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# Elternzeitreise durch Norwegen – Erfahrungsbericht

Wir waren im Sommer und Herbst 2020 in Summe knapp 6 Monate mit dem Wohnmobil und unserem Baby unterwegs. Einen großen Teil unserer Elternzeitreise haben wir in Norwegen und Schweden verbracht, den zweiten Teil unserer Reise haben wir in Italien (dazu gibt es hier einen separaten Bericht). Von unseren Erfahrungen möchten wir hier berichten – auch, damit andere (werdende) Eltern besser einschätzen können, ob so eine Elternzeitreise etwas für sie ist und was es gegebenenfalls zu wissen gibt.

Elternzeitreise
Baby mit Ausblick in Kinsarvik 🙂

PS: Für mehr Bilder gibt es den Routen-Artikel. Dort findet ihr gaaaaanz viele weitere Bilder 😀

Wie sind wir darauf gekommen, eine Elternzeitreise mit dem Wohnmobil zu machen?

So ganz genau wissen wir das nicht mehr. Wir haben, schon lange bevor wir Eltern geworden sind, gerne Filme wie „Weit“ oder „Expedition Happiness“ angeschaut. Filme, in denen Menschen mit Autos um die Welt fahren – mit Hund, Kind oder beidem. Deswegen war es gar keine große Entscheidung, sondern auch irgendwie ein bisschen klar, dass wir in unserer Elternzeit wegfahren würden.

Auch im Freundeskreis haben einige Paare mit dem ersten Kind Camper-Reisen gemacht, meistens jedoch deutlich kürzer als wir.

Für uns war schnell klar, dass Christian nicht nur die beiden „Väter-Monate“ Elternzeit nehmen, sondern länger mit Oskar und Luise Familien-Zeit machen möchte. Da bietet sich reisen ja fast an. Und ja, es ist ein Luxus, dass wir uns dafür ein nagelneues Wohnmobil kaufen konnten. Nicht nur, aber auch, weil Christian (leider) zeitig geerbt hat.

Viele Tipps und Infos, die für uns die Reise planbarer gemacht haben, haben wir vom Nordlandblog. Sehr empfehlenswert, wenn man mal in den hohen Norden möchte.

Welchen Einfluss hatte Corona auf unsere Elternzeitreise?

Als Corona „losging“ war Luise gerade in den Mutterschutz gegangen. Für diese Zeit war das herunterfahren des öffentlichen Lebens total schön, weil es einfach sehr ruhig war in unserem doch recht lebendigen Stadtteil. Schnell ging aber auch die Unsicherheit in Bezug auf die Reise los – wird das Wohnmobil rechtzeitig fertig? Schließlich waren eine ganze Weile alle Werke geschlossen. Und werden die Grenzen wieder offen sein? Zu dem Zeitpunkt hieß es in Norwegen noch, frühestens Mitte August.

Wir hatten einfach wahnsinniges Glück, dass Norwegen am 15.7. die Grenzen wieder geöffnet hat. Wir sind schon am 14.7. abends mit der Fähre von Dänemark losgefahren und gehörten somit zu den ersten Urlaubern im Land. Als wir Norwegen am 08. September verlassen, sind die Grenzen längst wieder dicht. Das erfahren wir aber erst von anderen Deutschen in Schweden, die eigentlich gerne nach Norwegen wollten.

Im Nachgang sind wir in vielerlei Hinsicht dankbar für den Sommer in Norwegen – wir haben extrem wenig von Corona mitbekommen (auch weil wir viel wild gecampt haben), Oskar hat seine ersten Lebensmonate mit sehr sauberer Luft, viel Ruhe und individuellem Tagesablauf ohne Termindruck mit beiden Eltern verbracht und wir haben die Hitze in Deutschland nicht mitbekommen.

Auch unsere Reise nach Italien ab Oktober haben wir Corona-mäßig ziemlich gut abgepasst, dazu folgt aber später ein weiterer Artikel. Da sind wir gerade nämlich noch 🙂

„Karl“ – unser Volkswagen Grand California und unser zu Hause unterwegs

Wir waren mit unserem Volkswagen Grand California 600 unterwegs. Für Norwegen ist ein Auto unter 6m und 3,5t eine gute Sache, da Fähren und Mautstraßen so häufig noch PKW-Gebühren kosten.

„Karl“, wie wir unser WoMo nennen, war für diese Elternzeitreise tatsächlich das perfekte Auto – zumindest für uns. Das ist uns ehrlicherweise erst während der Reise klar geworden. Auch, weil wir immermal wieder in andere Reisemobile reinschauen durften.

Grand California
„Karl“ – unser zu Hause unterwegs

Ein großer Vorteil mit Baby ist, dass das Bett fest ist (ohne Umbau) und leicht zugänglich (nicht unterm Dach). Wenn Oskar im Kindersitz unglücklich wurde, konnten wir ihn rausnehmen, hinten im Liegen stillen und wickeln – alles kein Problem. Er ist auch oft hinten auf dem Bett rumgekullert, während wir etwas zu Essen gemacht haben oder Ähnliches. Dachfenster sei Dank hatte er eine wirklich gute Zeit dort und viel Spaß 🙂

Auch eine eigene Nasszelle mit Toilette und Dusche zu haben ist insbesondere mit Baby einfach viel wert. Es geht sicher alles auch ohne – beziehungsweise eignet man sich dann andere Routinen an.

Zu einer ausführlichen Vorstellung von „Karl“ geht es hier.

Und wenn euch Wohnmobil-Reisen mit Baby besonders interessieren gibt es hier einige Gedanken, Tipps und Erfahrungen.

Unsere Reiseroute durch Norwegen während der Elternzeitreise

Die Route ist in Norwegen relativ einfach beschrieben – nach Norden 😀 Christian wollte gerne auf die Lofoten, dadurch hatten wir ein grobes Ziel. Wir haben dann einfach geschaut, was es unterwegs Sehenswertes gibt und diese Punkte zu einer Strecke miteinander verbunden.

Der ganz ursprüngliche Plan war sogar das Nordkap. Und ja, das war vor allem Christians Plan, Luise hatte in Norwegen gar nicht das Bedürfnis nach einem „Ziel“. Christian hat unterwegs aber festgestellt, dass es zum einen ein Ego-Thema ist, sagen zu können, dass wir am Nordkap waren. Zum anderen hören wir immer wieder von Leuten die da waren, dass es sich nicht wirklich lohnt. Und natürlich ist es mit Oskar auch deutlich stressfreier, insgesamt 2000km weniger zu fahren, die das bedeutet hätte.

Im Nachhinein hätten wir etwas weniger Sightseeing im Süden gemacht und wären lieber schneller in weniger touristische Gebiete gefahren, aber hinterher ist man immer schlauer.

Unsere Route durch Norwegen und Schweden

Wir sind während unserer Elternzeitreise nach Skandinavien insgesamt von Haustür zu Haustür 8777,7 km gefahren (tatsächlich!) – davon 4.314 km in Norwegen, der Rest war Hinreise durch Dänemark (1024 km) und Rückreise durch Schweden (2.428 km). Der Rest verteilt sich auf kleinere und größere Umwege auf der Rückreise seit der dänischen Grenze.

Eine ausführliche Beschreibung unserer Elternzeitreise (mit vielen Bildern) findet ihr hier.

Wie anstrengend oder entspannt war es? Würden wir eine Elternzeitreise nach Norwegen empfehlen bzw. wieder machen?

Ja, ja und ja! Es war wahnsinnig anstrengend. So anstrengend, dass wir immer wieder mal gegen 9 ins Bett gefallen sind. Und so wundervoll, dass wir uns häufig zwicken mussten, dass wir das hier gerade wirklich erleben.

Natürlich haben wir uns gestritten und sind an unsere emotionalen und körperlichen Grenzen gekommen. Und auch nicht nur einmal. Das wäre aber – insbesondere im ersten Jahr mit Baby – wahrscheinlich auch zu Hause passiert. Wir sind häufig nur eine Nacht an einem Ort geblieben, weil wir vorankommen wollten.

Wir haben Wanderungen gerne mal gegen 17/18 Uhr begonnen, weil wir eher einfach nicht zu Potte gekommen sind (dabei hat geholfen, dass es zu Beginn in Norwegen erst gegen 22/23 Uhr dunkel wurde). Waren kurz vor 23 Uhr noch im Supermarkt einkaufen. Haben morgens gemerkt, dass die letzte Mandelmilch für unser Müsli im Kofferraum tief vergraben ist und es gerade in Strömen regnet. Hatten zwischenzeitlich eine nicht funktionierende Wasserpumpe und weißen Rauch aus der Dieselheizung. Haben an einem Samstag recht verzweifelt einen Tierarzt gesucht, da Jack an einer Qualle geleckt hat und es ihm wirklich nicht gut ging, haben Oskars Windeln auf einem Campingplatz vergessen und uns im Sand festgefahren, haben ekliges (immerhin abgekochtes) Tank-Wasser getrunken, weil unser Trinkwasserkanister alle war. All das.

Und wir haben Regenbogen gesehen und riesige Berge. Fjorde, menschenleer. Haben drei Nächte aufeinander direkt an einem Fjord verbracht, draußen im T-Shirt in der Sonne gegessen und Yoga gemacht. Wir haben Oskar auf verschiedene Gipfel getragen und Abendspaziergänge im Sonnenuntergang gemacht. Haben fast nie ohne Wasser oder Wasser-Blick übernachtet. Wir haben Gletscher gesehen und Jack im Schnee toben lassen. Im Juli! Wir waren so richtig, richtig frei. Zweieinhalb Monate ohne Termine.

Jack unterwegs im Watt mit Blick auf den Torhatten

Wir sagen immer, diese Zeit der Elternzeitreise war einfach intensiver, als sie wahrscheinlich zu Hause gewesen wäre. Die beschissenen und verzweifelten Situationen waren noch ein bisschen beschissener und verzweifelter als sie es wahrscheinlich zu Hause gewesen wären. Und die schönen, wundervollen Momente waren noch ein bisschen schöner und wundervoller.

Ein Grund dafür ist wahrscheinlich auch, dass Norwegen einfach das entspannteste Land überhaupt ist, um mit dem Wohnmobil zu reisen. Es gibt ohne Ende kostenlose Ver- und Entsorgungsstationen, es ist geduldet frei zu übernachten und es gibt viele sehr schöne und günstige Campingplätze.

Elternzeitreise
Abendessen mit Blick an der Stabkirche Urnes

Und ein anderer Grund dafür ist mit Sicherheit auch, dass wir ein sehr entspanntes Baby haben. Wir hatten eine wundervolle, selbstbestimmte und interventionsfreie Geburt im Geburtshaus. Danach waren alle wohlauf – körperlich sowie emotional. Und wir haben uns ein richtiges Wochenbett gegönnt mit ganz wenig Besuch. Auch dadurch konnten wir losfahren, als Oskar 9 Wochen alt war. Und sonst hatten wir ja auch jede Flexibilität, einfach später loszufahren.

Was wir gerne vorher gewusst hätten oder wo wir „zufällig“ richtig entschieden haben

Der Abschnitt umfasst dankenswerterweise nur Kleinigkeiten, die aber trotzdem benannt werden können und vielleicht anderen Reisenden weiterhelfen.

  • Wenn man längere Zeit (> 4 Wochen) unterwegs ist, lohnt sich in Norwegen der „Telepass“. Das ist ein elektrisches Gerät was in die Windschutzscheibe kommt und von dem Maut und Fährüberfahrten automatisch abgebucht werden. Damit sind die Gebühren häufig deutlich günstiger (um die 50%) als wenn man „normal“ bezahlt. Beim normalen bezahlen wird immer das Kennzeichen gescannt und man bekommt hinterher einzeln von verschiedenen Kommunen Rechnungen nach Hause zugeschickt. Dass es den Telepass gibt haben wir vorher schlicht einfach nirgendwo gelesen und uns deswegen nicht im Detail damit beschäftigt. Vor Ort kann man den nicht mehr kaufen (wir haben es wirklich versucht!) – er ist nur online bestellbar.
  • Lebensmittel sind in Norwegen teuer, das wussten wir. Was wir nicht wussten: Bioessen oder vegane Aufstriche zu bekommen ist quasi unmöglich und wenn, dann unbezahlbar. Nur der COOP hat überhaupt eine relevante Bio-Auswahl an Gemüse oder mal eine Mandelmilch. Vegane Aufstriche oder so gab es überhaupt nicht. Hätte wir das vorher gewusst, hätten wir einfach noch mehr mitgenommen. Wir sind dann umgestiegen auf abendliches Avocado-Brot oder Guacamole, die es hier (nicht-bio) ganz gut zu kaufen gab.
  • Wir haben erst relativ spät den „Europris“ entdeckt. Für alles, was nicht Essen ist (oder konventionelles Essen) kann man da gut hinfahren, die Sachen sind extrem viel günstiger als im normalen Supermarkt. Hier kriegt man von Nudeln über Süßigkeiten und Werkzeug bis hin zum Wasserkanister alles.
  • Wenn Norwegen, dann am Besten mit einem Auto unter 6m und bis 3,5t. Das macht Maut und Fähren deutlich günstiger und auf Parkplätzen geht man immernoch als PKW durch, wenn‘s drauf ankommt. Da hatten wir einfach Glück bzw. nicht den richtigen Führerschein, da wir schon über den Grand Cali 680 (6,8m lang) nachgedacht haben.
  • Wir haben uns vorher echt Gedanken gemacht, wo wir unterwegs Gasflaschen kaufen können. Die Erkenntnis ist: Wenn man nur damit kocht (und das ist bei unserem WoMo der Fall) reicht eine 11kg-Gasflasche ungefähr ewig. Die aktuelle haben wir am 12. August 2020 in Kristiansund bekommen und sind mittlerweile in Italien damit. Als wir vor 2 Wochen (ca. 15.10.) mal nachgewogen haben, waren immernoch 9 von 11kg drin. Und dass, obwohl wir bis auf eine Woche jeden Tag gekocht haben. Mal nur nudeln, mal Risotto, aber immer gekocht. Man kommt also mit einem reichlichen Kilo pro Monat offenbar hin und wir könnten fast ein Jahr unterwegs sein mit einer einzigen Flasche. Platz wäre sogar für 2 Flaschen in unserem Auto.
  • Es gibt einfach Dinge, die erst die Erfahrung mit sich bringt. Und die Beobachtung anderer Camper 🙂 Wir hätten weniger Unfug gekauft und gleich Dinge, die wir wirklich brauchen und die uns das Leben leichter machen. Dafür gibt es einen separaten Artikel: Unsere Erstausstattung fürs Wohnmobil.
  • Besonders Luise hat sich vorher durchaus einige Gedanken gemacht, wie es mit Oskar unterwegs sein wird. Insgesamt ist das alles mit Baby ziemlich entspannt gewesen und es hat sich viel ergeben, was wir vorher so hätten gar nicht planen können. Vor allem verschiedene Routinen entstehen eben einfach. Eine ganze Sammlung an Erfahrungen und Gedanken gibt es in diesem Artikel: 6 Monate mit Baby und Hund im Wohnmobil –  unsere Erfahrungen & Tipps.

Nach insgesamt 6 Monaten im Wohnmobil haben wir hier unsere 12 Erkenntnisse zusammengefasst, die wir mitnehmen in unseren „neuen, alten“ Alltag mit unserem Sohn zurück in Hannover.

Was denkst du darüber? Habt ihr auch ein Wohnmobil und wart damit schonmal länger unterwegs? Oder habt ihr vor, euch eines zu kaufen oder zu mieten? Was sind eure Gedanken, Ideen und Überlegungen? Habt ihr Erfahrungen, an denen ihr mich und uns teilhaben lassen möchtet? Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung, entweder in den Kommentaren oder an luise@zeitgeistich.de! Und wenn du den Artikel magst – spread the love and share the happiness (auf Facebook, Twitter oder wo du sonst bist). Ich danke dir von Herzen.

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Ich bin Luise und Bloggerin aus Leidenschaft. Ich liebe Fahrrad fahren und Mittagsschlaf. Ich lebe für Liebe, Wärme, Licht und Farben. Und dafür, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass mit ein bisschen mehr Selbstliebe in jedem von uns die Welt ein noch schönerer Ort wird. Also, lasst uns anfangen :)

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