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#Lieblingsfilm: Die stille Revolution

Die stille Revolution

Selten war ich nach einem solchen Film so berührt, bestärkt und zuversichtlich gleichermaßen. Der Film „Die stille Revolution“ von Regisseur Kristian Gründling bringt für mich sehr viele Dinge zusammen, die sich lange verloren haben, aber eigentlich zusammen gehören. Unternehmen, Führen von Menschen, Menschlichkeit und Bewusstsein.

Worum geht es in „Die stille Revolution“?

Der Film ist eine Mischung aus der Geschichte von Upstalsboom, einer Hotelkette im Wandel, und Erfahrung- und Meinungsäußerungen von Personalchefs großer Unternehmen und anderen Größen dieser „New Work“ Ära wie dm-Gründer Götz Werner, Neurowissenschaftler Prof. Dr. Gerald Hüther, Thomas Sattelberger und Pater Anselm Grün.

Für mich war tatsächlich besonders spannend die Berichte von Upstalsboom zu hören, denn dort ist der Wandel gelebter Alltag.

Zum Trailer geht es direkt hier lang:
https://www.youtube.com/watch?v=3xLlAGN_v_8

Wenn du herausfinden möchtest, ob der Film auch in deiner Stadt läuft:
https://www.die-stille-revolution.de/#termine

(Die DVD* gibt es leider erst im September)

Die Upstalsboom-Geschichte in Kurzfassung 🙂

Geschäftsführer Bodo Jansen hat im Jahr 2010 eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt, die ihm die Augen geöffnet hat. Die Unzufriedenheit der Mitarbeiter und sehr klare Statements von „Wir brauchen einen anderen Chef als Bodo Jansen“ haben ihn tief getroffen.

Was ich unfassbar beeindruckend finde – viele andere hätten in der Situation wahrscheinlich aufgegeben und rumlamentiert. Wären vielleicht in ein anderes Unternehmen gegangen, weil es einfacher ist. Bodo Jansen aber hat sich in den Kopf gesetzt, eine echte Führungskraft zu werden und an sich zu arbeiten. Das Problem bei der Wurzel zu packen. Allein dafür verdient er meinen allergrößten Respekt.

Im Folgenden wurde – gemeinsam mit allen Mitarbeitern – an einer neuen Strategie und Vision gefeilt. Achtsamkeit, Menschlichkeit, gegenseitige Wertschätzung und ganz viel Bewusstsein für das „Warum“ im Unternehmen haben es nachhaltig verändert.

Einer Gruppe Azubis, klassischerweise eher jungen Leuten, ermöglicht das Unternehmen die Besteigung des Kilimanjaro, inklusive einem ganzen Jahr Vorbereitungszeit. Und Bodo Jansen ist hinterher total stolz und berührt, was dieses Erlebnis und dieses „Ich kann was“-Gefühl aus den jungen Menschen innerhalb eines Jahres gemacht hat – und das er bzw. das Unternehmen sie dorthin gebracht haben.

Durch diese und andere Aktionen (wie z.B. den gemeinsamen Bau einer Schule in Afrika) haben alle Mitarbeiter von Upstalsboom die Möglichkeit, sich innerhalb ihrer Arbeitszeit (!!!) nicht nur fachlich, sondern vor allem auch persönlich weiterzuentwickeln. Arbeitszeit und Freizeit, Beruf und Privat, beeinflussen sich gegenseitig positiv.

Eine Assistentin der Geschäftsführung von Upstalsboom hat Tränen in den Augen als sie sagt „Ich bin so stolz, Teil dieses Unternehmens zu sein. Ich bin da, wofür ich da bin.“ Da war es auch bei mir vorbei mit der Fassung 🙂

Spannend war, dass der Film auch die negativen Seiten einer solchen Entwicklung nicht ausgespart hat. Unsicherheit, Ungewissheit ob des Erfolgs sowie das Loslassen von alten Mustern und Regeln. Viele Führungskräfte fanden die Entwicklung des Unternehmens anfangs gar nicht gut und sind gegangen. Und ja, ich glaube, dass das erstmal schwer ist, aber letztendlich der richtige Weg. Wenn ein Unternehmen seine Identität neu erfindet und man merkt, dass man dazu nicht mehr passt, ist das der einzig richtige Schritt. Für die Menschen die gehen und vor allem auch für die, die bleiben. Denn nur wenn Menschen an Bord sind die eine gemeinsame Vision teilen, kann die auch gelebt werden. Und um Zweifel finden sich dann auch neue Menschen, die besser zur Kultur passen.

Budgets für das kommenden Jahr möchte Bodo Jansen von seinen Führungskräften nicht mehr haben. Warum soll er das denn entscheiden? Wirtschaftlichkeit als Notwendigkeit zur Existenz, aber bei weitem nicht als oberstes Unternehmensziel.

Und ganz nebenbei hat Upstalsboom in den 5 Jahren nach der entscheidenden Mitarbeiterbefragung seinen Umsatz mehr als verdoppelt, die Krankheitsquote fiel von 10% auf unter 2%. Und als wäre das nicht genug, ist Upstalsboom mittlerweile einer der beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands! Einfach nur durch Bewusstsein, Achtsamkeit und Offenheit. As easy as that.

Und – last but not least – wenn das „why“ nicht mehr Geld drucken heißt, sondern Gäste glücklich machen und einen positiven Einfluss in der Welt haben – dann kann man das Unternehmen natürlich auch in eine gemeinnützige Stiftung überführen. Diesen doch sehr krassen Schritt hat Upstalsboom mittlerweile auch gemacht.

Die wichtigsten Zitate für mich aus „Die stille Revolution“

Hier findet ihr meine liebsten Zitate aus dem Film. Nicht Wort für Wort, aber sinngemäß. Und ich weiß leider auch nicht mehr bei allen, wer das gesagt hat.

  • Belohnung und Bestrafung – auch wenn sich die Praxis in großen Unternehmen oft auf Belohnung fokussiert – sind immer Mittel, Menschen zu etwas zu bewegen oder zu motivieren, was sie eigentlich nicht wollen. Wenn sie tun würden, was sie sowieso wollen, müsste man sie nicht mit Geld oder Status motivieren. (Gerald Hüther)
  • Sich als Führungskraft einzugestehen, dass man eigentlich die Antwort auf die Frage „Was ist Führung und wie geht das eigentlich? Menschen führen?“ nicht kennt, war schwer. (Bodo Jansen)
  • Unsere Unternehmensstrukturen kommen aus einem militarisierten Preußen, in dem der Chef sagt was gemacht wird und alle machen.
  • Uns ist total klar, dass es Tag und Nacht gibt, aber es ist völlig absurd, wenn sich eine Führungskraft neben Hektik, Stress und Alltag in Ruhe, Stille und Meditation zurück zieht.
  • Wir sollten unsichtbar sein. Wir wären nie auf die Idee gekommen, mit einem Gast zu reden. Und wenn du unsichtbar sein sollst, dann bedeutet das, du bist eigentlich nicht erwünscht und ein notwendiges Übel. Das hat mich sehr verletzt, über viele Jahre. (Putzfee von Upstalsboom)
  • Wirtschaftlichkeit ist nicht der Zweck des Unternehmens, sondern die Basis unserer Existenz. (Bodo Jansen)
  • Hört auf zu glänzen und fangt an zu leuchten!
  • Wir wollen immer nur Verhalten ändern und beeinflussen. Aber man kann Verhalten nicht beeinflussen, ohne vorher die Haltung eines Menschen zu verändern. Und die kann man nicht aktiv verändern, man kann nur für eine eigene Haltung begeistern.

Kritik am Film

Es gibt für mich einen einzigen, aber wichtigen Kritikpunkt am Film. In den „wichtigen“ Rollen der Interviewten herrscht ein starker Männerüberhang! Es entsteht ein bisschen das Bild, dass die Männer den Wandel vorantreiben und die Frauen den Wandel mitmachen bzw. dankbar dafür sein dürfen. Putzfrauen, Azubinen und Assistentinnen dürfen ruhig Frauen sein. Ich glaube ja persönlich, dass es eigentlich andersrum ist und vor allem Frauen den Wandel gestalten in Unternehmen 🙂 Sie laufen eben nur nicht rum und erzählen es jedem.

Einen Vorteil hat die Sache jedoch: Bisher sind es auch vor allem grauhaarige, ältere Herren, die die preußische Militärdiktatur in deutschen Unternehmen aufrecht erhalten. Vielleicht hören die auch einfach besser auf andere grauhaarige alte Herren, die es einfach anders machen.

Weiterführende Quellen zu New Work und den Protagonisten von „Die stille Revolution“

So what – Die stille Revolution

Der Film zeigt für mich wieder deutlich, dass Kulturwandel etwas ist, was eben nicht auf ein paar Powerpoint-Charts passiert, sondern in den Menschen. Nur wenn sich die Menschen ändern, können sich auch Unternehmen ändern. Und zwar alle, auch und insbesondere Führungskräfte, weil sie nunmal die Leitplanken vorgeben. Nicht nur fachliche, sondern insbesondere auch die Regeln, wie man miteinander umgeht, Kunden gegenübertritt und letztendlich wie man seine Berufstätigkeit in sein Leben einsortiert.

Es gibt den schönen Spruch „Der Fisch stinkt vom Kopf“. Das bedeutet, solange das Management über mir Mist baut, kann ich auch nix dafür. Das ist zum einen sicher sehr wahr, aber auch sehr bequem. Dieser Film zeigt, dass „Der Fisch leuchtet vom Kopf“ auch genauso wahr sein kann – und alle können mit ihm leuchten. Dafür muss dieser Fisch aber leuchten wollen, dann geht es auch.

 

Was denkst du darüber? Wie geht es dir in deinem Unternehmen und welchen Wandel wünschst du dir? Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung, entweder in den Kommentaren oder an luise@zeitgeistich.de!
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Photo by Joshua Ness on Unsplash.

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