit der Erde, die – wie wir Frauen – einem Zyklus folgt. Und vor Allem bin ich verbunden mit mir. All das ist wunderbar, weil es unser weibliches Naturell ist. Und ich möchte und werde dieses Naturell nach und nach immer mehr zeigen.

Anbei noch ein Foto, was dieses Gefühl sehr gut ausdrückt 🙂

Photo by Yoann Boyer on Unsplash

 

 

Titelfoto von Becca Tapert auf Unsplash

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Ich bin Luise und Bloggerin aus Leidenschaft. Ich liebe Fahrrad fahren und Mittagsschlaf. Ich lebe für Liebe, Wärme, Licht und Farben. Und dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass mit ein bisschen mehr Selbstliebe in jedem von uns die Welt ein noch schönerer Ort wird. Also, lasst uns anfangen :)

4 Kommentare

  1. Erdbeere sagt

    Vielen Dank für diesen tollen Einblick. Ich habe auch schon viele Videos von liebe geht raus gesehen und am Wochenende an einem Online-Retreat teilgenommen und überlege auch an einem Live-Retreat teilzunehmen. Dein Eintrag hat mich dazu ermutigt, es einfach mal zu probieren und zu schauen, was es mit mir macht. Nachdem ich versucht habe, einer Freundin von meinen Erfahrungen zu berichten und danach nur gewarnt wurde, nicht auf irgendwelche Eso-Scheiße reinzufallen, bin ich froh zu lesen, dass auch andere von dieser Arbeit sehr profitieren. Obwohl das auch wieder nur zeigt, an welchen Stellen ich an mir arbeiten muss, nämlich nicht so viel auf die Meinung anderer zu geben. Solange es mir gut tut, ist doch alles super.

    • Luise sagt

      Hallo Erdbeere (was ein schöner und weiblicher Benutzername :))
      Es freut mich, dass die Schilderungen dir geholfen haben. Ja, auf jeden Fall – wenn dein Gefühl dir sagt, dass du da hingehörst, dann versuche es! Ich kenne von mir selbst den Gedanken mit der Eso-Scheiße, aber meistens hat man ein gutes Bauchgefühl, was wirklich weiterhilft und was nicht. Man braucht nur noch darauf zu hören 🙂
      Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen – melde dich gern!

      Alles Liebe, Luise

  2. Tinamaria sagt

    Liebe Luise, heute habe ich das Interview von Laura Seiler und Katja Wolf gehört. Laura Seiler höre ich seit ein paar Monaten. Ich habe gezielt nach Infos zum Verlust der Weiblichkeit gesucht und Katja hat mich angesprochen. Nachdem ich im Netz das Von Dir beschriebene Seminar gefunden habe, und die Infos von dir, ist mir die Entscheidung leichter gefallen, nach Berlin zu fahren. Viele lieben Dank für deinen ausführlichen Bericht, der mir sehr geholfen hat. Alles gute für deinen weiteren Weg, Martina

    • Luise sagt

      Liebe Martina,
      hab vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Es freut mich, dass der Artikel dir weitergeholfen hat und ich wünsche dir viele befreiende Erlebnisse und gute Erkenntnisse bei Katja! Alles Liebe für dich!
      Luise

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