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Der Fahrradhelm, der keiner ist – #Erfahrungsbericht Hövding

Selten wurde ich auf eine Neuanschaffung so oft angesprochen wie auf den Hövding. Der auffällige, etwas dicke „Schal“ um den Hals ist mittlerweile häufiger, aber eben noch nicht selbstverständlich auf der Straße zu sehen.

Was ist der Hövding und wie funktioniert er?

Der Hövding ist ein Fahrrad-Airbag*, der die Bewegungen seine Trägers aufzeichnet und im Falle eines Sturzes extrem schnell auslöst. Erfunden wurde er in Schweden, als dort die Helmpflicht eingeführt wurde. Offenbar gibt es viele Menschen (so wie mich), die klassische Fahrradhelme nicht so gerne mögen.

Das V-förmige Teil auf dem Rücken enthält Sensoren zur Aufzeichnung und Auswertung der Bewegung. Das Startup hat viele Entwicklungsjahre investiert um den Bewegungsablauf von normalen Bewegungen und von unfallähnlichen Bewegungen möglichst genau zu unterscheiden. Der Hövding registriert also, wenn sturztypische Bewegungen ablaufen. In diesem Fall wird innerhalb einer zehntel Sekunde ein Airbag aufgeblasen, der den kompletten Kopf- und Halsbereich umfasst.

Davon gibt es einige Videos auf YouTube, hier mein Lieblingsvideo (auch weil Typ in gelbem Anzug auf gelbem Fahrrad witzig ist): https://www.youtube.com/watch?v=ikYFfxpu3I0  

Um das Tracken der Bewegungen zu aktivieren, muss nach dem Anlegen des Hövding und dem Schließen des Reißverschlusses vorne noch ein kleiner Druckknopf angesteckt werden. Ein akustisches Signal versichert dem Träger, dass er jetzt angeschaltet ist.

Was kann der Hövding besser als ein klassischer Fahrradhelm?

Zum einen finde ich ihn deutlich schicker als einen Fahrradhelm. Sicherheit sowieso, aber es darf ja auch noch vernünftig aussehen 🙂

Für Menschen, die sich morgens mit ihren Haaren Mühe geben hat man so wenigstens nur noch den Fahrtwind zum Feind, aber eben keinen Topf auf dem Kopf. Und es gibt keinen Strich quer über die Stirn wenn man die Uni oder das Büro betritt.

Da der Hövding nicht nur den Kopf selbst bedeckt sondern auch noch Hals- und Nackenbereich, ist er deutlich sicherer als ein normaler Fahrradhelm. Und das auch für einige Sekunden am Stück für den Fall eines Folgeaufpralls nach dem ersten. Durch die Form wird zusätzlich das Genick stabilisiert. Es kann auch nichts splittern, weil man eben von Luft und Nylonstoff geschützt wird und nicht von Plastik.

Für mich ist auch noch ein Argument, dass man den Hövding doch deutlich besser und flexibler in einer Tasche verstauen kann als einen Helm, wenn man ihn vorsichtig ein bisschen „zusammenfaltet“.

… was gibt es beim Kauf zu beachten?

Beim Kauf muss man sich eigentlich nur zwischen 3 Größen entscheiden – S, M und L. Funktional oder sicherheitsrelevant gibt es keine Unterschiede, es ist eher eine Frage des Körperbaus und wie viel Halsfreiheit man gerne hat beziehungsweise ob man noch extra einen Schal darunter tragen möchte im Winter. Das halte ich im Übrigen für empfehlenswert, weil man einen Schal einfach leichter waschen kann als den Hövding, auch wenn der einen Bezug hat. Und ganz ohne Schwitzen geht es nunmal beim Radfahren selten 😉 Ich trage die Größe M und bin sehr glücklich damit.

… was kostet der Spaß?

Der Hövding kostet aktuell etwa 280€*, was durchaus eine ganze Stange Geld ist. Allerdings – umso mehr Menschen kaufen, umso geringer werden zukünftig die Kosten 😉

Quelle: Hövding

Nach meinem Kauf landete der Hövding innerhalb weniger Tage bei mir. Die Packung ist ziemlich schick gemacht und quietschgelb.
Im Lieferumfang dabei ist der Hövding selbst, ein schwarzer Bezug für den Hövding sowie ein ebenfalls gelbes Ladekabel und natürlich eine Gebrauchsanweisung. Der schwarze Bezug hat selbst keine optische Funktion (Hövding ist selbst auch schwarz), hat aber den Vorteil dass man wenigstens etwas waschen kann.

Es gibt als Zubehör auch noch verschiedene bunte Bezüge ab 20€, von denen hat mich allerdings bisher keiner so vom Hocker gerissen, dass ich bereit gewesen wäre dafür noch mehr Geld auszugeben.

Wie sitzt der Hövding am Hals?

Der Hövding ist erstmal ungewohnt schwer und wenn man gerade steht, drückt er leicht von vorne gegen den Hals, weil er ja hinten durch die Sensoren schwerer ist als vorne. Das gibt sich aber, sobald man auf dem Rad sitzt und eine etwas nach vorne gebeugte Position hat. Davon braucht man sich beim Anprobieren also nicht irritieren zu lassen.

Je nach Größe sitzt er etwas dichter oder lockerer am Hals. Bei meiner Größe M habe ich immernoch genug Luft zwischen Hövding und Hals, sodass er vorne nicht anliegt und wenn überhaupt mal das Kinn an den Verschluss stößt, da der in der Mitte etwas nach oben gezogen ist. Das stört mich aber nicht weiter und kann während der Fahrt schnell zurechtgerückt werden.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist es, den Reißverschluss direkt vor sich zu schließen, da man ihn nicht sieht. Anfangs habe ich das immer noch vor dem Spiegel gemacht, mittlerweile ist das kein Problem mehr.

Anfangs muss man sich auch daran gewöhnen (und immer wieder daran erinnern) dass der Hövding an der Oberseite ringsherum eine Sollbruch-Naht hat, die im Falle des Falles platzt. Dort darf kein Kleidungsstück drüber sein, sonst kann er sich nicht entfalten und der Schutz ist nicht gewährleistet. Wenn es unterwegs anfängt zu regnen und man die Kapuze über den Kopf ziehen will heißt es also dann: Hövding absetzen, Kapuze hoch, Hövding wieder anziehen. Ein normaler Zopf ist aber kein Problem.

… und wenn er einmal ausgelöst hat?

Wiederverwendbar ist er nicht 🙂 Vom Hersteller gibt es verhältnismäßig günstigen Ersatz für derzeit 100€, allerdings nur, wenn man sich direkt beim Kauf registriert hat und wenn man den ausgelösten Hövding hinschickt. So sammelt das Unternehmen weitere Sensor-Daten und nutzt die ausgelösten Exemplare zur weiteren Verbesserung. Da ich mich für gewöhnlich nicht dreimal im Monat mit dem Fahrrad hinlege ist das für mich eine vertretbare Variante.

Was gibt es sonst noch zu wissen?

Womit ich tatsächlich in dem Umfang nicht gerechnet habe ist, wie oft man angeschaut und angesprochen wird. Das ist grundsätzlich ja gar nicht schlimm, aber man hat ja einfach auch nicht immer Lust und Zeit, zum dreihundertsten Mal zu erklären, wie das alles funktioniert.

Zugegeben musste ich mich auch daran gewöhnen zum einen den Hövding nicht komplett zu Hause zu vergessen (ist auch ein paar Mal passiert), weil ich bisher auch keinen Fahrradhelm getragen habe. Zum anderen muss der Druckknopf vor jeder Fahrt aktiviert und nach jeder Fahrt deaktiviert werden. Sonst hat man entweder keinen Schutz oder er geht eben auf, wenn man es gerade gar nicht brauchen kann, beim Marmelade suchen im Supermarkt oder so :D. Daran habe ich mich nach den ersten 1-2 Wochen aber auch gewöhnt. Und die Bewegungsanalyse scheint sehr genau zu sein, ich habe auch schon versehentlich das Fahrrad die Kellertreppe heruntergetragen oder Müll runter gebracht mit angeschaltetem Hövding um den Hals. Nix passiert.

Gibt es Nachteile?

Für mich gibt es zwei hauptsächliche Nachteile gegenüber einem Fahrradhelm: Das eine ist der Preis. Für fast 300€ kann man sonst eine ganze Familie mit wirklich guten Helmen ausstatten. Da mir meine Sicherheit das aber wert ist, war ich zahlungsbereit 🙂

Der zweite Nachteil ist, dass Technik nunmal Strom braucht, weswegen der Hövding geladen werden muss. Das geht über das besagte USB-Kabel relativ schnell. Ich fahre jeden Tag ca. 45 Minuten und komme mindestens 2 bis 3 Wochen hin. Es gibt auch rechtzeitig ein Tonsignal, wenn der Akku zur Neige geht.

So what – Hövding

Ich mag technische Spielereien und wenn die dann noch so sinnvoll sind wie im Fall des Hövding, ist meine Entscheidung ziemlich schnell klar.

Ja, es gehört ein bisschen Vertrauen dazu, dass der Hövding tut was er soll wenn es darauf ankommt. Aber da ich bisher ganz ohne Helm unterwegs war und der Hövding ziemlich viel getestet wurde, habe ich entschieden zu vertrauen. Ich finde ihn zudem deutlich stylischer als einen Helm und schwitze lieber ein bisschen am Hals als auf dem Kopf 🙂
Deswegen gibt es eine klare Kaufempfehlung und ich würde ihn auch jederzeit wieder kaufen. Wenn du auch Lust hast, den Hövding auszuprobieren geht es hier direkt zu Amazon.*

Was denkst du darüber? Wie fährst du Fahrrad? Oder hast du selbst schon einen Hövding und möchtest gerne ergänzen? Ich freue mich auf deine Meinung – entweder in den Kommentaren oder an luise@zeitgeistich.de!
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Quelle Titelfoto: Hövding

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Ich bin Luise und Bloggerin aus Leidenschaft. Ich liebe Fahrrad fahren und Mittagsschlaf. Ich lebe für Liebe, Wärme, Licht und Farben. Und dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass mit ein bisschen mehr Selbstliebe in jedem von uns die Welt ein noch schönerer Ort wird. Also, lasst uns anfangen :)

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