Autos und Internet.
Schreibe einen Kommentar

Digitales Fahrtenbuch & Co: Wie auch ältere Autos online gehen können

Neue Autos haben oft schon einige „digitale“ Ausstattung an Bord. Doch Fahrtenbuch, Fahrtstatistiken und Tankfüllstände auf dem Smartphone kann man auch mit einem älteren Auto haben. Welche Lösungen es gibt, was die können und kosten will ich euch in dieser Beitragsreihe näher bringen.

Die Test-Stecker

Es gibt eine Schnittstelle im Auto, aus der Daten rauskommen und die man mit einem kleinen Stecker auslesen kann. Das ist die sogenannte OBDII-Schnittstelle und steht für On-Board-Diagnose. Auf dem Smartphone gibt es dann jeweils eine App, die die Daten darstellt. Jedes Unternehmen, was einen OBDII-Stecker anbietet, macht mit ungefähr den gleichen Daten (km-Stand, Tankfüllstand, GPS-Position und so weiter) unterschiedliche Dinge.

Ich habe die folgenden Unternehmen bzw. Stecker-Angebote getestet**. Da das digitale Fahrtenbuch den in meinen Augen größten praktischen Nutzen bietet, habe ich das zur „Mindestvoraussetzung“ in meinem Test gemacht. Hier findet ihr die Übersicht, zu den einzelnen Tests wird es in den kommenden Wochen separate Artikel geben.

Kurzbeschreibung

Sehr unkompliziertes Fahrtenbuch.
Für Flotten gibt es mittlerweile auch Vimcar Fleet.

Bietet alles an was irgendwie geht. Automatischer Notruf, Fahrtenbuch, Fehlercodes, Fahrstatistiken.

(ehem. TankTaler) Ursprünglich auf Tankstellensuche und -preise spezialisiert, mittlerweile sehr breites Angebot rund ums vernetzte Auto.

Spezialisiert auf Ortung der Fahrzeuge und ganz grundlegendes Flottenmanagement für kleine Flotten. Fahrtenbuch auch separat erhältlich.

Kundengruppe

Privat- und Flottenkunden

Privatkunden Privatkunden

eher Flottenkunden, Fahrtenbuch auch für Privatkunden

Preismodell

Fahrtenbuch:
„Miete“ 18,92€/Monat, 1 Jahr Vertragslaufzeit

 

Flottenmanagement: keine Preisangaben auffindbar

Kauf: 119€*

Miete: 39€/Jahr

Kauf: 99€*

 

Fahrtenbuch: +49€ extra, also insgesamt 88€ pro Jahr

199€ einmalig
(inkl. 6 Monate), danach 85€ für 6 Monate
*

oder

Fahrtenbuch Miete: 19,04€/ Monat, 1 Jahr Vertragslaufzeit

Flottenmanagement: zwischen 22€ und 50€ pro Monat und Fahrzeug, je nach Leistungsumfang.

Meine Meinung

Das Fahrtenbuch ist relativ teuer, dafür sehr durchdacht und funktioniert anstandslos. Logisch aufgebaute und ganz hübsche App.

 

Den Kauf kann man sich sparen… super unzuverlässig, unter anderem weil keine eigene SIM-Karte im Stecker. Dafür im Vergleich recht teuer.

Etwas unübersichtlich und kleine Bugs hier und da, aber dafür recht günstig und optisch sehr ansprechend. Außerdem der größte Funktionsumfang im Test.

Optisch eher… einfach 😀 Aber funktionierte im Test alles stabil, darauf kommt es ja an. Für Firmenkunden eine gute Wahl, weil man mit dem Fahrtenbuch beginnen und später erweitern kann.

Kaufempfehlung Ja Nein Ja

Ja

Die Preise auf den Websiten der Anbieter sind netto, ich habe sie für euch aber alle brutto angegeben.

Vimcar ist die richtige Wahl, wenn man einfach nur ein Fahrtenbuch will was funktioniert. Ich finde es relativ teuer, aber dafür muss man sich halt auch um (fast) nix Gedanken machen, außer einmal pro Woche die Fahrten in „dienstlich“, „Privat“ und „Arbeitsweg“ zu unterteilen. Und natürlich einmal im Jahr den Export zu ziehen.

Pace*… naja, steht ja oben schon. Es ist schade, dass das offenbar technisch so schlampig umgesetzt ist, denn die Ideen sind eigentlich ziemlich cool. Auch optisch macht die App durchaus was her, aber was nicht funktioniert, funktioniert halt nicht. Unter anderem wird’s am Mini-Stecker liegen und dass der keine eigene SIM-Karte hat im Vergleich zu den anderen und damit auf eine stabile Smartphone-Verbindung angewiesen ist. Das finanzamtskonforme Fahrtenbuch funktioniert nur, wenn die App ständig im Hintergrund offen ist und eben das Handy dabei ist. Das wäre mir zu heikel, da Fahrtenbücher nunmal lückenlos sein müssen.

ryd (ehem. Tanktaler)* ist großartig für Menschen, die technische Spielereien lieben. Es gibt viele interessante Auswertungen, auf die man sonst auch nicht gekommen wäre. Und auch ein paar sehr praktische Features im Alltag. Die Kundenbetreuung ist mega nett und zuvorkommend! Das Fahrtenbuch ist relativ günstig, aber ich würde ihm vielleicht noch ein Jahr Zeit geben, bis es damit die ersten Erfahrungen bei den Finanzämtern gibt, da es das erst seit Ende 2017 gibt. Mehr Details dazu gibt es im ryd-Bericht: #Erfahrungsbericht Ryd (ehem. TankTaler).

Fleetize* ist ein sehr sympathisches Unternehmen und für mich die positiv-Überraschung meines Tests. Es wirkt eher technisch geprägt und alles nicht ganz so hip und schick wie bei Vimcar oder ryd. Dennoch – das Fahrtenbuch funktioniert sehr zuverlässig. Und die Tracking-Funktion und genaue Streckenanzeige ist einfach großartig, die mag ich eigentlich gar nicht wieder hergeben. Der Kundenservice ist sehr nett und reagiert super schnell, in den Rezensionen auf Amazon habe ich auch ein paar sehr begeisterte Kundenstimmen gelesen was das angeht. Mehr gibts bald im ausführlicheren Erfahrungsbericht 🙂

Ein witziges Detail ist mir erst beim Erstellen eines Fotos für den Blogeintrag aufgefallen: Die 4 getesteten Unternehmen haben allesamt eine türkise Farbe als „Corporate Colour“ – das ist tatsächlich so und offenbar Zufall. Selbst die Formen sind zum Teil ähnlich. Interessant :).

In welchen Fahrzeugen funktionieren die Stecker?

Alle Fahrzeuge, die nach 2008 gebaut wurden, haben den notwendigen OBD2-Anschluss auf jeden Fall. Einige auch schon eher – mein 2005er Skoda Fabia zum Beispiel hat auch einen.

Der sogenannte OBDII-Anschluss ist ein On-Board-Diagnose Anschluss. Ursprünglich ist der für die Werkstätten gedacht, die damit Fehlercodes des Autos auslesen können. Da dort aber – über alle Fahrzeuge standardisiert – ungefähr die gleichen Daten rauspurzeln, gibt es mittlerweile einige Anbieter, die darin ein Geschäftsmodell sehen.

Der Stecker ist in jedem Auto an einer anderen Stelle, aber das findet man im Internet leicht raus, wenn du dein Modell und das Baujahr weißt. Rund um das Lenkrad oder im Fahrer-Fußraum ist schonmal ein guter Platz zum Suchen 🙂

Warum sollte man überhaupt ein digitales Fahrtenbuch führen?

Privat genutzte Dienstwagen müssen grundsätzlich versteuert werden, weil das Unternehmen seinem Mitarbeiter eine Leistung gibt – nämlich das Auto – was er sonst anderweitig kaufen müsste. Das nennt man geldwerten Vorteil (einen Vorteil, für den man sonst Geld ausgeben müsste ;))
Das geht pauschal, indem einfach 1% des Bruttolistenpreises des Autos angenommen werden. Das ist quasi eine Schätzung des Finanzamts, wenn der Fahrer nichts anderes nachweist. Bei einem Passat für 35.000€ und einem Verdienst von 3.000€ brutto pro Monat werden also jeden Monat 350€ dem Gehalt zugeschlagen. Der Arbeitnehmer muss 3.350€ versteuern statt seinen 3.000€ Einkommen.

Wer aber gar nicht viel privat fährt, ist mit dem genauen Nachweis jeder Fahrt – einem Fahrtenbuch – besser bedient. Damit kann man beweisen, dass man das Auto überwiegend dienstlich nutzt und damit der private Vorteil gar nicht so groß ist wie bei der 1%-Regelung angenommen. Das hängt aber sehr vom Wert des Fahrzeugs, den gefahrenen Strecken und einigen anderen Faktoren ab. Wer überwiegend privat fährt ist mit der 1% Regelung meistens besser bedient. Weitere Infos, was in welchem Fall günstiger ist gibt es hier oder beim Steuerberater deiner Vertrauens 😉

Da das Führen eines Fahrtenbuchs nervig und anstrengend ist, gibt es dafür digitale Lösungen. Die führen dazu, dass man statt aller notwendigen Angaben (km-Stand, Tag, Uhrzeit, Ziel etc nur noch den Zweck der Fahrt und die Art der Fahrt, also „dienstlich“, „privat“ oder „Arbeitsweg“ angeben muss. Das geht einfach deutlich schneller.

Wichtig zu wissen ist noch, dass „finanzamtkonform“ eigentlich oft etwas irreführend ist. Es gibt ein paar Indikatoren, z.B. dass Fahrten nur 7 Tage lang den oben genannten Kategorien zugeordnet werden können und danach nicht mehr bearbeitbar sind oder dass alle Angaben, z.B. Zweck der Fahrt und km-Stand überhaupt eingetragen werden können. Es gibt aber kein offizielles Statement von irgendeinem Finanzamt, was anerkannt ist und was nicht. Das sind eher Erfahrungswerte, dass die meisten Finanzämter mittlerweile auch digitale Fahrtenbücher akzeptieren. Mit den hier genannten Vimcar, Fleetize und ryd solltet ihr also auf der sicheren Seite sein, garantieren kann das aber eben keiner. Aber am Ende ist das ja bei den schriftlichen Fahrtenbüchern nicht anders.

Wozu kann man die OBD-Stecker sonst noch nutzen?

Die einfachste Antwort wäre: Weil es einfach Spaß macht. Ich mag Statistiken 😀 Für mich ist ein weiterer Anwendungsfall tatsächlich auch noch, dass ich sehen kann wo mein Auto ist, wenn ich es an andere Leute vermiete per SnappCar und Drivy.

Natürlich muss man den Leuten sagen, dass für mich nachvollziehbar ist, wohin sie fahren. Die meisten schreiben das aber sowieso schon, wenn sie ein Auto anmieten. Zum einen gibt mir das Sicherheit, dass sie nicht ins Osteuropäische Ausland abhauen, um mein Auto da zu verhökern. Zum anderen weiß ich aber auch wann ich mit ihnen rechnen kann zur Rückgabe und wo sie das Auto geparkt haben, wenn wir die Rückgabe mal nicht persönlich gemacht haben.

Welche Angebote auf OBD2-Basis gibt es im Moment sonst noch?

Neben den gerade vorgestellten Angeboten gibt es noch einige weitere, die ich euch zumindest nicht vorenthalten will, auch wenn ich sie nicht getestet habe.

  • Lexware ist eine Kooperation mit Vimcar, das sieht man der App auch an, die sieht nämlich genauso aus. Und kostet auch das gleiche (15,90€ mtl. netto)
  • Telekom CarConnect ist ein reines Angebot für Privatkunden. Es hat kein Fahrtenbuch, aber Telekom-Vertragsbindung, deswegen habe ich es außen vor gelassen. 40,95€ einmalig (im Moment), 9,95€ pro Monat.
  • V-Auto von Vodafone ist ebenso ein Privatkunden-Angebot ohne Fahrtenbuch. Gut ist: es gibt einen automatischen Notruf, wenn ein Unfall registriert wird. 79,90€ einmalig, 6,99€ pro Monat

Grundsätzlich sollte man immer schauen, dass die Stecker eine eigene SIM-Karte haben und einen internen Speicher. Das führt dazu, dass es auch immer laufende Kosten gibt, weil beim Anbieter ja auch dauerhaft Daten-Kosten entstehen. Um auf Nummer sicher zu gehen, kann man fragen ob man auch dauerhaft ohne Smartphone unterwegs sein kann. Das geht nämlich nur, wenn es diese SIM-Karte gibt.

Letztendlich ist die Entscheidung für ein Angebot natürlich abhängig davon, was man genau damit erreichen will. Je nachdem können unterschiedliche Anbieter mehr oder weniger gut deine Bedürfnisse erfüllen. Ich hoffe, du hast einen ersten guten Überblick über das Thema bekommen. 🙂

Was denkst du darüber? Hast du auch schon Erfahrungen gemacht? Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung, entweder in den Kommentaren oder an luise@zeitgeistich.de!
Und wenn du den Artikel magst – spread the love and share the happiness (auf Facebook, Twitter, G+ oder wo du sonst bist). Ich danke dir von Herzen.

*Dies ist ein Affiliate Link. Wenn du darüber ein Produkt kaufst, bekomme ich ein paar Cent dafür. Das hilft mir, die Hosting- und Providerkosten für den Blog zu decken und ihn weiterhin werbefrei zu halten. Für dich ändert sich dabei am Preis gar nichts 🙂 Dankeschön!

**Von Fleetize und ryd habe ich freundlicherweise Stecker zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen. Bei Pace war die Anfrage vergeblich, da habe ich den Stecker selbst kaufen müssen und über die 30-Tage-Geld-zurück das Problem gelöst. Vimcar hatte ich ohnehin schon.

Beiträge die dich vielleicht auch interessieren:

Deine Meinung dazu...