Wohnmobilleben.
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Abschied auf Zeit: warum es uns gerade gut tut, kein Wohnmobil zu haben

Wohnmobil verkaufen

Als Familie haben wir in den letzten Jahren viele schöne Zeiten im Wohnmobil erlebt – allem voran unsere Elternzeitreise durch Norwegen und Italien. Auch danach haben wir unser rollendes zu Hause sehr genossen, mal kurze Wochenend-Fluchten von Hannover aus gemacht oder ganz in unserem Reise-Tempo Freunde und Familie besuchen können, während wir unser zu Hause auf Rädern einfach dabei hatten. 

Doch während insbesondere Luise nach unserer Reise am liebsten dauerhaft in ein Wohnmobil gezogen wäre, sind wir beide mittlerweile froh und dankbar für „festen“ Wohnraum und haben uns entschieden, unser Wohnmobil zu verkaufen und eine vorübergehende Wohnmobil-Pause einzulegen. Warum – das wollen wir heute mit euch teilen.

1. Die Schlafsituation zu viert im Grand California

Die Schlafsituation in unserem bisherigen Wohnmobil, dem Grand California 600, ist mit so kleinen Kindern einfach nicht ideal. Unsere Kinder sind zum Zeitpunkt dieses Artikels 1 und 4, können also beide noch nicht (alleine) im oberen Bett schlafen. Das ist laut Hersteller erst ab 5 Jahren angedacht. Damit ein Erwachsener mit einem Kind oben schlafen kann, ist uns das Bett oben auf Dauer einfach zu klein, zu eng und zu unbequem (es hat eine dünnere Kindermatratze und keine Tellerfedern darunter wie das Festbett). 

Mit kleinen Kindern, die tagsüber noch ein bis zweimal schlafen – natürlich abwechselnd –  und nachts auch durchaus mal unruhig sind, ist das vergleichsweise kleine Wohnmobil einfach gerade kein guter Ort für uns. Temperaturschwankungen, fehlende Rückzugsmöglichkeit für das gerade schlafende Kind – vor allem wenn es unterwegs mal regnet – und die relativ beengte Situation in einem WoMo auf Kastenbasis machen es schwierig, eine gute Schlafumgebung zu schaffen. 

Da wir beide bei VW arbeiten ist der Grand California für uns tatsächlich die günstigste Variante, ein Wohnmobil zu haben. Jetzt ein größeres WoMo zu kaufen, auch wenn der Kaufpreis niedriger ist, würde uns richtig Geld kosten und das wollen wir gerade nicht.

2. Wir lieben das Reisen mit dem Wohnmobil, nicht „Urlaub machen“

Mama und das große Kind auf dem Campingplatz Hexenwäldchen
Mama und das große Kind auf dem Campingplatz Hexenwäldchen

Wir hatten schon die Situation, dass wir ein langes Wochenende bei gutem Wetter frei hatten – und wir wussten einfach nicht, wohin wir fahren sollen. Alles was schön, aber nicht zu weit ist, ist grundsätzlich ausgebucht oder extrem teuer. Dafür haben wir unser Wohnmobil vor einigen Jahren auch nicht gekauft, um mal übers Wochenende wegzufahren. Versucht haben wir klassischen Campinplatzurlaub, zum Beispiel bei dem zugegeben sehr schönen Campingplatz Hexenwäldchen in Mecklenburg. Das war ganz schön, aber langfristig ist es einfach nicht unser Ding.

Für die ganz großen Reisen haben wir gerade nicht die Zeit. Genauer gesagt nicht die Zeit, die wir bräuchten, damit es auch entspannt ist. Stichwort „Slow Family“. Das gibt unsere Zeitplanung mit Erwerbsarbeit gerade einfach nicht her.

3. Ruhe und Verbindung statt Abenteuer

Unsere eigenen Bedürfnisse haben sich verändert, seitdem wir im Alltag mit zwei Kindern angekommen sind. Entweder wir wollen Ruhe – oft zu Hause –  oder Zeit mit lieben Menschen verbringen, aber Abenteuer ist gerade einfach nicht dran.

Wenn wir mal freie Zeiten haben, dann sind wir zum einen gerade einfach auch gerne zu Hause, genießen unseren Stadtteil, die Menschen hier, spielen mit den Kindern oder fahren in unseren Garten oder an einen nahegelegenen See. Wir sehnten uns nach Ruhe, Rückzug und der Möglichkeit, abends einfach mal Feierabend zu haben. Wir wollten die Möglichkeit haben, uns abends zu unterhalten und uns zu entspannen, ohne ständig irgendwas umräumen zu müssen. Unser Alltag ist im Moment oft fordern, da fehlt uns gefühlt auch einfach die Kraft für Abenteuer mit dem Wohnmobil.

Und wenn wir die Stadt dann doch mal verlassen, dann, um Menschen zu besuchen. Menschen treffen und mit ihnen bewusst Zeit verbringen, tiefe Gespräche führen, Nähe und Bindung genießen. Deswegen besuchen wir wieder vermehrt Menschen, die unserem Herzen nah sind. Und meistens können wir ohnehin bei ihnen schlafen und brauchen nicht unbedingt ein Wohnmobil, um Menschen besuchen zu können.

4. Andere Bedürfnisse der Kinder

Auch die Bedürfnisse unserer Kinder haben sich geändert. Wir merken, dass ein anderer „Urlaubsstil“ für sie gerade passender ist. Unser großer Sohn ist ein recht sensibles Kind, er braucht einfach 2-3 Nächte, um an einem Ort überhaupt ein kleines bisschen anzukommen. Und wenn wir ehrlich sind – wir auch. 

Wenn wir die Stadt verlassen, versuchen wir also immer, dass es möglichst entspannt wird. Es geht weniger darum, ganz viel zu erleben, sondern mehr darum mal einen Tapetenwechsel zu haben und vor Ort möglichst entspannt mit den Kindern sein zu können.

Auch Schlechtwetter-Varianten lassen sich mit zwei Kindern in einer Ferienwohnung oder bei Freunden besser darstellen, als auf dem Campingplatz.

5. „Mental Load“ – Kümmern müssen, auch wenn wir nicht unterwegs sind

Das Wohnmobil erforderte auch viel Aufmerksamkeit und produzierte „Mental Load“, auch wenn wir es gar nicht viel genutzt haben. Im Winter muss das Wasser raus, im Sommer wieder rein. Nicht nur das Frischwasser, auch die Heizung läuft mit Wasser und alle Schläuche müssen geleert werden. Werkstatttermine gab es hier und da, weil auch bei einem neuen Wohnmobil nicht alles funktioniert und es wichtig ist, hinterher zu sein, damit VW Dinge, die uns aufgefallen sind, noch innerhalb der Garantiezeit behebt. 

Wir leben mitten in der Stadt und müssen oft nochmal am Folgetag umparken, um das WoMo wieder näher zu uns zu holen. Immer in der Hoffnung, dass niemand Kratzer dran macht oder dagegen fährt. Wohnmobile werden hier zum Parkplatzproblem. Weil auch andere Menschen keine Zeit haben, mit ihren WoMos unterwegs zu sein, stehen die halt hier rum. 

Unser Wohnmobil ist nicht mehr DAS Projekt ist, sondern eines von vielen (unsere Wohnung, unsere Jobs, unser Garten, das ganz normale Leben und all das mit unseren Kindern dabei). Das war anders, als wir auf Elternzeitreise waren, da gab es nur uns und das Wohnmobil. Dafür, dass wir es gerade zu wenig nutzen, ist es zu viel zu tun.

6. Kosten

Die Kosten für das Wohnmobil waren im Vergleich zu unserem Nutzen in letzter Zeit zu hoch. Steuer, Versicherung und Wertverlust fallen neben der Kapitalbindung an, auch wenn wir keinen Meter fahren. Da wir mittlerweile immer mehr merken, dass wir uns mittelfristig wohnlich verändern wollen ist es auch gut, unsere Finanzen zusammenzuhalten, falls es auf den klassischen Hauskauf hinausläuft.

Aber: Es ist tatsächlich nur eine Pause!

Für uns ist klar, dass wir unser Wohnmobilleben nicht final aufgeben, sondern nur pausieren. Irgendwann werden wir uns sicher ein größeres Wohnmobil kaufen, wenn die Kinder etwas größer sind und die Tage und Nächte entspannter werden. Ein Wohnmobil bleibt für uns weiterhin eine sehr praktisches Art des Reisens, nur eben nicht in genau dieser Lebensphase, in der wir uns gerade befinden.

Was denkst du darüber? Hattet oder habt ihr ein Wohnmobil? Und wie geht es euch damit – zu Beginn und einige Jahre später, vielleicht mit mehreren Kindern? Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung, entweder in den Kommentaren oder an luise@zeitgeistich.de! Und wenn du den Artikel magst – spread the love and share the happiness (auf Facebook, X, Instagram, Pinterest oder wo du sonst bist). Ich danke dir von Herzen.

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