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#Erfahrungsbericht Heldenreise – zurück zu deiner Essenz

Heldenreise

Wenn du nur ein einziges Selbsterfahrungsseminar in deinem Leben machst, dann mach die Heldenreise. Wirklich.

Was ist die Heldenreise?

Kommen wir erstmal zu den „sachlichen“ Erklärungen, die der Kopf gut begreifen kann 🙂 Die Heldenreise ist ein von Paul Rebillot entwickeltes Seminarkonzept und dauert eine Woche. Es gibt in Deutschland verschiedene Anbieter und Trainer dafür, die natürlich auch eigene Anteile einbringen, aber der Kern ist immer gleich. Im Grunde geht es darum, die eigene Größe, Stärke und die eigenen Werte wieder ganz bewusst und klar wahrzunehmen (den „Held“ in sich zu spüren) und im Laufe der Woche herauszufinden, welche Überzeugungen es eigentlich sind, mit denen man sich die ganze Zeit selbst klein hält. Zumindest war es das für mich. Andere Teilnehmer würden es wahrscheinlich ganz anders formulieren.

Die Woche der Heldenreise war eine der intensivsten – wenn nicht sogar die intensivste – Woche, die ich in meinem Leben bisher erleben durfte.

Was passiert da?

Es ist ein großes Heldengeheimnis, was da genau passiert und ich werde das hier auch nicht lüften 🙂 Warum das so ist? Hätte ich vorher den Tagesablauf und einzelne Übungen genau gekannt, wäre ich wahrscheinlich nicht hingefahren vor lauter Angst. Und ich bin im Nachhinein so dankbar, dass niemand der „Helden“ die ich kannte mir vorher etwas gesagt hat.

Die Übungen sind eine bunte Mischung aus Meditation, Gesprächsrunden, Körperübungen und gestalttherapeutischen Übungen. Und ganz viel Gruppendynamik, die auch zum Prozess sehr viel beiträgt. Du hast aber zu jeder Zeit das Recht, „nein“ zu sagen zu Übungen. Es ist gut, die eigenen Grenzen auszuloten und kennenzulernen, ggf. auch zu erweitern. Aber es wird dich niemand über deine Grenze schleifen, wenn es dir einfach zu viel ist.

Oh Gott – und das alleine?!

Ja, ich würde dir empfehlen, eine Heldenreise immer alleine zu machen. Es gab die ein oder andere Situation, in der mir auch alles egal war, weil niemand dabei war der in meinem bisherigen Leben eine Rolle spielt. Genau diese Situationen sind es aber auch, die die Teilnehmer untereinander so zusammenschweißen. Es wäre schade, sich das zu „verbauen“, indem man mit dem Partner oder der besten Freundin fährt. Geht sicher auch, kommt für mich persönlich aber einfach nicht in Frage. Das ist im Übrigen eine Erfahrung, die ich schon auf mehreren Seminaren gemacht habe – alleine ist besser. Und alle anderen sind auch (meistens) alleine, also habt ihr das schon wieder gemeinsam 🙂

Die Tage sind doch recht anstrengend und vollgepackt, deswegen empfiehlt es sich, sich während der Woche von allem „äußeren“ abzumelden. Auch nicht jeden Tag telefonieren oder Nachrichten schicken. Ich habe mich im Nachhinein etwas über mich geärgert, dass ich da nicht noch konsequenter war, weil es mich doch irgendwie gestresst hat Kontakt nach außen zu haben. Es ist gut, wenn du dein Umfeld darauf vorbereitest, dass du einfach mal eine Woche komplett offline bist. Du wirst dir dankbar dafür sein. Und ideal ist es, wenn du auch hinterher noch ein paar Tage hast, um wieder in deinem Alltag anzukommen. Ich hätte mir nicht vorstellen können, 2 Tage nach Ende der Heldenreise wieder arbeiten zu gehen und war froh um ein paar Tage frei.

Was kostet eine Heldenreise?

Das kommt darauf an 🙂 Es gibt wie oben bereits geschrieben verschiedene Anbieter, die das in Deutschland anbieten. Und grundlegend gibt es zwei Bezahlkonzepte: Die einen verlangen einen Festpreis, der meistens um die 800€ liegt, dazu kommen Unterkunft und Verpflegung sowie natürlich die Anfahrtskosten. Es gibt auch Anbieter – und bei einem solchen war ich – die die Heldenreise quasi auf freiwilliger Spendenbasis anbieten.

Die Idee an der Freiwilligkeit ist, dass zwar jeder ein Fixum für Unterkunft und Verpflegung zahlt (bei mir waren das 250€ für die Woche), der Anteil für das Seminar aber variabel ist und sich jeder nach der Woche selbst überlegen kann. Zum einen finde ich das schön, weil somit auch Menschen mit niedrigerem Einkommen ermöglicht wird, an der Heldenreise teilzunehmen. Zum anderen zeigt es, wie sehr die Menschen die die Heldenreise anbieten daran glauben. Natürlich müssen die freiwilligen Zahlungen im Jahresdurchschnitt ein Maß erreichen, von dem die Anbieter gut leben können, sonst können sie es so nicht mehr anbieten. Ich finde das die schönere, sozialere und auch einfach eine sehr stimmige Variante, die jedem erlaubt eine Summe zu geben, die einerseits die Erfahrungen und die Arbeit der Trainer honoriert und andererseits zu seinem Geldbeutel passt. Deswegen würde ich das jederzeit wieder so machen.

Welche Rolle spielen die „Reiseleiter“?

Ich finde „Trainer“ eigentlich eine unpassende Bezeichnung dafür, deswegen „Reiseleiter“ auf der Heldenreise.

Ich war bei Ninon Hensel und Oliver Schmid und unfassbar glücklich mit den beiden. Jeder, der die Heldenreise anbieten möchte, muss dafür eine umfangreiche Ausbildung machen und dabei wird natürlich auch auf persönliche Eignung geschaut. Deswegen glaube ich, gibt es keine schlechten Reiseleiter. Nur welche, mit denen man eben mehr oder weniger auf einer Wellenlänge ist.

Da du die Menschen vorher sowieso nicht kennst, kannst du sie ja auch nicht aussuchen (außer du folgst meiner Empfehlung und fährst zu Ninon und Oliver :D). Schön und stimmig fand ich, dass es Mann und Frau waren.

Die Rolle der Reiseleiter ist für mich vor allem gewesen, mir die Angst zu nehmen vor dem was da kommen kann. Ninon und Oliver haben mir das Gefühl gegeben, dass sie da sind und aufpassen und mir nichts passieren kann. Und wenn ich gerade mal wieder überfordert, verängstigt oder wütend auf diese verdammten Übungen war, haben sie mir das Gefühl gegeben, dass das gesehen wird und absolut in Ordnung ist. Es gehört auch ein bisschen dazu, Angst zu haben. Und sie haben uns natürlich gut durch die Reise begleitet, Übungen erklärt, den Zeitrahmen im Blick gehabt und was sonst noch so „organisatorisch“ zu tun ist.

Was hat die Heldenreise mir gebracht? Was habe ich über mich gelernt?

Nun kommt der subjektivste Teil des Erfahrungsberichts. Wie oben schon geschrieben geht es auch darum herauszufinden, welche Geschichten man sich die ganze Zeit selbst über sich erzählt. Geschichten, die wir meistens von irgendwem anders in der Kindheit schon übernommen haben – Lehrer, Eltern, manchmal auch nur eine einzelne Erfahrung. In den seltensten Fällen haben wir uns diese Geschichten, warum wir dies und das nicht verdienen, nicht hinbekommen oder einfach nicht gut genug sind, wirklich selbst ausgedacht.

Woher ich kam

Als junges Mädchen war ich sehr strebsam, habe viel selbst auf die Reihe bekommen, bin mit 17 ausgezogen, habe ein sehr gutes Abi hingelegt. Meine Umzüge habe ich immer selbst organisiert, bin arbeiten gegangen um mir mit 20 mein erstes eigenes Auto zu kaufen. Eine eigene Wohnung war auch klar. Hilfe habe ich dafür selten gebraucht, meine Eltern und mein Umfeld wurden immer nur „informiert“. Ich wusste scheinbar sehr genau was ich wollte und bin jeden Schritt mit einem großen Fokus und Klarheit gegangen. Zweifel gab es daran sehr selten. Dann ging es los, dass ich mit 22 mein Masterstudium an einer Privatuni begonnen habe und das erste Mal wirklich gezweifelt habe. Da mich die Situation des Zweifelns aber so überfordert hat, habe ich natürlich erstmal weitergemacht.

In den Jahren nach dem Studium habe ich dann angefangen, mich mit mir und damit, wer ich eigentlich wirklich bin auseinanderzusetzen. Ich habe gemerkt, dass diese scheinbare Klarheit von früher weicht, weil sie nur eine Maske war. Immer das nächste Ziel vor Augen zu haben und viel Energie da hinein zu investieren ist ja auch eine Form von Ablenkung und Weglaufen. Es verhindert, innezuhalten und zu fühlen, was da wirklich gerade ist. Und als ich plötzlich angefangen habe zu fühlen – der „sanfte“ Start war ausgerechnet bei Vipassana – war die Klarheit und der Fokus dahin. Will ich das alles wirklich? Wer bin ich eigentlich? Und warum bin ich diesen Weg gegangen? Wohin will ich denn gehen, wenn nicht mehr den alten Weg? Dieser „Verlust“ meiner fokussierten Maske hat alles ganz schön durcheinandergerüttelt.

Meine Dämonin

Der Dämon ist der Gegenspieler des Helden. Er ist derjenige, der alles kaputt machen kann. Und ihn bzw. sie durfte ich auf der Heldenreise auch kennenlernen.
Nach dem Verlust meiner fokussierten Maske bin ich auf der Suche nach neuen, echten und wahrhaft meinen Zielen. Ich probiere immer wieder mal neue Dinge aus um dann festzustellen, dass es doch wieder nicht meine waren oder ich es nicht schaffe. Ein Unternehmen gründen? Wäre schon schön, ist aber vor allem Ego 😉 Ich würde gern nachhaltiger Leben, schaffe es aber oft nicht mich daran zu halten. Ich würde gern öfter viele Stunden mit meinem Hund in den Park, sitze dann aber doch auf der Couch. Ich würde gern weniger Süßes essen, halte es dann aber doch nicht durch. So könnte meine Dämonin stundenlang weitererzählen. Diese wiederkehrenden Erfahrungen von „du bekommst es ja eben doch nicht hin“ sind es, die ich mir wieder und wieder erzähle. Ich habe so viele Ideen und nichts davon umgesetzt. Offenbar kann ich es wohl einfach nicht und sollte einfach weiter auf der Couch sitzen bleiben. Das ist, was ich auf der Heldenreise mehr als eindrücklich erlebt habe. Ich kriege doch einfach nichts gebacken.

Das gemeine daran ist, dass ich das ja selbst nicht sehr objektiv bewerte. Mir ist durchaus bewusst – wenn man mein Leben von außen anguckt – dass ich da wohl einiges gebacken kriege. Aber ich fühle das nicht und bin davon nicht überzeugt. Deswegen scheitere ich an neuen Versuchen. Weil ich nicht dran glaube. Oder nicht daran geglaubt habe.

Wie „löst“ die Heldenreise das?

Ohne zu sehr ins Detail zur Methodik zu gehen, geht es (für mich) um liebevolle Akzeptanz von beiden Seiten, Heldin und Dämonin. Und das Bewusstsein darüber, dass, wenn ich mit mir verbunden bin und mich weniger ablenken lasse, ich auch mehr auf die Reihe bekomme. Am Ende der Woche hatte ich eine große Klarheit darüber, wer ich bin und wer ich sein will bzw. wohin ich mich entwickeln möchte. Und ein großes Bewusstsein darüber, dass ich heute schon vollständig bin. Ich muss nicht mehr „erwachsen werden“ oder irgendwas, ich bin so fertig wie ich es eben heute sein kann. Mir allen Macken, Fehlern, Ängsten. Egal zu wie vielen Seminaren ich fahre, wie viel ich meditiere und weiß ich was – ich werde nie fehlerfrei sein. Und ich habe verstanden, dass es diese Macken, Fehler und Ängste braucht und vollständig zu sein. Ich muss sie nicht loswerden um „perfekt“ zu sein, sondern darf sie annehmen, weil ich nur mit ihnen ganz ich selbst bin. Und ich habe das zum ersten Mal nicht nur gedacht, sondern wirklich gefühlt.

So what – Heldenreise

Ein spannendes Detail habe ich auch körperlich erlebt: in meinem Alltag habe ich morgens nach dem Aufwachen oft die Nase zu und dann braucht es eine bis zwei Stunden, bis ich wieder frei atmen kann. Auf der Heldenreise war dieses und andere körperliche Symptome einfach verschwunden. Auch andere Teilnehmer haben von ausbleibenden Symptomen berichtet. Spannend und bestärkt mich in meiner Vermutung, dass davon doch einiges psychosomatisch ist. Zurück zu Hause ist das Symptom nach ca. 4 Wochen wieder aufgetreten, aber bei weitem nicht so stark wie vorher.

Mein Freund hat seine Heldenreise noch vor sich in wenigen Wochen. Ich spüre eine Mischung aus ein bisschen Neid, dass er all diese Erfahrungen noch machen darf und dort als weißes Blatt Papier in seine Woche geht. Andererseits ist da Erleichterung, dass ich es bereits „hinter mir“ habe und all diese Energie nicht nochmal investieren muss 😛 Mir ist schon klar, dass insbesondere Zweiteres ein Bequemlichkeits-Gedanke ist und ich die Energie für meine Erkenntnisse auf der Heldenreise natürlich weiter aufbringen darf, nur eben in anderer Form im Alltag.

Ich bereue keine Minute die Entscheidung, zur Heldenreise gefahren zu sein. Direkt danach hatte ich den Gedanken, dass ich gerne später jedem meiner (noch zu erschaffenden) Kinder irgendwann zwischen 18 und 25 eine Heldenreise sponsern möchte. Es ist schon eines dieser Ereignisse im Leben, bei denen es ein „vorher“ und ein „danach“ gibt.

Wenn du dich erstmal weiter mit den Inhalten und der Geschichte beschäftigen möchtest gibt es das Buch von Paul Rebillot zur Heldenreise*. Ich würde dir aber eher empfehlen, einfach ins kalte Wasser zu springen und hinzufahren. Lesen kannst du danach immernoch.

Was denkst du darüber? Hast du schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Überlegst du, zu einer Heldenreise zu fahren? Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung, entweder in den Kommentaren oder an luise@zeitgeistich.de!
Und wenn du den Artikel magst – spread the love and share the happiness (auf Facebook, Twitter, G+ oder wo du sonst bist). Ich danke dir von Herzen.

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Quelle Titelfoto: Ramdan Authentic auf Unsplash

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