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#Erfahrungsbericht PACE – einfach die Finger davon lassen

Meine mangelnde Begeisterung für Pace habe ich ja schon im ersten Artikel Digitales Fahrtenbuch & Co: Wie auch ältere Autos online gehen können zum Ausdruck gebracht. Heute will ich noch etwas ins Detail gehen, was genau an Pace nicht funktionierte beziehungsweise mich zu diesem doch recht harten Urteil gebracht hat.

Es ist das erste Mal, dass ich einen Artikel schreibe über ein Produkt was ich absolut NICHT mag. Da aber auch sowas zu Erfahrungsberichten dazugehört, habe ich mich entschieden meine Eindrücke trotzdem mit dir zu teilen.

Kein Teststecker von Pace – mit merkwürdiger Begründung

Der Test ging schonmal damit los, dass Pace als einziges Unternehmen keinen Teststecker zur Verfügung stellen wollte. Das finde ich soweit gar nicht schlimm, eher etwas unverständlich. Aber natürlich in Ordnung, wenn das Unternehmen das so für sich entscheidet, insbesondere weil mein Blog ja noch in den Kinderschuhen steckt :). Was ein komisches Bauchgefühl bei mir gemacht hat war die – offenbar witzig gemeinte – Begründung des Kundendienstes:

„Da wir momentan sehr viele Presseanfragen bekommen, müssen wir sorgfältig abwägen, an wen unser recht knappes Kontingent an Testgeräten herausgeschickt wird. Einen offiziellen Prozess für „Leihgeräte“ gibt es bei uns übrigens nicht. Ein Journalist bekommt entweder ein Testsystem (für immer) oder er bekommt keines – das hat einen ganz einfachen Grund: Wenn du den PACE Link einmal im Auto hast, möchtest du danach nicht mehr ohne ihn fahren 😉. Ausleihen und wieder zurücknehmen grenzt an seelische Grausamkeit (davon abgesehen ist der logistische Aufwand recht hoch). Ich führe hier eine Warteliste – es artet momentan in einen regelrechten Wettbewerb um Reichweite, Besucherzahlen, Follower-Struktur usw. aus.“

Dann gab es in der Email noch den dezenten Hinweis, dass ich ja Pace einfach selbst kaufen könne und innerhalb von 30 Tagen zurückgeben kann. Das ist die Lösung, die ich dann auch gewählt habe. Ich habe ja die Vermutung, dass Pace einfach Lieferschwierigkeiten hat und deswegen Stecker nur an zahlende Kunden rausgibt. Aber insgesamt fand ich die Ansage schon recht überheblich – insbesondere weil das Produkt einfach nicht gut ist und ich den Stecker auch kostenlos nicht im Auto haben wollte, da er doch eher unnütz ist und möglicherweise sogar gefährlich (Näheres bei „So what“ ganz unten).

Der Kauf von Pace

Das hatte natürlich auch etwas Gutes – so konnte ich den kompletten Kaufprozess von Pace erleben.

Ich muss zugeben, dass es nach dem ungünstigen Start und einigem negativen Feedback aus meinem Umfeld vorher schon nicht so einfach war, unvoreingenommen an den Test von Pace heranzugehen, aber ich habe es wirklich versucht.

Also ging es los – ich habe die Bestellmaske ausgefüllt und kurze Zeit später wurden auch schon die 119€ abgebucht. Ein durchaus stolzer Preis. Da sich bei mir spontan noch eine große Reise eingeschlichen hat und ich den Stecker innerhalb von 30 Tagen zurücksenden musste, konnte ich nur ungefähr 2 Wochen testen, was deutlich kürzer ist als bei den anderen Anbietern. Aber ich denke, das reicht auch.

Wenige Tage später erreichte mich das Paket. Pace hat die schickste und aufwändigste Verpackung aller Anbieter (die ich leider vergessen habe zu fotografieren, kann man aber googeln).

Der Test hat im Februar und März in einem Skoda Fabia 2005 und mit einem iPhone stattgefunden.

Also Stecker ins Auto und los gehts…?

Naja, oder auch nicht. Erst sagt die App, der Pace Link wurde erkannt, dann doch nicht. Dieses Spiel haben der Stecker rund ich ungefähr 4 oder 5 Mal gemacht. Selbstverständlich war der Stecker richtig drin und Bluetooth an, dennoch funktionierte die Verbindung einige Versuche lang nicht und ich habe es erstmal aufgegeben. Nach einiger Web-Recherche habe ich herausgefunden, dass es durchaus auch anderen Nutzern so ging und ich nicht einfach nur zu doof war.

Nachdem ich das nächste Mal gefahren war, klappte es dann und ich konnte die weitere Konfiguration in der App durchlaufen. Hierbei waren einige Daten einzugeben. Ich hatte die Anmeldung also geschafft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wobei ich mich zugegeben schon gefragt hatte, warum die anderen Anbieter das ohne die Eingabe der Fahrgestellnummer & Co hinbekommen und Pace nicht. Aber gut, es geht weiter – jetzt ist ja endlich die Einrichtung abgeschlossen und es kann wirklich losgehen mit dem Test.

Hauptthema bei Pace: Die App muss IMMER laufen

Damit Pace funktioniert und die Datenlage vollständig ist, muss die App immer laufen – mindestens im Hintergrund. Der Grund dafür ist, dass Pace entweder gar keinen oder nur einen sehr kleinen internen Speicher hat und keine eigene SIM-Karte im Gerät. Dadurch ist der Stecker auf die Verbindung zum Smartphone angewiesen. Im übrigen ein Vorgehen, dass keiner der anderen Anbieter hat.
Das Gute ist, dass Pace eine Push-Mitteilung schickt, wenn die App beendet wurde. Zum einen will ich aber nunmal während der Fahrt keine App auf dem Handy öffnen, zum anderen war es da im konkreten Fall schon ungefähr 2 Tage zu spät.

Dazu kommt, dass ich auch insbesondere am Wochenende nicht immer mit Handy unterwegs sein will, nur damit mein Fahrtenbuch vollständig ist.

Features: Im Stillstand und während der Fahrt

Pace hat als einziger Anbieter eine komplett andere Ansicht im Stillstand als während der Fahrt. Deswegen verkauft Pace auch einen eigenen Handyhalter für 30€, weil man ja während der Fahrt das Handy eigentlich gar nicht anfassen darf :).

Im Stillstand…

…sieht man die Standzeit seit der letzten Fahrt, die Kilometer und die Anzahl der Fahrten, die man insgesamt schon mit Pace gefahren ist sowie die Durchschnittsgeschwindigkeit. Darunter stehen dann die letzten Fahrten, auf die man auch klicken kann um die Details zu sehen. Der einzige Mehrwert in der „Details“-Ansicht ist allerdings, dass man die Hausnummer und die Stadt noch sieht – und natürlich die genaue Ecoscore-Punktzahl. Das ist das grüne Smiley rechts neben der Fahrt, das bewertet wie ökologisch ich gefahren bin. Zu einer ziemlich coolen Ansicht kommt man dann, wenn man nochmal auf die Fahrtdetails klickt (das muss man aber eben wissen, es gibt keinen Button). Die ist sogar ganz fancy animiert, die blaue Linie, also der genaue Fahrtweg, baut sich nämlich erst nach und nach auf um somit auch die Richtung anzuzeigen, in die man die Strecke gefahren ist.

Im übrigen habe ich jetzt bei den erneuten Screenshots für den Bericht festgestellt, dass man offenbar mal die Art der Fahrt für das Fahrtenbuch bearbeiten konnte, wenn man auf eines der +-Zeichen klickt. Da kriege ich mittlerweile (zurecht) nämlich die Fehlermeldung, dass Fahrten nur 7 Tage lang bearbeitet werden können. Hatte ich mich damals gefragt, wie das wohl geht.

Während der Fahrt…

…gibt es eine andere Ansicht, die die aktuelle Straße anzeigt (hilfreich wenn man in einer fremden Stadt liegengeblieben ist und den ADAC rufen muss). Daneben auch Kühlwassertemperatur, Motorlast, aktuelle Geschwindigkeit und Umdrehungszahl. Das erinnert etwas an den Rennsport, mutmaßlich absichtlich 🙂 Das ist wiederum ganz nett auszuschauen und ein Anreiz für den Kunden, das Handy während der Fahrt auch zu nutzen. Auf kurzen Strecken brauche ich das eher nicht und auf langen Strecken navigiere ich meistens mit Waze oder Google Maps auf dem Handy, deswegen käme es da für mich nicht in Frage. Das ist aber persönlicher Geschmack, ich kann mir vorstellen dass insbesondere Männer schon viel gefallen an der Fahrt-Ansicht haben :D.
Mit ein bisschen hin und her wischen gibt es noch andere Ansichten. Beispielsweise wird dann die aktuelle Position auf einer Karte oder eben das „digitale Armaturenbrett“ in größer.

Etwas nervig ist, dass man standardmäßig zu jedem Fahrtbeginn und jedem Fahrtende eine Push-Mitteilung bekommt, wobei man das ausstellen kann.

Funktionsumfang grundsätzlich

Es wirkt ein bisschen als hätte Pace den Anspruch gehabt, wirklich ausnahmslos jede Angabe, die der OBD-Stecker zur Verfügung stellt auch zu benutzen. Dadurch gibt es einen sehr großen (theoretischen) Funktionsumfang. Was genau man nutzen kann ist allerdings sehr stark abhängig vom Fahrzeug. Da wäre es schön wenn Pace vor dem Kauf abfragt welches Fahrzeug man hat (so macht es beispielsweise ryd). So wüsste man, für welche Funktionen man die 119€ ausgibt. In meinem Skoda kriegt der Stecker offenbar keinen Tankfüllstand, sodass ich alle Umfänge die mit Verbrauch etc. zu tun haben nicht nutzen kann. Naja, außer ich trage sie manuell in die App ein, was auch geht.

Das Fahrtenbuch

Nun zum Kern des Tests – dem Fahrtenbuch. Anfangs habe ich gedacht, dass das Fahrtenbuch auf keinen Fall finanzamtkonform sein kann, weil ich nicht gefunden habe, wo man die Art der Fahrt (privat, dienstlich, Arbeitsweg) und die weiteren notwendigen Angaben wie Zweck der Fahrt oder Besuchter Geschäftspartner eintragen kann. Mittlerweile habe ich zumindest den Knopf gefunden, man muss in den Fahrtdetails auf das „Plus“-Zeichen neben Start und Zielpunk klicken, dann kommt man da hin. Nicht selbsterklärend, aber vorhanden wenn man es weiß. Da ich das zum Testzeitpunkt noch nicht raus hatte, sind alle Fahrten im Export bei mir privat.

Was ich nicht verstehe ist, warum es in der App die Klassifikation „unbekannt“ gibt, insbesondere bei Fahrten die älter sind als 7 Tage. Solange sie nicht zugeordnet sind ist das ja in Ordnung, danach müssten sie aber automatisch „privat“ werden. Im PDF-Auszug werden sie tatsächlich auch als private Fahrt angezeigt, in der App bleiben sie aber „unbekannt“. Das ist etwas umkomfortabel, da dann für eine korrekte Statistik immer alle Fahrten – auch die privaten – zugeordnet werden müssen. Bei den anderen Anbietern kann man private Fahrten einfach ignorieren, sie werden dann automatisch nach 7 Tagen als privat gekennzeichnet – das spart deutlich Arbeit.

Straßen werden relativ zuverlässig erkannt, die Hausnummern nicht immer, aber das finde ich verschmerzbar.

Dennoch habe ich beim Test festgestellt, dass selbst beim Fahren mit Handy zwischendurch einfach Fahrten fehlen, obwohl der Kilometerstand stimmt. Vermutlich war während dieser Zeit die App aus. Diese Differenz zeigt die App aber nicht an. Spätestens an dieser Stelle erwarte ich eine Reaktion von einer Fahrtenbuch-App.

Deswegen würde für mich Pace für ein Fahrtenbuch nicht in Frage kommen, insbesondere wenn man es nicht nur aus Spaß an der Freude macht sondern wirklich braucht. Dafür gibt es dann doch genug andere Angebote, die zum Beispiel im Fall von ryd auch nicht viel teuer sind.

Kein Alarm bei fehlendem Stecker

Als ich den Artikel geschrieben habe, war der Test schon einen Moment her und ich wollte nochmal einige Dinge in der App nachschauen. Dabei fiel mir auf, dass Pace nur sagt „Standzeit: 10 Wochen“. Davon ist der Stecker ungefähr neuneinhalb Wochen schon nicht mehr im Auto und es hat keinen derartigen Alarm gegeben. Alle anderen Anbieter machen das Entweder als Push-Nachricht, als Anzeige in der App oder wenigstens per Email.

So what – Pace

Viel gibt es dazu nicht zu sagen: Die Idee ist nett, aber das Geld kann man sich sparen. Eine Amazon-Bewertung berichtete, dass der Motor eines mit einer Familie besetzten Autos auf der Autobahn plötzlich aus gegangen ist. Als der Pace Stecker rausgezogen wurde ging er wohl wieder an und dieser Fehler war auch reproduzierbar. Ich war nicht dabei und kann nicht beurteilen wie viel davon zutrifft, aber schon solche Schilderungen sind ein klarer Grund, das einfach sein zu lassen.

Quelle Titelbild: Pace, alle anderen Bilder sind eigene Screenshots

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Ich bin Luise und Bloggerin aus Leidenschaft. Ich liebe Fahrrad fahren und Mittagsschlaf. Ich lebe für Liebe, Wärme, Licht und Farben. Und dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass mit ein bisschen mehr Selbstliebe in jedem von uns die Welt ein noch schönerer Ort wird. Also, lasst uns anfangen :)

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